US-Masters: Der Tiger ist wieder der Gejagte
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US-MastersDer Tiger ist wieder der Gejagte

Tiger Woods' letzter Sieg am US Masters datiert von 2005. Aber an dem heute beginnenden ersten Major-Turnier des Jahres ist der 37-jährige Superstarwieder der haushohe Favorit.

von
fbu

Die Resultate der ersten drei Monate der Saison 2013 auf dem amerikanischen Circuit sprechen eine deutliche Sprache. Tiger Woods benötigte nur gerade fünf Turnierstarts, um seine Siege Nummern 75 bis 77 einzufahren und seinen Rivalen Rory McIlroy an der Spitze der Weltrangliste abzulösen. Was für ein Kontrast zu der Leidenszeit, die Woods nach dem Ausbruch des selbst verschuldeten Ehe- und Sexskandals Ende 2009 durchmachte und während der er fast zweieinhalb Jahre lang keinen einzigen Turniersieg einfahren konnte. Erst vor einem Jahr machte er wieder auf sich aufmerksam. Sowohl vor dem US Masters als auch vor dem US Open im Juni gewann er die Hauptproben an erstklassig besetzten Events. An den Majors selber musste er sich hintanstellen, in Augusta wurde er gar nur 40.

Vor dem prestigeträchtigsten Einzelturnier erlebt man in dieser Woche einen völlig wiederhergestellten, ausgeglichenen und vor Siegeswillen strotzenden Woods. «Ich glaube, dass das Gleichgewicht das Wichtigste im Leben ist. Man darf sich von anderen Dingen nicht verrückt machen lassen. Und jetzt fühle ich mich sehr ausgeglichen», sagte der Maestro an einer Medienkonferenz im Augusta National Golf Club. Ohne mit einem Wort darauf einzugehen, spielte er auf seine neue Beziehung mit dem amerikanischen Skistar Lindsey Vonn an.

Woods' Durststrecke an Majors hält nun bereits fast fünf Jahre an - seit dem US Open im Juni 2008. Die dominierende Frage jedoch ist wieder mehr denn je: Wird es Woods gelingen, den vom «Goldenen Bären» Jack Nicklaus gehaltenen Rekord von 18 Siegen an Major-Turnieren einzustellen oder sogar zu übertreffen? «Ja, ich erwarte, dass er den Rekord bricht», sagte der mittlerweile 73-jährige Nicklaus diese Woche. Woods sei zu talentiert und zu fokussiert, als dass er sich das langfristige Ziel entgehen lassen würde.

McIlroy nach Krise im Aufwind

Noch im Spätsommer 2012 hiess der gefeierte Star Rory McIlroy. In dem für Golfprofis geringen Alter von 23 Jahren stellte der Nordire an der US PGA Championship seinen zweiten Major-Titel sicher und liess zwei weitere Siege im Rahmen der US PGA Tour folgen. Ende Jahr schloss er mit einem der führenden Golfausrüster einen lukrativen Sponsoringvertrag ab. Mit den neuen Schlägern ist er in den ersten Monaten dieser Saison überhaupt nicht zurechtgekommen. Er schlitterte sogar in eine veritable spielerische Krise.

Die Verunsicherung wuchs, je näher das US Masters rückte. Letzte Woche schwänzte McIlroy zum Ärger der Veranstalter einen Wohltätigkeitsanlass in Haiti, an dem er als UNICEF-Botschafter hätte auftreten sollen. Stattdessen spielte er am US-Turnier in San Antonio. «Golf ist ein Egoisten-Sport, und manchmal musst du einfach tun, was für dich das Beste ist.» Die Rechnung ist aufgegangen, McIlroy tankte mit dem 2. Platz (und einer tollen 66er-Schlussrunde) neues Selbstvertrauen.

Auf die Rivalität um die Vorherrschaft im Golfsport angesprochen, stapelt McIlroy allerdings tief. «Wenn ich mich als echten Rivalen sähe, so täte ich Tiger Unrecht. Er hat 77 Siege auf der US Tour erreicht, ich erst sechs. Er hat 14 Major-Titel, ich erst zwei.» (fbu/si)

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