Admir Mehmedi: «Der Trainer muss nicht immer alles begründen»

Aktualisiert

Admir Mehmedi«Der Trainer muss nicht immer alles begründen»

Die Schweiz bestreitet das letzte WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien ohne Xherdan Shaqiri. Für ihn wird wohl Admir Mehmedi zu einem seiner seltenen Einsätze kommen.

von
E. Tedesco & S. Compagno

Admir Mehmedi spricht vor dem Spiel gegen Slowenien über seine Rolle in der Nati, seinen Wechsel zu Freiburg und über die harte Zeit in Kiew. (Video: 20 Minuten)

Es war ein ungewohnter Anblick, Admir Mehmedi ohne seinen «Zwilling» zu sehen. Seit dem ersten Zusammenkommen der Nati am letzten Dienstag sah man den ehemaligen FCZ-Offensivspieler kaum ohne Xherdan Shaqiri, seinen Nati-Teamkollegen und privat besten Freund. Am Sonntag musste der Bayern-Söldner aber das Naticamp mit einer Oberschenkelverletzung Richtung München verlassen. Sein Ausfall eröffnet Mehmedi gegen Slowenien die Chance auf einen Re-Start in der Nati, nachdem er zuletzt gegen Island (4:4) und Norwegen (2:0) gar nicht erst aufgeboten war.

Mehmedi gehörte zu den jungen Spielern, die beim Umbruch der Nati im Juni 2011 zu den grossen Offensivhoffnungen zählten. Der Wechsel des FCZ-Angreifers im Januar 2012 zu Dynamo Kiew endete 18 Monate später glanzlos und warf ihn in der Nati-Hierarchie zurück. Nach 31 Einsätzen (1 Tor) brach er das Abenteuer in der Ukraine ab, nachdem er – nach seinen eigenen Worten – «von der Bildfläche verschwunden» war, und wechselte diesen Sommer leihweise zum SC Freiburg.

Mehmedi hat Kiew nie bereut

«In Kiew hatte ich Schwierigkeiten. Da muss ich ehrlich sein. Der neue Klub, die neue Luft, tut mir gut. Ich bin näher an der Schweiz, näher an meiner Familie und meinen Freunden. Ich spreche die Sprache und spiele in der Bundesliga. Die meisten Schweizer schauen ja nach Deutschland. Jedes Spiel kommt am TV und die Beachtung ist grösser. Nach Anlaufschwierigkeiten bin ich mittlerweile auf dem richtigen Weg, aber bereut habe ich den Wechsel zu Kiew nie. Es war eine Lebenserfahrung – nicht nur auf den Fussball bezogen, auch im Alltag. Aber es war hart mit der fremden Sprache und der Herausforderung des Alleinlebens.»

Die regelmässigen Einsätze bei Freiburg konstatierte auch Hitzfeld und berief den 22-Jährigen für die Qualispiele gegen Albanien und Slowenien wieder ins Kader. So sitzt Mehmedi am Montagmorgen in Feusisberg inmitten einer Schar Medienschaffender und beantwortet im Rahmen der letzten Medienkonferenz vor der Abreise nach Bern die Fragen der Journalisten. Ein Auftritt am letzten Pressegespräch vor einem Spiel ist meist ein Hinweis darauf, dass der Spieler tags darauf zum Einsatz kommt. Und Einsatzminuten hat der Freiburg-Söldner nötig: In der WM-Qualifikation kam er in bisher neun Spielen zu lediglich 54 Einsatzminuten.

Mehmedi akzeptiert seine Rolle

Die Reservistenrolle hinterfragt Mehmedi nicht. «Der Trainer muss nicht immer alles begründen. Er fällt seine Entscheidungen und der Spieler hat das zu akzeptieren», sagt Mehmedi bestimmt. «Man freut sich immer, in die Nati zu kommen. Es können nun einmal nur elf Spieler spielen. Der Trainer kann ja nicht dreiundzwanzig aufstellen. Gegen Slowenien bekomme ich jetzt vielleicht die Gelegenheit, zu spielen und die will ich ausnützen.» Aber gleich als Shaqiri-Ersatz? «Ich versuche mein Bestes zu geben, aber es ist nicht so, dass ich mich deshalb unter Druck setze.»

Der Druck sei nach der Qualifikation vielleicht nicht mehr ganz so gross, aber es bleibe ein Länderspiel und es gehe um Punkte, so Mehmedi. Das Ziel sei natürlich der Sieg. «Für die Slowenen geht es aber noch um den zweiten Platz und deshalb werden sie kommen wie die Feuerwehr», warnt der Stürmer allerdings. «Darum müssen wir bereit sein und nicht zu locker auftreten. Slowenien hat viele kreative Spieler, die auch im Ausland spielen. Wir müssen auf der Hut sein, wenn wir die Kampagne ungeschlagen beenden wollen.»

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