Preise steigen und steigen – Der Traum vom Eigenheim ist für die meisten in der Schweiz geplatzt
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Preise steigen und steigen Der Traum vom Eigenheim ist für die meisten in der Schweiz geplatzt

Ein eigenes Haus mit Garten – das bleibt für den Grossteil der Bevölkerung unerreichbar, wie eine Studie der Raiffeisen zeigt. Grund sind die steigenden Preise. Eigentum wird immer mehr zum Privileg.

von
Dominic Benz
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Das Eigenheim bleibt für einen Grossteil der Bevölkerung ein Traum. 

Das Eigenheim bleibt für einen Grossteil der Bevölkerung ein Traum.

TAMEDIA AG/Urs Jaudas
Denn die Preise steigen seit 20 Jahren unaufhaltsam. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Denn die Preise steigen seit 20 Jahren unaufhaltsam. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Tamedia
Daher kann sich der Grossteil der Haushalte ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung nicht mehr leisten, wie die Raiffeisen Bank in ihrer neuen Immobilien-Studie schreibt. 

Daher kann sich der Grossteil der Haushalte ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung nicht mehr leisten, wie die Raiffeisen Bank in ihrer neuen Immobilien-Studie schreibt.

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Darum gehts

  • Die Preise für Wohneigentum steigen seit 20 Jahren ungebremst.

  • Nur noch wohlhabende und einkommensstarke Haushalte können sich ein Eigenheim leisten.

  • Das zeigt die neue Raiffeisen-Studie «Eigenheimträume platzen, nicht aber die Immobilienblase».

  • Die Situation auf dem Eigenheim-Markt hat gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen.

Viele Schweizerinnen und Schweizer träumen von einem Eigenheim. Doch dieser Traum ist für die meisten nun geplatzt. Denn die Preise steigen seit 20 Jahren unaufhaltsam. Ein Ende ist nicht in Sicht. Daher kann sich der Grossteil der Haushalte ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung nicht mehr leisten. Das schreibt die Raiffeisen Bank in ihrer neuen Immobilien-Studie.

Fast nur noch sehr einkommensstarke Haushalte können sich ein Eigenheim leisten. «Wer nicht bereits über viel Kapital verfügt oder über Erbschaften an solches gelangen kann, hat kaum realistische Aussichten, heute noch Eigentümer zu werden», sagt Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz. Das hat Folgen für die Struktur der Eigenheim-Besitzerinnen und -Besitzer.

Vermögen verschiebt sich

Denn grosse Teile der Schweizer Gesellschaft sind heute vom Immobilienmarkt ausgeschlossen. Vor allem jüngere und weniger wohlhabende Haushalte können nicht von den deutlich tieferen Wohnkosten und potenziellen Wertsteigerungen profitieren, die der Eigenheimbesitz ermöglicht. Das Vermögen verschiebe sich daher von ungebildet zu gebildet, von jung zu alt, sowie von arm zu reich, sagt Martin Neff.

Dass die Preise der Immobilien immer mehr steigen, wird durch ein immer knapper werdendes Angebot befeuert. So sind laut Neff selbst während der Corona-Pandemie die Preise weiter gestiegen. «Am Eigenheimmarkt boomen heute nur noch die Preise.» Die Studie kommt daher zum Schluss, dass der seit den 1990er-Jahren anhaltende Schweizer Wohneigentumsboom zu Ende ist.

Denn bis Mitte des letzten Jahrzehnts waren nicht nur die Eigenheimpreise jahrelang gestiegen, auch die Eigentumsquote nahm stetig zu. Immer mehr Haushalte wurden Wohneigentümer. Damit ist nun Schluss. Die Schweiz wird vermehrt zum Mietervolk, kommt die Studie von Raiffeisen zum Schluss.

Kein Platzen der Blase

Trotz der weiterhin steigenden Preise wird es aber laut der Bank kein Platzen einer Immobilienblase geben. Denn die derzeitigen Preise sowie die weiterhin starke Aufwärtsdynamik seien klar begründbar und kein Resultat von Spekulationen am Immobilienmarkt, sagt Neff.

Denn neben dem Preisanstieg hat die Schweiz auch ein starkes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum erlebt. Immer mehr Menschen brauchen in der Schweiz immer mehr Wohnraum – und das am liebsten in Form von Eigentum. Das Problem ist aber, dass das Angebot knapp ist. Befeuert wird die Knappheit damit, dass auf den wenigen Baulandparzellen vor allem Mietwohnungen gebaut werden.

Hinzu kommen die anhaltend tiefen Zinsen, die auch künftig dafür sorgen werden, dass die wenigen zum Verkauf stehenden Eigenheime schnell weggehen. Daran und an den gesellschaftlichen Verwerfungen wird sich so schnell nichts ändern. «Das Wohneigentum wird mehr und mehr zum Privileg», sagt Neff.

«Junge kommen nur noch übers Erbe zum Eigenheim»

Martin Neff ist Chefökonom von Raiffeisen Schweiz.

Martin Neff ist Chefökonom von Raiffeisen Schweiz.

Raiffeisen

Herr Neff, die Immobilienpreise steigen und steigen. Wann hat das ein Ende?
Das ist die grosse Frage. Fakt ist : Die Preise steigen weiter, solange das Angebot für Eigenheime dünn bleibt und es immer noch genügend Haushalte gibt, die diese wenigen Eigenheimobjekte auch tatsächlichen erwerben – auch wenn die Zahl solcher Haushalte immer kleiner wird.

Wer kann sich denn überhaupt noch ein Eigenheim leisten?
Es sind zum einen wohlhabende und gutverdienende Haushalte. Zum anderen Kinder aus der Mittelschicht, die tendenziell oft Nachkommen von geburtenstarken Jahrgängen sind. Diese Generation kann nun etwa mit einem Erbe die Eigenmittel ihrer Kinder auffrischen, damit diese sich ein Eigenheim kaufen können.

Kommen junge Menschen also fast nur noch über ein Erbe zum Eigenheim?
Bei den heutigen Preisen ist es sehr schwierig, überhaupt ein Eigenheim zu kaufen. Und wenn, dann tatsächlich nur über ein Erbe oder über einen Lebensstil, bei dem man den Gürtel extrem eng schnallt und über zehn bis 15 Jahre jährlich etwas auf die Seite legt. Das ist allerdings heute nicht mehr so zeitgemäss.

Warum nicht?
Weil das Sparpotential generell nicht mehr hoch ist. Der durchschnittliche Haushalt muss heute schon relativ knapp kalkulieren. In der Regel wohnt er in einer teuren Mietwohnung, die seinen Vorstellungen vom Wohnen entspricht. Um zu sparen, müsste man also in eine günstigere Wohnung ziehen. Und zu solchen Kompromissen sind sehr wenige bereit.

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