Aktualisiert 06.11.2015 18:02

Houston

Der traurige Fall einer Schweizer Kuh-Skulptur

Vom Star der Kunstwelt in die Gosse von Houston: der Absturz einer Schweizerin, die von allen geliebt wurde und die fast alle vergessen haben.

von
ofi

Eine knallbunte Kuh liegt in Houston in einer Pfütze abgestandenen Wassers in einem riesigen Wellblechrohr. Es ist der traurige Tiefpunkt eines ehemaligen Stars und Darlings der internationalen Kunstszene.

Dabei fing alles so schön an: Geboren wurde die Kuh im Kopf des Schweizer Künstlers Pascal Knapp irgendwann zwischen 1996 und 1997. Er entwarf die Skulptur für die Ausstellung «Land in Sicht – Auf nach Zürich». Die Idee dahinter: Kuh-Skulpturen dienen als Leinwand für Künstler und werden dann im öffentlichen Raum ausgestellt. Die Ausstellung war ein grandioser Erfolg und die bedauernswerte Kuh machte eine ihre ersten vielbeachteten Schritte auf dem Parkett der Kunstbühne.

Es war der Beginn eines Triumphzugs durch Dutzende Städte rund um die Welt. Unzählige Künstler haben dem tierischen Star immer wieder neue Farbgewänder auf den Leib gepinselt, gesprayt und geklebt – die Kuh war Kult.

Rasanter Abstieg in einen Houstoner Hinterhof

Doch der Abstieg kam ebenso schnell, wie der Aufstieg rasant war. Nach der «CowParade», wie die Ausstellung in den USA genannt wurde, in Houston 2001 wurde die inzwischen «Border Bovine» genannte Kuh in einer Auktion für 50'000 Dollar versteigert. Die Firma Duke Energy kaufte die Skulptur aus dem Glitzer-Glamour-Zirkus der Kunstwelt aus.

Die Firma schenkte die Kuh anschliessend dem Children's Museum of Houston. Statt weiter durch die Trendstädte der Welt zu tingeln – Las Vegas, Buenos Aires oder Rio de Janeiro –, fristet sie seither ihr glanzloses Dasein auf einer winzigen, eingezäunten Weide eines Hinterhofs. Damit aber noch nicht genug der Traurigkeit: Unbekannte Täter haben die Skulptur von ihrem Weideplatz entwendet. Doch nicht ein aufregendes Lebens als Raubkunst oder in der Privatsammlung eines superreichen Kunst-Aficionados erwartete die arme Kuh, sondern die eingangs erwähnte Pfütze abgestandenen Wassers in einem riesigen Wellblechrohr, irgendwo in der Peripherie von Houston.

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