Aktualisiert 25.08.2015 08:15

Dittingen BL«Der tragische Held ist der Pilot»

Am Tag nach dem Flugzeug-Crash in Dittingen herrscht gedrückte Stimmung. Nur eine Folge von Zufällen hat weitere Todesopfer verhindert.

von
Matthias Kempf
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Eines der beiden Ultraleichtflugzeuge, die an der Flugshow zusammenstiessen, landete in einem Garten. (23. August 2015)

Eines der beiden Ultraleichtflugzeuge, die an der Flugshow zusammenstiessen, landete in einem Garten. (23. August 2015)

Keystone/Georgios Kefalas
Jacqueline Jeker wohnt gleich nebenan und wollte eigentlich die Flugshow im Garten verfolgen. Zum Absturzzeitpunkt war sie aber gerade im Badezimmer.

Jacqueline Jeker wohnt gleich nebenan und wollte eigentlich die Flugshow im Garten verfolgen. Zum Absturzzeitpunkt war sie aber gerade im Badezimmer.

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Das zweite stürzte mitten im Wohngebiet ab. (23. August 2015)

Das zweite stürzte mitten im Wohngebiet ab. (23. August 2015)

Kapo Basel-Landschaft

Die Trümmerteile sind weg, die Strasse ist wieder offen. Doch Dittingen hat noch nicht zur Normalität gefunden. Zu tief sitzt der Schock vom Flugzeugabsturz am vorigen Tag. Die Gemeindepräsidentin Regina Weibel wohnt gleich neben der Absturzstelle. Es hätte genausogut ihr Haus treffen können. «Es wird mich noch eine Weile schaudern, wenn ich an der Absturzstelle vorbeifahre.»

Eine Anwohnerin, die das Flugzeug der deutschen Grasshoppers-Formation abstürzen gesehen hat, vermutet, dass der 50-jährige Pilot sein Flugzeug extra auf die Strasse gelenkt hat. «Er hat nach der Kirche steil abgedreht, wohl damit er nicht in ein Haus kracht.» Derselben Meinung ist Heiner Cueni, der gleich neben dem Holzschopf wohnt, auf den das Flugzeug gekracht ist.

«Der Pilot ist der tragische Held dieser Geschichte. Er hat wohl in seinen letzten Sekunden an das Wohl der anderen gedacht und die Maschine auf die Strasse gesteuert», so Cueni.

Zufälle verhindern Schlimmeres

Beim Aufprall wurde Cuenis Auto und seine Hausmauer beschädigt. Grosse Teile krachten auf seinen Vorplatz. «Ich war im Haus, da hat es plötzlich geknallt. Die Nachbarn haben uns dann gerufen, wir sollen das Haus verlassen, da es rundherum brennt», so Cueni. Der 50-Jährige hatte Glück, denn eigentlich hätte er zum Zeitpunkt des Absturzes mit Verwandten auf dem Vorplatz sein sollen. «Wir treffen uns immer dort, bevor wir weggehen. Nur weil wir zu spät dran waren, stehe ich heute noch hier.»

Auch Franz Kellerhals war zu Hause, als das Flugzeug in seinen Holzschopf krachte. «Ich war eine halbe Stunde zuvor noch mit meinem Enkel dort. Und wollte später nochmals hinein. Wir waren gerade im richtigen Moment nicht dort.» Im Holzschopf leben sechs Kaninchen. Alle überlebten den Aufprall, müssen jetzt aber Medikamente nehmen. Ein grosser Wermutstropfen für Kellerhals ist sein Gemüsegarten: «Wegen dem ausgelaufenen Kerosin ist mein Garten nun völlig hinüber.»

Zweiter Pilot wohlauf

Der Pilot des zweiten Unfalls-Flugzeugs konnte den Notfallschirm öffnen und landete mit seinem Flugzeug unsanft in einem Garten. Jacqueline Jeker wohnt nur wenige Meter neben der Absturzstelle. «Eigentlich wollten wir uns die Flugshow mit Freunden vom Garten aus auf Liegestühlen ansehen.» Da die Freunde ein wenig spät dran waren, war Jeker im Badezimmer am Zähneputzen, als sie zwei aufeinanderfolgende Knalle hörte. «Als ich aus dem Fenster sah, lag ein Flugzeug im Garten.»

Der Pilot sei ausgestiegen und ein wenig verwirrt gewesen. «Er hat aber gesagt, es gehe ihm gut», so Jeker. Danach sei er sofort nach seinem Kollegen schauen gegangen.

Betroffene für Flugtage

Gemeindepräsidentin Regina Weibel konnte trotz der belastenden Vorkommnisse gut schlafen. Dies hänge mit dem starken Zusammenhalt in der Gemeinde zusammen. «Ich habe viele bestärkende Rückmeldungen bekommen. Alle haben ihre Hilfe angeboten. In solchen Situationen bekommt man die Herzlichkeit der Menschen zu spüren», so Weibel.

Niemand habe eine Abschaffung der Dittinger Flugtage gefordert. «Alle warten erst einmal ab, bis die Ursachen für den Absturz vorliegen.» Selbst die direkt Betroffenen stehen hinter den Flugtagen. «Bis jetzt hat immer alles tadellos funktioniert. Es steht mir nicht zu eine Absetzung der Show zu fordern», meint Heiner Cueni. Und auch Jacqueline Jeker ist dafür, dass die Flugtage bestehen bleiben: «Es ist ein Volksfest. Ein Restrisiko bleibt immer, damit muss man leben können.»

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