Kristallhöhlenmorde - «Der Täter hat Bilder, Schreie, Geräusche im Kopf»
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Kristallhöhlenmorde«Der Täter hat Bilder, Schreie, Geräusche im Kopf»

Die Ermordung von Karin Gattiker (†15) und Brigitte Meier (†17) vor 39 Jahren beschäftigt Personen in der Region der Kristallhöhle bei Oberriet SG noch immer. Für ein neues Buch hat Profiler Axel Petermann vor Ort recherchiert und hatte auch Kontakt zu Angehörigen.

von
Jeremias Büchel
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Das letzte Foto der Goldacher Mädchen, geschossen am 29. Juli 1982 mit der Fotokamera von Brigitte Meier in der Umgebung von Herisau.

Das letzte Foto der Goldacher Mädchen, geschossen am 29. Juli 1982 mit der Fotokamera von Brigitte Meier in der Umgebung von Herisau.

privat
Sie verschwanden am 31. Juli 1982: Karin Gattiker (links) und Brigitte Meier. Die beiden Mädchen …

Sie verschwanden am 31. Juli 1982: Karin Gattiker (links) und Brigitte Meier. Die beiden Mädchen …

... unternahmen eine Velotour durch die Ostschweiz (hier eine nachgestellte Szene aus der Sendung «Aktenzeichen XY»). Ihre Spur verlor sich …

... unternahmen eine Velotour durch die Ostschweiz (hier eine nachgestellte Szene aus der Sendung «Aktenzeichen XY»). Ihre Spur verlor sich …

Darum gehts

  • Vor 39 Jahren begaben sich die Goldacherinnen Karin Gattiker (†15) und Brigitte Meier (†17) auf eine Velotour, von der sie nie mehr zurückkehrten.

  • Die Mädchen wurden in der Nähe der Kristallhöhle bei Kobelwald in der Gemeinde Oberriet SG ermordet.

  • Bis heute weiss man nicht, wer die Mädchen ermordet hat.

  • Profiler Axel Petermann hat sich für sein neues Buch «Im Auftrag der Toten – ein Profiler ermittelt», das im Herbst erscheinen wird, erneut mit dem Fall befasst.

Ende Juli 1982 ereignete sich in Oberriet SG ein Verbrechen, das auch Jahre danach die Menschen beschäftigt (siehe Box). Es jährt sich nun zum 39. Mal und ist mittlerweile rechtlich verjährt. Dennoch ist das Interesse an diesem ungelösten Kriminalfall nach wie vor gross, auch beim Tatortanalytiker Axel Petermann (68). Für sein Buch «Im Auftrag der Toten», das im Herbst erscheinen wird, hat er wiederholt in der Umgebung der Kristallhöhle ermittelt und zahlreiche Zeugen und Ermittler befragt.

Kristallhöhlenmord von 1982

Karin Gattiker (15) und Brigitte Meier (17) verschwanden am 31. Juli 1982 auf einer Velotour durch die Ostschweiz. Ihre Spur verlor sich an einer Wegkreuzung in Oberriet, wo ihre Velos zurückblieben. Ihre Leichen wurden neun Wochen später bei der Kristallhöhle entdeckt. Der oder die Täter wurden nie gefasst.

Es ist ein Fall, der europaweit für Aufsehen sorgte und noch heute weit über die Region die Menschen bewegt. Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Fall abgeschlossen und verjährt. Im Zuge dessen hat die Justiz alle Asservate vernichtet.

Für Petermann ist klar, dass sich der Täter in der Gegend um die Höhle sehr gut ausgekannt haben musste. «Die Leichen wurden unterhalb der Höhle in unwegsamem Gelände unter einer Steinplatte und einem Steinhügel versteckt.» Nur eine ortskundige Person könnte auf die Idee gekommen sein, die Leichen dort in einer Mulde sowie in einer niedrigen Höhle rund 50 Meter davon entfernt zu verstecken. Denn so einen Weg nimmt man mit zwei Leichen nur auf sich, wenn man weiss, dass man diese dort verstecken kann.

Fortgeschrittener Verwesungsprozess erschwerte Ermittlungen

Ob der Täter die Leichen alleine oder mit Hilfe eines oder mehreren Komplizen gehandelt hat, sei unklar. «Hilfe hätte man sicher gut gebrauchen können, alleine schon, um die schwere Steinplatte zu bewegen», sagt Petermann. Als Todesursache sieht Petermann bei Gattiker einen gezielten Schlag auf den Kopf als plausible Möglichkeit. «Im Nachgang hat vermutlich ein sexueller Missbrauch stattgefunden», so der Profiler. Ein Missbrauch schliesst er bei dem jüngeren Opfer Karin Gattiker aus. Diese sei wohl ermordet worden, weil sie etwas gesehen hatte, das sie nicht hätte sehen sollen oder um sich ungestört am älteren Mädchen vergehen zu können. Die Todesursache bei Meier bleibt unklar; jedoch dürfte stumpfe Gewalt gegen den Kopf zum Tod geführt haben. «Die Leichen wurden neun Wochen nach der Tat gefunden, da war der Verwesungsprozess bereits sehr fortgeschritten», sagt Petermann. Zudem seien die forensischen Untersuchungsmittel, die 1982 zur Verfügung standen, im Vergleich zu heute bescheiden gewesen. «Einen DNA-Nachweis gab es damals nicht.»

Ungerechte Verjährung

Rechtlich würde ein DNA-Nachweis heute nichts mehr nützen: Der Fall ist seit langem verjährt. Zudem wurden alle gesammelten Beweismittel mittlerweile vernichtet. Dass die Täterschaft kaum mehr ermittelt werden kann, sei für die Angehörigen schwer. Ein Bruder eines der beiden der Opfer teilte Petermann mit, dass ein Gesetz, welches dem Mörder nach 30 Jahren das Gefühl gebe, nicht mehr bestraft werden könne, wohl nichts mit Gerechtigkeit zu tun haben könne. Dennoch sei der Täter wohl doch bestraft. «Ich bin mir sicher, dass auch der Täter damit zu kämpfen hat, denn er hat die Bilder, die Schreie, die Geräusche im Kopf. Und wohl niemanden, mit dem er darüber reden kann.»

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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