10.06.2017 07:52

Hohe Kosten

Der teure Dreh mit den Ersatz-Zahnbürsten

Ersatzteile für elektrische Zahnbürsten sind oft teurer als das Gerät selbst. Mit Imitaten bieten Online-Händler günstige Alternativen an.

von
K. Wolfensberger
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Jeder zweite Schweizer putzt seine Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste.

Jeder zweite Schweizer putzt seine Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste.

Centralitalliance
Laut den Angaben der Hersteller sollen sie besonders gründlich reinigen.

Laut den Angaben der Hersteller sollen sie besonders gründlich reinigen.

Doch sind Ersatzbürsteli oft sehr teuer. Viele Kunden kaufen daher Imitate wie diese Produkte aus China.

Doch sind Ersatzbürsteli oft sehr teuer. Viele Kunden kaufen daher Imitate wie diese Produkte aus China.

Jeder zweite Schweizer putzt seine Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste. Laut den Angaben der Hersteller sollen sie besonders gründlich reinigen. Viele der Geräte von Marken wie Oral-B oder Philips kosten zwar wenig in der Erstanschaffung, doch sind die Ersatzbürsten oft sehr teuer. Ein Beispiel: Für vier Aufsätze, die auf eine Philips-Sonicare-Diamond-Clean-Schallzahnbürste passen, bezahlen Kunden beim Online-Händler Brack 32 Franken.

Viel zu teuer, dachte sich der Luzerner Thomas Gmünder. Der Besitzer des Online-Shops Shavemaster.ch vertreibt deshalb seit kurzem Imitat-Aufsätze aus China, die mit den Original-Zahnbürsten kompatibel sind. Für die Sonicare-Zahnbürste beispielsweise bietet er passende Ersatzbürsten im Viererpack für 8.20 Franken – weniger als ein Drittel des Originalpreises.

Gestartet als Hobby

Gegründet hatte Gmünder seinen Shop ursprünglich, um Imitat-Rasierklingen zu verkaufen. «Auch hier kosten die Originalklingen fast ein Vermögen», so der Hobby-Unternehmer, der hauptberuflich als Forensiker in der Spurensicherung arbeitet. Er erklärt: «Dass Original-Rasierklingen und Zahnbürsten-Aufsätze zu teuer sind, zeigt sich auch daran, dass sie in den Supermärkten abgeschlossen sind und bei der Kasse verlangt werden müssen, damit niemand sie stiehlt.»

Die Argumente der Hersteller für die hohen Preise seien oft nicht viel mehr als cleveres Marketing. «Rasierklingen sind teurer, weil es eine elektrische Batterie im Rasierer hat, bei den Zahnbürsten sind Schall und Vibrationen der Grund für die höheren Preise», so Gmünder. Viele Leute liessen sich davon nicht überzeugen und würden daher gern auf die Imitate zurückgreifen. «Erst habe ich meine Produkte nur an Freunde verkauft, doch inzwischen habe ich einen breiten Stamm an Kunden gewinnen können.»

Viele Anbieter im Netz

Der Luzerner ist derweil nicht der einzige Händler, der solche Kopien anbietet. Auf Plattformen wie Amazon bieten verschiedene Händler ihre günstigen Zahnbürsten-Aufsätze an. Wer trotzdem Wert auf Originalteile legt, sollte zumindest im Netz vergleichen, wo die Produkte am wenigsten kosten. Das findet auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz: «Es ist wichtig, dass bei Ersatzteilen ein Wettbewerb herrscht, da die Originalhersteller ansonsten noch höhere Preise verlangen können», sagt sie zu 20 Minuten.

Stadler empfiehlt den Konsumenten, sich beim Kauf auch über den Preis der Teile, die immer wieder gekauft werden müssen, Gedanken zu machen. Für die Produkte der alternativen Hersteller habe sich ausserdem leider gezeigt, dass die Kunden in der Schweiz mit höheren Preisen als im angrenzenden Ausland belastet werden. Grund sei auch hier der Schweiz-Zuschlag, den die meisten Anbieter kennen. «Die Produkte sind zwar günstiger als die Originalteile, aber teurer als im Ausland», so Stalder.

Hersteller wehren sich

Was sagen die Hersteller zu den hohen Preisen der Aufsätze? Procter & Gamble, die Firma hinter der Marke Oral-B, bleibt auf Anfrage von 20 Minuten eher vage, verweist aber auf die Kosten für die Forschung: «Die Entwicklung von elektrischen Zahnbürsten ist sehr anspruchsvoll und erfordert jahrelange Forschungsaktivitäten.» Dabei nützten die Wissenschaftler neueste Erkenntnisse, um die Produkte kontinuierlich zu verbessern, was sich bei den Preisen bemerkbar mache. Die Endpreise würden ausserdem durch den Handel, nicht durch den Hersteller bestimmt.

Auch Philips betont, dass man als Generaldistributor in der Schweiz lediglich Preisempfehlungen an die Händler weitergebe. Der Handel sei frei, seine Preise selbst zu gestalten. Bei den Bürstenköpfen handle es sich ausserdem um «qualitativ sehr hochstehende und sehr innovative Produkte für die Mundhygiene, die in Klagenfurt Österreich hergestellt werden», was einen Einfluss auf die Preise habe.

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