Neue Doppelstockzüge: Der teuerste SBB-Auftrag aller Zeiten
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Neue DoppelstockzügeDer teuerste SBB-Auftrag aller Zeiten

Stadler Rail, Bombadier oder Siemens: Heute fällt die SBB den Entscheid, welche Doppelstockzüge ab 2013 durch die Schweiz brausen.

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2,1 Milliarden Franken: So viel lassen sich die SBB ihre 59 neuen, mit WLAN und Videoüberwachung ausgestatteten Doppelstockkompositionen kosten – es ist der grösste Auftrag in der Geschichte der Bundesbahnen. Die SBB-Konzernleitung entscheidet sehr wahrscheinlich noch heute Dienstag, ob Bombardier, Siemens oder eben doch der Schweizer Hersteller Stadler Rail aus Bussang TG zum Zug kommen (siehe Diashow).

Vier Jahre Testfahrten

Bereits ab 2013 sollen die neuen Züge zwischen Genf und St. Gallen verkehren. Ein neues Neigesystem - die so genannte Wankkompensation - soll den Doppelstöckern erlauben, in den Kurven schneller zu fahren und so die Reisezeit zwischen Bern-Lausanne und Zürich-St. Gallen auf jeweils unter eine Stunde zu drücken. Diese Technik ist für alle drei Zugbauer Neuland.

Der Zeitplan vom Auftrag bis zur ersten Inbetriebsetzung des neuen Superzuges ist äusserst eng gesteckt. Dies zeigt auch der Vergleich mit dem direkten Vorgängermodell, dem von den damaligen Schindler Waggons produzierten IC 2000 Doppelstöcker. Damals erteilten die SBB den Auftrag im Dezember 1993. 1997 erfolgte die erste Inbetriebsetzung. Vier Jahre brauchte die mittlerweile in Bombardier aufgegangene Firma, um die Wagen zur Marktreife zu bringen - ohne die jetzt geplante komplizierte Neigetechnik.

SBB-Sprecher Reto Kormann relativiert die Marschtabelle: «Vor 2017 dürfte die Wankkompensation kaum fahrplanmässig zum Einsatz kommen.» Nach der ersten Auslieferung 2013 werde die SBB die neue Technik erst einmal gründlich testen. Zudem seien zur vollen Entfaltung des Nutzens der Wankkompensation ohnehin auch infrastrukturelle Ausbauten notwendig.

Stadler Rail als Aussenseiter

Die drei Hersteller treiben die Entwicklung der Doppelstöcker-Züge mit Volldampf voran. Selbst für internationale Grosskonzerne wie Bombardier oder Siemens ist der 2,1 Milliarden-Auftrag eine grosse Sache. Laut der «SonntagsZeitung» haben diese Firmen die Nase im Bieterrennen vorn. Für Bombardier oder Siemens sprechen mehrere Gründe: Einerseits haben die beiden Unternehmen mehr Erfahrung im Bau von Fernverkehrszügen. Weiter können und wollen sich die SBB nicht mit Stadler Rail von einem einzigen Anbieter abhängig machen. Dies weil die SBB bereits Doppelstockzüge vom Typ Dosto bei Stadler für den Regionalverkehr bestellt haben.

Wer den Zuschlag erhalten hat, werden die SBB am Mittwochnachmittag an einer Pressekonferenz mitteilen. 20 Minuten Online ist für Sie vor Ort.

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