Aktualisiert 13.06.2014 14:20

78. Tour de SuisseDer Tour-de-Suisse-Sieg führt wohl über Wiggins

Am Samstag beginnt die 78. Tour de Suisse. Der Gesamtsieg kommt vermutlich nur für einen kompletten Fahrer in Frage.

Bradley Wiggins, vor zwei Jahren Tour-de-France-Sieger, sowie Weltmeister und Vorjahressieger Rui Costa sind die prominentesten zwei Anwärter auf den Gesamtsieg an der am Samstag beginnenden 78. Tour de Suisse. Der aussichtsreichste Schweizer heisst Mathias Frank.

Bradley Wiggins nimmt zum zweiten Mal nach 2004 an der Tour de Suisse teil. Damals bestritt er die Rundfahrt (99. Gesamtrang) als Vorbereitung auf die Sommerspiele in Athen, wo er einige Wochen später in der Bahn-Einzelverfolgung triumphierte. Seither sind drei weitere olympische Goldmedaillen dazugekommen, zuletzt 2012 in London diejenige im Zeitfahren auf der Strasse. Der 34-jährige Brite würde sich mit starken Leistungen in der Schweiz gerne für die Tour de France empfehlen. Doch selbst wenn er in zehn Tagen in Saas-Fee als Gesamtsieger feststünde, könnte es gut sein, dass Wiggins am 5. Juli beim Tour-Start in Leeds (Gb) nicht mit von der Partie sein wird. Er spiele in den Überlegungen des Teams Sky um Vorjahressieger Chris Froome keine Rolle, liess Wiggins letzte Woche in einem BBC-Interview durchblicken.

Karten müssen früh aufgedeckt werden

An der Tour de Suisse hingegen dürfte Wiggins vom ersten Tag an im Fokus stehen. Das zwar nur 9,4 km lange, aber mit fast 200 m Höhendifferenz und einer engen, kurvigen Abfahrt sehr anspruchsvolle Zeitfahren am Samstag ist auf ihn zugeschnitten. Tags darauf, wenn es über Gotthard, Furka, Grimsel und Brünig geht, werden sich in der Gesamtwertung noch deutlichere Konturen ergeben. Mit Wiggins, der gemäss eigenen Angaben wieder sein Wettkampfgewicht wie bei seinem Tour-de-France-Sieg 2012 hat, wird auf dieser 2. Etappe von Bellinzona nach Sarnen zu rechnen sein. Die Entscheidung wird dennoch erst an den letzten drei Tagen fallen. Zunächst steht in Worb ein knapp 25 km langes Zeitfahren an, danach folgen zum Tour-Abschluss zwei Etappen mit Bergankünften im Wallis (in Verbier und Saas-Fee).

Rui Costa will ebenfalls ein gewichtiges Wort im Kampf um den Gesamtsieg mitreden. Der 27-jährige Portugiese hat die Chance, als erster Fahrer überhaupt die Tour de Suisse dreimal in Serie zu gewinnen. 2012 triumphierte er eher überraschend erstmals, im Vorjahr gelang ihm die Wiederholung des Triumphes letztlich souverän. Das abschliessende Zeitfahren von Bad Ragaz nach Flumserberg gewann Costa, am Ende lag er im Gesamtklassement mehr als eine Minute vor dem Holländer Bauke Mollema.

Drei Monate später krönte sich Costa in Florenz auch zum ersten portugiesischen Strassen-Weltmeister. Seither allerdings gelang Costa, der Ende Saison zum Team Lampre-Merida wechselte, kein einziger Sieg mehr. «Es ist mir eine grosse Ehre, Captain dieses Teams zu sein. Doch damit ist auch eine Verantwortung verbunden. An der Tour de Suisse, wo ich schon grosse Erfolge feiern konnte, werde ich die mir zugedachte Rolle besser ausfüllen können», hofft Costa.

Frank mit Leaderrolle

Mathias Frank war 2013 in seiner Heim-Rundfahrt fast eine Woche im gelben Leadertrikot unterwegs. Doch sein damaliges Team BMC setzte nicht zu 100 Prozent auf den Luzerner. Weil er im Schlusszeitfahren fast zwei Minuten einbüsste, resultierte am Ende nur der fünfte Gesamtrang. Ende Saison wechselte Frank zum einzigen Schweizer Profi-Team IAM Cycling, wo ihm in den Rundfahrten die uneingeschränkte Leaderrolle zukommt. Als Gesamtvierter der Tour de Romandie und zuletzt als Zweiter der Bayern-Rundfahrt hat Frank weitere Male bewiesen, dass mit ihm in kürzeren Etappenrennen gerechnet werden muss. «2013 habe ich gemerkt, dass ich, wenn ich in Form bin und auch etwas Glück habe, auch eine Rundfahrt wie die Tour de Suisse gewinnen kann», ist Frank überzeugt.

Michael Albasini bot an der Tour de Romandie mit drei Etappensiegen eine grossartige Show. In den kommenden Tagen bieten sich für den 33-jährigen Thurgauer mehrere Gelegenheiten, für Aufsehen zu sorgen. Gerade Etappen wie jene vom Montag, wenn von Sarnen nach Heiden ein fast ständiges Auf und Ab herrscht, oder vom Donnerstag, wenn es auf coupierter Strecke von Büren an der Aare nach Delsberg geht, dürfte sich Albasini besonders vorgemerkt haben.

16 Schweizer am Start

Insgesamt stehen 16 Schweizer auf der provisorischen Startliste für die neuntägige Rundfahrt. Mountainbike-Weltmeister Nino Schurter wagt dabei als Teamkollege von Albasini bei den Australiern von Orica-Greenedge seinen zweiten Abstecher auf die Strasse, nachdem er schon an der Tour de Romandie teilgenommen hat. Für Fabian Cancellara, den Tour-de-Suisse-Gesamtsieger 2009, dürften trotz seines Trainingssturzes vor Wochenfrist auf dem Zeitfahr-Velo vor allem die zwei Zeitfahren im Fokus stehen. Gerade in Worb, seiner engeren Heimatregion, will der Berner mit Sicherheit einen besseren Eindruck hinterlassen als zuletzt in der Bayern-Rundfahrt. Dort belegte der Zeitfahr-Olympiasieger von Peking in der Prüfung gegen die Uhr mit einer Minute Rückstand auf Sieger Geraint Thomas (Gb) nur den 13. Rang. Die Rolle des Topfavoriten in Worb - zusammen mit Wiggins - kommt dem aktuellen Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (De) zu.

Das grösste Kontingent an Schweizer Fahrern stellt IAM Cycling. Neben Leader Frank stehen Martin Elmiger, Jonathan Fumeaux, Reto Hollenstein, Johann Tschopp und Marcel Wyss im Aufgebot. Im amerikanisch-schweizerischen BMC-Team, in welchem Cadel Evans, der australische Tour-de-France-Sieger 2011, die Leaderrolle innehat, figurieren fünf Schweizer, nämlich Silvan Dillier, Martin Kohler, Steve Morabito, Michael Schär und Danilo Wyss. Die zwei restlichen Schweizer fahren für Tinkoff (Oliver Zaugg und - wie Cancellara - für Trek (Gregory Rast). (si)

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