Amoktäter: Der Tod kommt in Schwarz
Aktualisiert

AmoktäterDer Tod kommt in Schwarz

Ein einheitliches Persönlichkeitsprofil ist bei Amoktätern laut Experten nicht vorhanden. Doch es gibt Gemeinsamkeiten. Über eine davon wurde bislang nur beiläufig berichtet.

von
Runa Reinecke

Schwarz ist viel mehr als eine Farbe: Schwarz ist eine Bekundung, ein Ausdruck für Trauer, es symbolisiert die Nacht, Stille und den Tod. Für die Existenzialisten der 50er-Jahre wurde schwarze Kleidung zum Sinnbild der nach aussen zur Schau gestellten Melancholie. Doch Schwarz kann auch ganz anders: Das Düstere steht in der Psychologie für Depression, Negativität und Aggression. Gefühle, die auch der 17-jährige Tim K. empfunden haben soll, als er eines der schlimmsten Amokdramen der deutschen Geschichte zu planen begann.

Kein einheitliches Profil - trotzdem viele Übereinstimmungen

«Ein einheitliches Persönlichkeitsprofil gibt es für jugendliche Amokläufer nicht», sagt Cornelia Bessler, Leiterin der Fachstelle für Kinder- und Jugendforensik am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich. Doch bei näherem Hinsehen finden sich gewisse Gemeinsamkeiten. Diese wurden seinerzeit von Wissenschaftlern der Technischen Universität Darmstadt zusammengetragen und ausgewertet. Der Leiter der Studie, Jens Hoffmann, stellte fest, dass «in allen Fällen deutliche Risikomerkmale im Verhalten und in der Kommunikation der Täter im Vorfeld der Tat identifiziert werden konnten.» Dazu gehörten oftmals im Vorfeld geäusserte Suizid-Wünsche, Ankündigungen der Tat oder das Interesse an Gewalt beinhaltenden Mediendarstellungen. Die Fakten des Dramas, das sich jüngst in Winnenden zugetragen hat, flossen nicht in die Analyse mit ein.

Dunkle Kleidung, dunkle Absicht

Eine nicht unbedeutende Gemeinsamkeit vieler Amokläufer blieb im Medienaussand der TU Darmstadt unerwähnt. Eine Mehrzahl der Täter schlug in Schwarz zu. Auch Tim K. soll während seines mörderischen Rundumschlags dunkel gekleidet gewesen sein. Genau wie seine Vorgänger aus Kauhajoki (Finnland), DeKalb (Illinois, USA), Tuusula (Finnland), Blacksburg (Virginia, USA) und Red Lake (Minnesota, USA). Das ist nur ein Auszug aus einer Liste, die viele weitere traurige Beispiele umfasst. Für den deutschen Psychiater und Autor Theo R. Payk gehört das Sich-in-Schwarz-Hüllen zu den typischen Merkmalen und Persönlichkeitszügen eines Amokschützen, die in ähnlicher Art und Weise immer wieder auftauchen: «Das schwarze Outfit symbolisiert Tod und Zerstörung», bestätigt der Chefarzt der Fliedner-Klinik Düsseldorf gegenüber 20 Minuten Online. Seine Prognosen sind genau so düster wie die Outfits der psychisch gestörten Täter. Payk ist sich sicher: «Amokdramen wird es auch in Zukunft immer wieder geben, das wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Diese Taten liegen – wie andere Aggressionsdelikte auch - in der unzulänglichen Natur des Menschen.»

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