Wasserstoffauto im Test: Der Toyota Mirai reinigt die Luft
Toyota
Publiziert

Wasserstoffauto im TestDer Toyota Mirai reinigt die Luft

Toyota legt den Mirai neu auf. Das Wasserstoffauto ist in allen Belangen besser als der Vorgänger – leider hapert es noch immer an der Infrastruktur.

von
Dave Schneider

Null-Emissions-Autos sind heute angesagt, Fahrzeuge also, die während der Fahrt keine Schadstoffe ausstossen. Aber wie wäre es mit einem Minus-Emissions-Auto? Ein Fahrzeug, das nicht nur nichts emittiert, sondern während der Fahrt sogar die Luft reinigt? Klingt nach Science-Fiction, ist aber Realität: Denn der neue Toyota Mirai stösst hinten nur aufwendig gefilterte Luft und reines Wasser in Form von Dampf aus. Im digitalen Cockpit wird sogar angezeigt, wie viel Luft das Auto bereits gereinigt hat – in unserem Testwagen war es die Atemluft für ein Jahr von 88 Menschen.

Möglich macht das der Wasserstoff-Antrieb, den Toyota mit dem ersten Mirai 2014 eingeführt und 2017 auch auf dem Schweizer Markt lanciert hat. Nun steht die zweite Generation bei den Händlern, und diese ist in allen Belangen deutlich besser. Der Brennstoffzellen-Stack ist um etwa ein Drittel kompakter und findet neu unter der Fronthaube statt im Fahrzeugboden Platz, der Elektromotor für den Antrieb ist nun an der Hinterachse, die drei Wasserstoff-Tanks sind tief im Fahrzeugboden verteilt und fassen insgesamt 5,6 Kilogramm Wasserstoff, statt 4,6 wie bisher. Die Reichweite steigt um fast 30 Prozent auf 650 Kilometer im WLTP-Zyklus – eine entscheidende Verbesserung.

Die fast fünf Meter lange Wasserstoff-Limousine hat eine WLTP-Reichweite von 650 Kilometern.
Absolut alltagstauglich

Die fast fünf Meter lange Wasserstoff-Limousine hat eine WLTP-Reichweite von 650 Kilometern.

Toyota
Digitales Cockpit mit zwei Bildschirmen, grossem Head-up-Display und kabelloser Ladestation fürs Handy.  
Gut ausgestattet

Digitales Cockpit mit zwei Bildschirmen, grossem Head-up-Display und kabelloser Ladestation fürs Handy.

Toyota
Das Ladevolumen ist mit 321 Litern sehr klein, die Rücksitze können wegen der dort verbauten Batterie nicht umgeklappt werden.
Knauseriger Kofferraum

Das Ladevolumen ist mit 321 Litern sehr klein, die Rücksitze können wegen der dort verbauten Batterie nicht umgeklappt werden.

Toyota

Dieses neue Layout verändert das Fahrverhalten frappant: Der nun heckgetriebene Mirai fährt sich wesentlich agiler als der Vorgänger, ist optimal ausbalanciert und liegt wegen des tiefen Schwerpunkts gut in den Kurven. Das neue Brennstoffzellensystem liefert auch 12 Prozent mehr Power – und das ist spürbar: Der E-Motor mit 134 kW (182 PS) schiebt die 1,9 Tonnen schwere Limousine spielerisch vorwärts, beschleunigt munter aus dem Stand heraus und gibt sich auch bei Zwischensprints keine Blösse. Ausserdem ist der neue Mirai deutlich leiser: Beim Beschleunigen ist vom Elektromotor nur wenig zu hören, ab und zu gurgelt die Brennstoffzelle leise vor sich hin, ansonsten herrscht während der Fahrt angenehme Stille.

Mehr Platz im Innern

Die Platzverhältnisse sind gut, vom Kofferraum einmal abgesehen, der wegen der Anordnung von E-Motor und Lithium-Ionen-Batterie nur 321 Liter fasst. Und da die Batterie wie beim alten Modell hinter den Rücksitzen montiert ist, lässt sich die Rückbank nach wie vor nicht umklappen – ein klarer Nachteil. Doch weil der Radstand der fast fünf Meter langen Limousine im Vergleich zum Vorgänger um 14 Zentimeter gewachsen und die Spur 7,5 Zentimeter breiter ist, gibt es spürbar mehr Raum für die Insassen. Im Fond können nun drei statt zwei Personen sitzen, wobei der mittlere Platz wegen des hohen Mitteltunnels zur Strafbank wird.

Es wäre also angerichtet für die Wasserstoff-Mobilität, schliesslich hat auch Hyundai mit dem Nexo ein Brennstoffzellen-Auto im Angebot. Leider sind die Tankmöglichkeiten nach wie vor dünn gesät: In der Schweiz gibt es aktuell sieben H2-Tankstellen, zwei weitere sind in Planung – dem gegenüber stehen rund 3360 Tankstellen für Benzin und Diesel. Doch Toyota geht von einem raschen Ausbau der Infrastruktur aus. «Wir wollen vom neuen Mirai zehn Mal mehr verkaufen als vom Vorgänger, global und in Europa», sagt Chef-Ingenieur Yoshikazu Tanaka. In der Schweiz wurden von der ersten Modellgeneration nur 18 Stück abgesetzt. Doch da der Neue ab 59'900 Franken, exakt 30'000 Franken günstiger ist, alles besser kann und erst noch deutlich besser aussieht, wird er sich auch besser verkaufen. Für den entscheidenden Durchbruch des Wasserstoffantriebs wird aber auch der neue Mirai nicht sorgen.

Deine Meinung

44 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Erfahrung fürs leben

20.02.2021, 00:46

Den Fehler E-Auto mach ich bestimmt nie wieder!

E-Guru

19.02.2021, 21:34

Der Mineralölkonzern Shell hat seine Strategie vorgestellt, mit der das Unternehmen bis 2050 Klimaneutralität erreichen will. Die Zahl der von Shell angebotenen Elektro-Ladestationen soll übrigens in den nächsten Jahren massiv steigen. Aktuell umfasst das eigene Ladenetz nach Angaben des Unternehmens weltweit über 60.000 Ladepunkte, bis zum Jahr 2025 sollen es etwa 500.000 werden.

Der Fragende

19.02.2021, 20:04

Lädst Du schon (bei mir günstiger erneuerbarer Wasserkraft-Strom (17 Rp/kWh)) oder verbrennst Du immer noch? (Treibstoff+Geld)