Enrico Schirinzi: «Der Trainerwechsel ist ein Neuanfang»
Aktualisiert

Enrico Schirinzi«Der Trainerwechsel ist ein Neuanfang»

Der FC Thun startet in Wohlen ins neue Fussball-Jahr. Für Verteidiger Enrico Schirinzi bedeutet das Cupspiel die Rückkehr an den Ort, wo seine Profi-Karriere begann – als Arbeitsloser.

von
Eva Tedesco
Enrico Schirinzi (r., im Zweikampf gegen Lausannes Ibrahim Tall) trifft heute mit dem FC Thun im Cup auf den FC Wohlen. (Keystone)

Enrico Schirinzi (r., im Zweikampf gegen Lausannes Ibrahim Tall) trifft heute mit dem FC Thun im Cup auf den FC Wohlen. (Keystone)

Der Winter hat das Berner Oberland fest im Griff. Eine dicke Schneedecke liegt auf dem Trainingsplatz des FC Thun. Das kann die Spieler von Trainer Urs Fischer am Tag vor dem Cup-Knaller gegen den FC Wohlen nicht aus der Routine bringen. «Das gehört halt dazu, wenn man im Berner Oberland zuhause ist», sagt Schirinzi und lacht. Einen Tag vor dem ersten Ernstkampf im Jahr 2013 herrscht im Training aufgeräumte Stimmung.

Nach einer turbulenten Zeit gegen Ende der Vorrunde, die in der Entlassung von Trainer Bernard Challandes endete, ist nichts mehr zu spüren. «Im Gegenteil», versichert Schirinzi, «das Ganze ist bei der Mannschaft kein Thema mehr. Die Vorbereitung auf die Rückrunde unter Urs Fischer mit einem Trainingslager in der Südtürkei war ein Erfolg. Der Trainer hat klare Vorstellungen und eine klare Linie und das spürt die Mannschaft. Für uns ist der Trainerwechsel wie ein Neuanfang und das ist ja nichts Schlechtes.»

Vier Monate arbeitslos und allein

Das wird sich zeigen. Ein Weiterkommen im Cup wäre schon mal ein guter Anfang. Für Schirinzi ist die Reise nach Wohlen gleichzeitig die Rückkehr zu seinem ehemaligen Verein und an jenen Ort, wo er seine Profikarriere begann. Nach drei Saisons bei Wohlen (2005-2007) und Abstechern zu Luzern (2008/09) und Lugano kehrte der 28-Jährige für die Saison 2009/10 ins Freiamt zurück. Insgesamt bestritt er 78 Pflichtspiele für den Challenge-League-Verein und erzielte 14 Tore. Nachdem man sich nach der Saison 2009/10 nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnte, wurde Schirinzi arbeitslos.

«Ich hatte eine gute Zeit in Wohlen. Der Klub hat mich von der U21 der Young Boys geholt und mir den Einstieg in den Profifussball ermöglicht. Für mich war der Schritt in die Challenge League damals genau richtig und ich würde es heute wieder so machen.» An die vier Monate ohne Verein erinnert er sich allerdings nicht mehr so gerne zurück. «Ich musste mich allein fit halten. Es war nicht einfach», so Schirinzi.

Viel von Murat Yakin gelernt

Im November 2010 holt der damalige Thun-Trainer Murat Yakin den linken Aussenverteidiger schliesslich ins Berner Oberland. «Er hat mich sprichwörtlich aus der Sch... geholt und deshalb bin ich ihm heute noch dankbar. Ich habe sehr viel von Muri gelernt. Leider habe ich mich dann verletzt und ich konnte das Gelernte erst unter Trainer Challandes so richtig umsetzen.» Seither hat sich Schirinzi bei Thun zum Stammspieler und auch zum Führungsspieler entwickelt. Auch wenn der 28-Jährige selbstkritisch relativiert: «Im Bereich Persönlichkeit kann ich noch besser, zielstrebiger werden und ich muss noch mehr an Verantwortung übernehmen.»

Der FC Thun weiss aber, was er an Schirinzi hat und hat mit ihm den bis Sommer 2012 gültigen Vertrag bereits bis 2015 verlängert. «Ich will meine Leistungen bestätigen und weitere Schritte vorwärts machen. Natürlich strebe ich höhere Ziele an und würde gerne zu einem Schweizer Topklub wechseln oder vielleicht auch ins Ausland. Träumen darf man, aber nur träumen ist gefährlich. Man muss für die Realisierung seiner Träume schon auch etwas tun.»

Ein Traum kann wahr werden

Kein Traum ist hingegen der Cup-Viertelfinal. Der ist durchaus realistisch. «Ein Sieg ist für den Oberklassigen fast Pflicht. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir sind bereit und es sollte für ein Weiterkommen reichen.» Und sollte der Viertelfinal noch nicht Ansporn genug sein, dann ist es die Vorfreude auf den Gegner, der da wartet. Das wäre kein geringerer als der FC Basel und den Meister hat Thun im letzten Heimspiel vor der Winterpause schliesslich 3:2 besiegt.

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