Francisco Rodriguez: Der talentierteste der Rodriguez-Brüder litt an Depressionen
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Francisco RodriguezDer talentierteste der Rodriguez-Brüder litt an Depressionen

Einen Monat lang musste er in eine Klinik: Francisco Rodriguez erlebte vor allem die Schattenseiten des Profi-Business. Nun will er ein Tabu brechen.

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Kann endlich wieder lachen: Fussballspieler Francisco Rodriguez (rechts).

Kann endlich wieder lachen: Fussballspieler Francisco Rodriguez (rechts).

Bild: Andy Mueller (Freshfocus)
Der frühere FCZ-, Luzern-, Lugano- und Wolfsburg-Profi fiel vor über einem Jahr in eine mittelschwere Depression.

Der frühere FCZ-, Luzern-, Lugano- und Wolfsburg-Profi fiel vor über einem Jahr in eine mittelschwere Depression.

Bild: Martin Meienberger (Freshfocus)
Während seiner Zeit bei Lugano musste Rodriguez aussetzen und in eine Berner Klinik.

Während seiner Zeit bei Lugano musste Rodriguez aussetzen und in eine Berner Klinik.

Bild: Pablo Gianinazzi (Keystone)

Darum gehts

  • Francisco Rodriguez ist der jüngste der drei Fussball-Brüder.

  • Er gilt als das grösste Talent.

  • Aufgrund seiner Depressionen ging er einen Monat in eine Klinik.

  • Jetzt will er ein Tabu brechen.

Eigentlich sagt er es selbst schon: «Das klingt schon brutal.» So kommentiert Francisco Rodriguez die Diagnose, die ihm ein Arzt vor etwas mehr als einem Jahr stellte: eine mittelschwere Depression. Nun, das klingt nicht nur brutal, das ist es auch. Denn, so erzählt es der jüngste der drei Rodriguez-Brüder gegenüber dem «Tages-Anzeiger» (mit Bezahlschranke), der Weg raus aus der Dunkelheit, der ist beschwerlich. Er verarbeitet Dinge wie den frühen Tod seiner Mutter, beschäftigt sich permanent mit sich selbst: «Blöd gesagt: Das war die Hölle

Begonnen habe alles mit banalen Dingen, etwa auszuwählen, was er trinken möchte. Danach wird es schlimmer, gipfelt in schlaflosen Nächten und Existenzängsten. Also sehen sich der damalige Lugano-Profi und seine Familie gezwungen, die Reissleine zu ziehen: Einen Monat verbringt er in einer Klinik in Bern, er schreibt seine Gedanken auf, füllt fast ein ganzes Notizheft. Das habe ihm gutgetan.

Es fehlte die Menschlichkeit

Mittlerweile ist er geheilt, so sagt er es selber. Beim FC Schaffhausen in der Challenge League schätzt er das familiäre Umfeld, spielt mit Roberto, dem ältesten der Rodriguez-Brüder, das hilft dem Familienmenschen.

Mit seiner Geschichte will der 25-Jährige vor allem eines: aufrütteln. Er kann nicht nachvollziehen, dass Depressionen noch immer ein Tabuthema im Fussball sind. Ohnehin fehlt ihm die Menschlichkeit, insbesondere die Ehrlichkeit in diesem Business. In seiner dunkelsten Phase fühlte er, von dem sein Bruder, der Nationalspieler Ricardo, immer sagte, er sei der Talentierteste in der Familie, sich wie ein Produkt. Der Offensivspieler fragte sich ständig: «Kann ich nur in der Familie so sein, wie ich wirklich bin?» Nun will er sich nicht mehr verstellen müssen. Stört in etwas, spricht er es direkt an. Seiner Gesundheit zuliebe.

Hast du oder jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele, Onlineberatung für Kinder psychisch kranker Eltern

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Tel. 147

(fas)

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