Steigende Hypozinsen: Der Traum vom Eigenheim ist teurer geworden
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Steigende HypozinsenDer Traum vom Eigenheim ist teurer geworden

Die Kosten für Hypothekarkredite unterscheiden sich von Region zu Region. Zu den grossen Verlierern gehört Zürich.

von
Dominic Benz
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Im letzten Jahr sind die Zinsen für eine Hypothek gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr haben sie in allen Regionen in der Schweiz im Schnitt um 2 bis 18 Prozentpunkte zugelegt, wie der Hypothekenvermittler Moneypark ausgerechnet hat.

Im letzten Jahr sind die Zinsen für eine Hypothek gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr haben sie in allen Regionen in der Schweiz im Schnitt um 2 bis 18 Prozentpunkte zugelegt, wie der Hypothekenvermittler Moneypark ausgerechnet hat.

Keystone/Walter Bieri
Die Hypozinsen in der Schweiz variieren stark von Region zu Region. Welche Region auf welchem Platz liegt, sehen Sie im Ranking in den kommenden Slides.

Die Hypozinsen in der Schweiz variieren stark von Region zu Region. Welche Region auf welchem Platz liegt, sehen Sie im Ranking in den kommenden Slides.

Rang 7:Am teuersten ist die Hypothek für das Eigenheim im Mittelland (Bern, Freiburg, Solothurn, Neuenburg, Jura). 2017 liegen die von den Banken offerierten Zinsen im Schnitt bei 1,295 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 15 Prozentpunkten. 2016 war das Mittelland bereits das Schlusslicht.

Rang 7:Am teuersten ist die Hypothek für das Eigenheim im Mittelland (Bern, Freiburg, Solothurn, Neuenburg, Jura). 2017 liegen die von den Banken offerierten Zinsen im Schnitt bei 1,295 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 15 Prozentpunkten. 2016 war das Mittelland bereits das Schlusslicht.

Keystone/Peter Klaunzer

Bei vielen steht eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus mit Garten zuoberst auf der Wunschliste. Um sich den Traum vom Eigenheim finanzieren zu können, nimmt man in der Regel bei einer Bank eine Hypothek auf. Die Kosten dafür sind im Schnitt allerdings in der ganzen Schweiz gestiegen. Das zeigt eine Auswertung des Hypothekenvermittlers Moneypark*, die 20 Minuten exklusiv vorliegt.

Der Anstieg im Jahr 2017 war aber nicht überall gleich gross. So variieren auch die Zinsen stark. «Sowohl zwischen den Regionen als auch innerhalb der Regionen sind die Unterschiede erheblich», sagt Moneypark-Chef Stefan Heitmann auf Anfrage. Laut Analyse mussten im letzten Jahr Personen, die ein Eigenheim rund um Bern oder Genf kaufen wollten, am meisten bezahlen. Am billigsten waren die Hypozinsen in Ost- und Zentralschweizer Kantonen wie Schaffhausen, Thurgau oder Luzern und Zug.

Zürich verliert klar

Am stärksten sind die Zinsen über alle Laufzeiten hinweg im Schnitt in den Regionen Genf und Zürich gestiegen. So belegt Zürich 2017 in der Rangliste der attraktivsten Finanzierungsregionen nur noch den fünften Platz. Im Vorjahr war der Kanton auf dem ersten Rang. «Das starke Abrutschen des Kantons Zürich erstaunt», betont Heitmann. Auch die Region Genf fiel vom dritten auf den sechsten Platz.

Heitmann sieht einen Grund für die Verteuerung in Zürich unter anderem in der Konzentration von hochpreisigen Immobilien. «Bei hochwertigen Eigenheimen sind die Banken vorsichtiger und geben das Risiko mittels höherer Zinsen an den Kunden weiter.» Von einer Überhitzung des Immobilienmarktes könne aber nicht die Rede sein.

Loch im Portemonnaie

Obwohl die Unterschiede von Region zu Region teils nur einige Prozentpunkte ausmachen, kann das erhebliche Auswirkungen auf das Portemonnaie haben. So zahlten die Tessiner für eine 10-jährige Festhypothek im letzten Jahr durchschnittlich 1,27 Prozent und damit 14 Basispunkte weniger als im Mittelland. Demnach zahlte man laut Moneypark im Tessin für ein Hypothekarvolumen von 700'000 Franken rund 1000 Franken im Jahr weniger. Über die ganze Laufzeit der Hypothek gerechnet sind das Einsparungen von rund 10'000 Franken.

Auch innerhalb der einzelnen Regionen gibt es grosse Unterschiede bei den Zinsen. In der Genferseeregion und im Mittelland betrug die Differenz bei einer Hypothek für 10 Jahre jeweils knapp 0,7 Prozent, in Zürich rund 0,6 Prozent.

«Vergleichen lohnt sich»

Angesichts der Zins-Unterschiede ist es für künftige Hausbesitzer eine Herausforderung, die richtige Hypothek zu finden. Stefan Heitmann appelliert an die Kreditnehmer: «Sie müssen realisieren, dass nirgendwo die Zinsen in Stein gemeisselt sind.» Es lohne sich, Offerten zu vergleichen und nicht gleich das erste Angebot der Bank anzunehmen.

Auch für dieses Jahr geht Heitmann von leicht steigenden Zinsen aus. Grund ist die robuste Wirtschaftslage. Dennoch erwartet er anhaltend ein attraktives Zinsumfeld. «2018 dürfte für Hypothekarnehmer erneut ein sehr gutes Jahr werden», so Heitmann.

*Der Tamedia-Konzern, zu dem auch 20 Minuten gehört, ist an Moneypark beteiligt.

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Herr Seger, wieso sind die Zins-Unterschiede zwischen den Kantonen so gross?

Der Hypothekarmarkt wird von den Banken dominiert. Doch auch Versicherungen und Pensionskassen drängen in den Markt. Das verschärft den Konkurrenzkampf und führt in Regionen mit grossem Wettbewerb zu tieferen Zinsen. Zudem schätzen die Banken je nach Region das Risiko für eine Immobilie unterschiedlich ein.

Steigen die Zinsen 2018 weiter?

Die Zinsen dürften leicht steigen. Man muss aber das ganze Bild betrachten: Auch bei einem erneuten Anstieg befinden wir uns nach wie vor auf sehr tiefem Niveau. Zwar werden die USA voraussichtlich auch in diesem Jahr weiter an der Zinsschraube drehen. Doch bis diese Effekte die Schweiz erreichen, dauert es noch einige Zeit. Denn die Schweizer Nationalbank reagiert auf der Basis der Europäischen Zentralbank. Und diese bleibt vorerst bei einer expansiven Geldpolitik.

Welche Hypothek soll ich jetzt als Eigenheimbesitzer abschliessen?

Das lässt sich nur individuell beantworten, da jeder ein anderes Risikoprofil hat: Wie hoch ist meine Hypothek? Will ich von aktuell tiefen Zinsen profitieren oder mich langfristig absichern? Wenn man von einem geringen Zinsanstieg ausgeht, kann eine Libor-Hypothek sinnvoll sein. Eine Festhypothek bietet sich an, wenn man eher unsichere Zeiten erwartet oder schlicht einfach Sicherheit will.

*Lukas Seger ist Immobilienexperte bei der Raiffeisenbank

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