14.08.2017 15:01

Geld ergaunert

Der «Toyota-Betrüger» hat wieder zugeschlagen

Er ist in verschiedenen Ländern Europas unterwegs und hat schon etliche Schweizer übers Ohr gehauen. Nun hat der Mann, der sich als bestohlener Ire ausgibt, wieder ein Opfer gefunden.

von
vro
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Mit diesem Ausweis und unter dem Namen Enda Gannon hat ein Betrüger in Frankreich erneut jemanden um Geld betrogen. Dem Opfer aus Deutschland sagte er, er sei bestohlen worden und brauche Geld für die Heimreise.

Mit diesem Ausweis und unter dem Namen Enda Gannon hat ein Betrüger in Frankreich erneut jemanden um Geld betrogen. Dem Opfer aus Deutschland sagte er, er sei bestohlen worden und brauche Geld für die Heimreise.

zvg
Den Führerausweis durfte der Betrogene fotografieren – so sollte Vertrauen aufgebaut werden. Auffällig: Laut dem Ausweis hat der Inhaber diverse Fahrprüfungen am gleichen Tag bestanden.

Den Führerausweis durfte der Betrogene fotografieren – so sollte Vertrauen aufgebaut werden. Auffällig: Laut dem Ausweis hat der Inhaber diverse Fahrprüfungen am gleichen Tag bestanden.

Dem Opfer gab er zudem eine Visitenkarte einer Firma, die angeblich ihm gehört. Doch die Firma gibt es nicht im Zusammenhang mit Enda Gannon. Auch die Telefonnummern funktionieren nicht.

Dem Opfer gab er zudem eine Visitenkarte einer Firma, die angeblich ihm gehört. Doch die Firma gibt es nicht im Zusammenhang mit Enda Gannon. Auch die Telefonnummern funktionieren nicht.

Die Masche ist stets die gleiche, doch Name und Beruf wechseln ständig. Immer gibt er sich als bestohlener Reisender aus, der mit seinem Sohn unterwegs ist. Um wieder nach Hause zu kommen, brauche er Geld, das er zurückzahlen werde. Nun hat der Betrüger, der sich zu Beginn als Toyota-Mitarbeiter ausgegeben hat, erneut zugeschlagen. Leser R. S.* aus Deutschland berichtet, dass er am Donnerstag auf dem Heimweg aus den Ferien war, als seine Freundin und er in Frankreich an einer Raststätte von dem Mann angesprochen wurden.

Der Mann habe gefragt, ob er Englisch spreche. «Er sei in der Raststätte gewesen und da sei ihm sein Portemonnaie mit 900 Euro und sämtlichen Karten gestohlen worden. Nun sei er mittellos, müsse aber zur Fähre nach Calais, heim Richtung Irland», sagt S. «Dafür brauche er 100 Euro, die würde ich auf jeden Fall zurückbekommen, er habe eine Firma, Geld sei kein Problem und er drückte mir eine Visitenkarte der Firma E.G. Construction Limited in die Hand.»

Firma aus England

S. bat seine Freundin, die Firma zu googeln. «Dann zückte er noch seinen irischen Führerschein und reichte ihn mir. Er sagte, ich könne ihn fotografieren, um sicherzugehen. Ich war zu diesem Zeitpunkt doch sehr misstrauisch, bis meine Freundin sagte, sie habe die Firma im Internet gefunden.»

Tatsächlich scheint eine Firma mit diesem Namen zu existieren. Eingetragen ist sie aber nicht in Irland, sondern in Südengland. Auch der Name Enda Gannon (vermeintliche Initialen im Firmennamen) steht nicht im Zusammenhang mit dieser Firma. Das wusste S. zum Tatzeitpunkt jedoch nicht.

Aus 100 werden 350 Euro

«Er sagte, wenn wir ihm das Geld leihen würden, dann würde er uns mehr zurückgeben und er habe zudem ein Ferienhaus in Irland, das wir jederzeit kostenlos nutzen könnten», erzählt S. weiter. Seine Freundin habe ihm geglaubt. Nicht so S.: «Ich war noch immer misstrauisch und verlangte nun seinen Sohn zu sehen. Der Mann stand sofort auf und sagte ich soll mit zu seinem Auto kommen – ein grauer Toyota-Geländewagen. Er machte die Tür auf und präsentierte seinen Sohn, angeblich 14 Jahre alt. Er hatte tatsächlich Ähnlichkeit mit seinem Vater. Der Junge wirkte sehr verlegen.» Im Kofferraum hätten zwei Koffer gelegen.

Schliesslich war S. überzeugt und ging mit dem Mann zum Geldautomaten. Als er erneut fragte, wie viel der Mann den brauche, nannte er plötzlich einen höheren Betrag. Nun brauchte er 350 Euro. «Ich war verdutzt, aber er hatte mich schon manipuliert. Ich hob das Geld ab und gab es ihm direkt in die Hand. Er bedankte sich oft und sagte, was für ein guter Mensch ich sei und was für eine wunderbare Freundin ich hätte.»

In Geldnot mit der Botschaft Kontakt aufnehmen

Als der Mann bereits verschwunden war, packte S. wieder das Gefühl des Misstrauens. Er versuchte die Telefonnummer auf der Visitenkarte anzurufen – beide Nummern sind ungültig. Als er schliesslich im Internet weiterrecherchierte, stiess er auf das Foto des Mannes, der schon viele andere abgezockt hatte. «Das Bild des Betrügers im Netz stimmte mit dem Mann überein, den wir getroffen hatten.»

Den Behörden ist der Mann bekannt, da einige Opfer Anzeige erstattet haben. Auch in der Schweiz wurden Ermittlungen aufgenommen. Trotzdem sucht sich der Mann weitere Opfer. Die irische Botschaft in Bern wies darauf hin, dass einem irischen Staatsbürger in Geldnot empfohlen werden sollte, sich an die Botschaft zu wenden.

*Name bekannt

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