Der tiefe Fall einer Möchtegern-Miss
Aktualisiert

Der tiefe Fall einer Möchtegern-Miss

Früher bewarb sich Kumari Fulbright um den Titel der Miss Arizona. Jetzt ist die Jurastudentin angeklagt: Sie soll mit drei Männern ihren Ex gekidnappt, gefoltert und zehn Stunden festgehalten haben.

Angesichts ihres Lebenslaufes hätte aus Kumari Fulbright auch eine Staatsanwältin werden können: Die 25-Jährige studiert Jura an der Universität von Arizona und ihr Geld verdient sie sich als Aushilfe bei einem Bezirksrichter. Sie war 2005 «Miss Pima County», 2006 «Miss Desert Sun» und versuchte, Miss Arizona zu werden. Statt auf der Richterbank zu sitzen, muss Fulbright nun jedoch vor den Kadi treten - wegen bewaffneten und schweren Raubes, wegen Kidnapping und wegen zweier Fälle schwerer Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe.

Gefesselt und mit der Pistole bedroht

Die drehbuchreife Geschichte begann laut Polizeisprecher Sergeant Fabian Pacheo und dem US-Nachrichtendienst «ABC» Tuscon im US-Bundesstaat Arizona gegen Mittag am 8. Dezember. Fulbright ruft ihren Ex-Freund an und bittet ihn zu sich. Als er eintrifft, springt sie erstmal unter die Dusche. Dann treten die Ergonis-Brüder, der 44-jährige Michael und der 46-jährige Robert, auf den Plan.

«Mit vorgehaltener Pistole befehlen sie ihm, sich hinzulegen», so Pacheo. «Sie beschuldigen das Opfer, Juwelen gestohlen zu haben und beziehen sich auf Fulbright. Sie kommt aus der Dusche und beginnt, an dem ganzen Vorgang teilzunehmen.» Sie fesseln ihn mit Kabel und Panzerband und transportieren ihn ab – ins nächste Haus. Um den Alptraum perfekt zu machen, stösst dort ein dritter Mann, der 40-jährige Bruce Hammond dazu.

Gebissen, gestochen, bedroht.

Die Ex-Freundin biss den Gefesselten mehrmals, stach mit einem Fleischermesser in sein Ohr, zielte mit der Pistole auf ihn und sagte, sie würde ihn umbringen, schreibt der «Arizona Daily Star», dem die Anklageschrift vorliegt. «Dort waren einige Werkzeuge. Das Opfer sieht diese Werkzeuge und denkt, sie werden sie an ihm anwenden. Er glaubt ehrlich, dass er umgebracht wird», sagte Pacheo. Die drei Männer verlassen jedoch das Apartment und lassen Beinahe-Model Fulbright zurück, um den Gefangenen zu bewachen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Opfer eine Hand befreien können. Als Fulbright wieder zu ihm tritt, kann er ihr die Waffe aus der Hand schlagen: Die Pistole fällt und geht los. «Sie fingen an, um die Waffe zu kämpfen und das Opfer konnte aus dem Apartment fliehen», so Pacheo. Die Nachbarin rief wegen der Schreie um 22.50 Uhr die Polizei: knapp zehn Stunden, nachdem der Ex-Freund in Fulbrights Haus gekommen war.

Kumari Fulbright und Bruce Hammond sind inzwischen gefasst worden. Im Gegensatz zu ihm konnte die 25-Jährige die jeweils geforderten 50 000 Dollar Kaution bezahlen und ist auf freiem Fuss. Ihr Anwalt Tom Hartzell liess gegenüber dem «Arizona Daily Star» durchblicken, das Opfer sei selbst kein Kind von Traurigkeit: «Meine vorläufigen Untersuchungen deuten darauf hin, dass das angebliche Opfer nicht das appetitlichste Individuum ist und selbst mit einer schweren Bürde vor Gericht geht.»

Die Ergonis-Brüder sind nach wie vor flüchtig, doch Schweizer können sich sicher fühlen: «Wir haben keine Gründe anzunehmen, sie hätten Beziehungen ins Ausland», sagte Polizeisprecher Pacheo.

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