Osama bin Laden: Der teuerste Staatsfeind aller Zeiten
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Osama bin LadenDer teuerste Staatsfeind aller Zeiten

Nach dem Tod von Osama bin Laden berechnen zwei Wirtschaftsexperten die Kosten der Jagd auf den Terrorfürsten – und kommen auf eine Wahnsinnszahl mit zwölf Nullen.

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Drei Billionen Dollar in 15 Jahren: So viel soll die USA die Jagd auf Feind Nummer eins in den letzten 15 Jahren gekostet haben. Osama bin Laden sei somit der «teuerste Staatsfeind aller Zeiten», behaupten die Wirtschaftsexperten Tim Fernholz und Jim Tankersley in einem Artikel des renommierten Magazins «National Journal». Gleichzeitig analysieren die US-Ökonomen, welche «Vorteile» die Jagd auf den Al-Kaida-Chef dem Land gebracht hat: «Zwei Kriege, die immer noch 150 000 Soldaten beschäftigen und ein Viertel unseres Verteidigungsbudgets auffressen; einen inländischen Sicherheitsapparat, der teilweise unsere Bürgerrechte und die zivilen Freiheiten einschränkt; steigende Ölpreise durch die Terror-Bedrohung und eine monströse Staatsverschuldung, die aus der Vervielfachung der Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung resultiert.»

Die Summe von drei Billionen Dollar, rund ein Fünftel des jährlichen Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten, sei noch eine «konservative» Schätzung, warnen die Experten. Denn im Gegensatz zu anderen Kriegen könnten die Aktionen gegen Bin Laden für die USA das endgültige Debakel bedeuten. Die Experten vergleichen die heutige Situation der USA mit jener der Sowjetunion in den späten 1980er-Jahren: Damals führte der Afghanistan-Einsatz zum Zerfall des Landes.

Krieg brachte Fortschritt – bis jetzt

Anders als in früheren Fällen hat die jetzige US-Kriegsführung nichts zur Entwicklung des Landes beigetragen, schreiben Fernholz und Tankersley. Obwohl die Ausgaben für den Zweiten Weltkrieg auf 4,4 Billionen Dollar beziffert werden, habe der US-Einsatz aus der Wirtschaftsperspektive einen Aufschwung nach der «Grossen Depression» ermöglicht. Schliesslich profitiere man noch heute von den technischen Innovationen wie Flugzeugturbinen und Atomenergie.

Die Experten analysieren auch den 280 Milliarden Dollar teuren Sezessionskrieg vor 150 Jahren zwischen der Nordstaatenunion und den konföderierten Südstaaten: Er hatte das Ende der Sklaverei und somit die Integration der ehemaligen Sklaven in die Arbeitsgesellschaft gebracht – obwohl die Kosten fast so hoch wie das komplette Bruttonationalprodukt waren. Auch der Kalte Krieg, der laut Historikern auf 19 Billionen Dollar beziffert wird, habe einen «Nutzen» gehabt: Die Rüstungs- und Technologie-Konkurrenz zwischen den USA und der Sowjetunion habe das Leben der Amerikaner revolutioniert und unter anderem die Verbreitung des Internets zur Folge gehabt. Einzig der Vietnam-Krieg wird als Negativbeispiel aufgelistet: Dieser habe 738 Milliarden Dollar gekostet, jedoch keine positiven wirtschaftlichen Wirkungen gehabt.

Zeit für Schlussfolgerungen

Seit Osama Bin Laden im Jahr 1998 auf der Liste der «Meistgesuchten» landete, habe die Jagd auf ihn den USA und dem Rest der Welt nichts Positives gebracht, sind sich die Ökonomen einig. Dabei steht nicht nur die Wirtschaft im Vordergrund. Zu den Negativ-Folgen gehört auch die «Kultur der Angst», die sich nach dem 11. September in der amerikanischen Gesellschaft breitgemacht hat – und die den Einmarsch der USA-Truppen in den Irak ermöglichte.

Aus technologischer Sicht lassen sich Drohnen und Datenverarbeitungszentren als die einzigen Errungenschaften nennen, die der «War on Terror» gebracht hat, meinten die von den Wirtschaftsanalysten konsultierten Experten. Die negativen Folgen aber überwiegen, meinten sie. An erster Stelle steht die Instabilität, in welche die Angst vor Terrorattacken die Welt versetzt hat. «Stabile Länder mit funktionierenden Regierungen geben bessere Handelspartner ab», meinen Fernholz und Tankersley. Ein wirtschaftlicher Vorteil, der aus dem Einmarsch der USA in fremde Länder resultieren könnte, um sich deren Ressourcen zu bemächtigen, sei nicht zu erkennen.

Mit den drei Billionen Dollar hätten sich die USA also weder Sicherheit noch Stabilität erkauft. Das Land habe lediglich gegen eine unsichtbare, aber als existentiell eingestufte Bedrohung gekämpft, lautet die Schlussfolgerung der Autoren. Zuletzt warnen sie: Wenn die Regierung nicht ihre Ausgaben korrigiert, würden sich in den nächsten zehn Jahren neun Billionen Dollar an zusätzlichen Schulden anhäufen. «Das sind drei Osamas», stellen Fernholz und Tankersley klar. Bin Laden würde dann nach seinem Tod sein Ziel erreicht haben: den Bankrott der Vereinigten Staaten von Amerika.

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