Klonfabrik in Südkorea: Der Tierarzt, der Hunde unsterblich macht
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Klonfabrik in SüdkoreaDer Tierarzt, der Hunde unsterblich macht

Wer den Tod seines Hundes nicht verkraftet, hat die Möglichkeit, ihn in der Hundefabrik von Dr. Hwang Woo-suk in Seoul klonen zu lassen. Ein fragwürdiges Unternehmen.

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Der südkoreanische Tierarzt Hwang Woo-suk hat sein Unternehmen Sooam Biotech zu einer wichtigen Einnahmequelle gemacht, seit sein Forscherteam 2005 den ersten Hund (Snuppy) klonte.

Der südkoreanische Tierarzt Hwang Woo-suk hat sein Unternehmen Sooam Biotech zu einer wichtigen Einnahmequelle gemacht, seit sein Forscherteam 2005 den ersten Hund (Snuppy) klonte.

AP/ahn Young-joon
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap verdient die Firma rund 34 Milliarden Won (28 Millionen Franken) im Jahr mit dem Klonen von Hundewelpen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap verdient die Firma rund 34 Milliarden Won (28 Millionen Franken) im Jahr mit dem Klonen von Hundewelpen.

AP/ahn Young-joon
Jedes Hundebaby soll für die Kunden rund 100'000 US-Dollar kosten.

Jedes Hundebaby soll für die Kunden rund 100'000 US-Dollar kosten.

AP/ahn Young-joon

In den Laboren des südkoreanischen Unternehmens Sooam Biotech spielen die Wissenschaftler Hundegott. Unter der Leitung von Firmengründer Hwang Woo-suk (64) werden südwestlich von Seoul aus den Zellen bereits verstorbener Tiere für rund 100'000 Dollar Klone hergestellt.

Die deutsche Zeitschrift «Geo» hat Dr. Woo-suk kürzlich besucht. Dem Tierarzt war es 2005 erstmals gelungen, den Afghanischen Windhund Snuppy zu klonen. Heute produziert Sooam Biotech im Durchschnitt 15 Hundeklonwelpen pro Monat.

Das Riesengeschäft mit dem geklonten Fido

Die Kundschaft stammt in erster Linie aus einer wohlhabenden Oberschicht, es gibt aber auch Ausnahmen: jene Menschen, die sogar eine Hypothek auf ihr Haus aufnehmen, um die Kosten für ihr Glück zu begleichen. Egal ob arm oder reich, die Klienten von Sooam Biotech haben eines gemeinsam: Sie verkraften den Tod ihres Lieblings nicht und wollen es in einer Genkopie weiterleben lassen.

Dr. Woo-suk hat für sie einen ersten Ratschlag: Wer seinen verstorbenen Hund klonen lassen wolle, der soll die Leiche in feuchte Handtücher einwickeln und ihn in den Kühlschrank stellen. Nur so können die Forscher sicherstellen, dass aus dem entnommenen Gewebe das Haustier später geklont werden könne, heisst auf der Website des Unternehmens. Wer das Geld nicht gleich zur Hand habe, hat auch die Möglichkeit, das DNA-Material zunächst einfrieren lassen. Das kostet pro Jahr 3000 Dollar.

Die Klone sind allerdings nur genetische Zwillinge. Fell oder Augenfarbe könnten anders ausfallen als beim Original, warnt Sooam Biotech. Das hat damit zu tun, dass in der Eizelle auch etwas Erbgut der Eizellspenderin weitergegeben wird. Diese Gene tauchten dann im Klon auf.

Viele Hunde müssen sterben, damit einer geklont wird

Das Geschäft mit den Hundeklonen hat eine fragwürdige Kehrseite, schreibt «Geo». Zwar habe sich die Technik in den letzten zwölf Jahren deutlich verbessert, doch immer noch werden für jeden geklonten Welpen eine Vielzahl von Hunden — meistens geringerwertige Mischlinge — benutzt. Es braucht eine Eizellspenderin und mehrere Leihmütter. Anders als Menschen haben Hündinnen einen sehr unregelmässigen Eisprung und im Gegensatz zu anderen Säugetieren ovulieren unreife Eizellen erst im Eileiter heran. Es ist darum aufwendiger, geeignete Eizellen zu gewinnen.

Sooam Biotech behauptet, heutzutage mit nur vier Hunden pro Neuschöpfung auszukommen: einer Eizellspenderin und drei Leihmüttern. Überprüfen lässt sich das nicht. Was klar ist: Die Tiere werden im Labor mit Hormonen vollgepumpt, betäubt und operiert.

Das Klonen wird scharf kritisiert

Inzwischen hat das Unternehmen auch einen ergiebigen Deal mit der südkoreanischen Polizei ergattert, um Schnüffelhunde zu klonen. Auch eine Kooperation mit einem chinesischen Unternehmen ist auf der Liste. Dabei sollen etwa eine Million Klonrinder erzeugt werden.

Tierschutzorganisationen kritisieren das kommerzielle Kopieren von Lebewesen seit Jahren. Und auch in den sozialen Netzwerken stösst das Vorhaben, Hunde zu klonen, auf Unverständnis. Schon jetzt würden auf der ganzen Welt viele Hunde getötet oder landeten in Tierheimen, weil niemand sie haben wolle. Warum also Hundegott spielen?

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