Aktualisiert 29.04.2020 09:26

Tourismus Schweiz – zwischen Bangen und Hoffen

«Der Turbo-Kapitalismus macht uns fertig»

Zwischen Bangen und Hoffen – wie geht es mit dem Tourismus in der Schweiz weiter? Wie gehen Direktbetroffene mit der aktuellen Situation um? 20 Minuten besucht während einer Woche die ganze Schweiz. In Basel sprachen wir mit dem «Fährimaa» Rémy Wirz.

von
Martin Hoch
1 / 6
Rémy Wirz, Fährimaa
Rémy Wirz, Fährimaa

Tag für Tag bringt der Fährimaa seine Passagiere sicher von einem Ufer zum anderen.

Foto: Martin Hoch
Der Rhein trennt Gross- und Kleinbasel.
Der Rhein trennt Gross- und Kleinbasel.

Vier Fähren befahren den Basler Rhein. Sie werden von den Bewohnern und von Touristen genutzt.

©Basel Tourismus
Abgesagt
Abgesagt

Die Fasnacht wurde abgesagt, der FCB spielt nicht mehr – immerhin fahren seit gestern die Fähren wieder.

© Basel Tourismus

Basel steht still. Nichts symbolisiert die Situation derart gut wie die drei heiligen F der Stadt: der FCB, die Fasnacht und die Fähren. Letztere bewegen sich seit gestern wieder. Auf der Ueli-Fähre treffen wir einen gut gelaunten, aber auch nachdenklichen «Fährimaa» an: Rémy Wirz. Er hat eine Botschaft an uns – überlassen wir ihm das Wort.

Liebe Basler, liebe Schweizer

Als Fährimaa habe ich Narrenfreiheit. Und diese nutze ich gern. Eines meiner Privilegien ist, dass ich sagen darf, was ich denke. Das ist meine Nachricht an euch:

Geniesst es! Realisiert, wie gut es uns doch geht, wenn wir alle etwas entschleunigen. Diese Zeit der Ruhe verändert vieles zum Positiven. Wir haben weniger Unfälle auf den Strassen. Wir sind achtsamer in der Art und Weise, wie wir uns im öffentlichen Raum bewegen. Bewusster, wie wir uns begegnen. Wir nehmen uns wieder mehr Zeit füreinander. Ich sehe, wie die Menschen in dieser Zeit wieder miteinander ins Gespräch kommen. Das beobachtete ich vorher viel weniger, denn da hatten die Menschen keine Zeit.

Andere Menschen auf dieser Welt haben nicht einmal genügend Wasser zum Trinken. Schaut mal, wie viel Wasser ich hier um mich herum habe.

Rémy Wirz, Fährimaa

Ich hoffe, dass genug von uns wach geworden sind für ein Umdenken. Denn der bisher gelebte Turbo-Hyper-Konsum-Kapitalismus macht uns fertig. Richtig gelesen, er macht uns komplett fertig. Wir hier in der Schweiz leben in einem riesigen Reichtum. Wie viele Basler freue ich mich auf den Moment, wenn das Rheinbord wieder bevölkert ist. Es ist gleichzeitig ein Luxus, dass einem etwas solch Triviales fehlt. Andere Menschen auf dieser Welt haben nicht einmal genügend Wasser zum Trinken. Schaut mal, wie viel Wasser ich hier um mich herum habe. Ich vermisse also kein Wasser, sondern habe den Luxus, die Menschen am Wasser zu vermissen. Wir müssen in Zukunft mit unseren Privilegien gut und fair umgehen. Ich wünsche mir sehr, dass wir diese Chance für ein Umdenken nutzen.

Es gibt keinen Feind, aber eine Gefahr. Eine Gefahr, wie auch die Klimakatastrophe eine ist.

Rémy Wirz, Fährimaa

Die Krise ist auch ein Hinweis darauf, wie Krisen in Zukunft anzugehen sind: gemeinsam. Es ist wie in einer Fähre, wir sitzen alle im selben Boot. Ja, es ist das allererste Mal, dass die Menschen weltweit zusammen durch eine solche Krise gehen. Es ist eine gemeinsame Herausforderung. Es gibt keinen Feind, aber eine Gefahr. Eine Gefahr, wie auch die Klimakatastrophe eine ist. Doch wie gingen wir mit Gefahren bisher um? Wir demonstrierten auf den Strassen und diskutierten, und dennoch änderte sich wenig. Ob Kinder an Hunger sterben oder Gletscher schmelzen – wir handeln kaum. Aber dieses Virus schaffte es, dass wir uns alle gemeinsam bewegen mussten und noch immer müssen. Das beweist, dass wir es können, wenn wir denn wollen. Packen wir doch auch die anderen Probleme gemeinsam an. Wie der ehemalige Präsident der USA Barack Obama einst sagte: «Yes, we can!»

Fehler gefunden?Jetzt melden.
64 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Butz

14.05.2020, 09:23

Verlogen waren wir immer. Ich kann wenigstens zugeben, dass unsere Eltern bodenständiger waren und viele Banker während des kalten Krieges Kohle für uns machten. Aber nein. Zu rasant sind nun die Baufirmen und Wohnungsvermieter usw auf mehr Leute aus.

Plutz

14.05.2020, 09:20

Wir sitzen nicht alle im selben Boot. Mit Autoprüfung trotzdem nie Auto gekauft und ÖV gefahren. Turbokapitalismus ist das gebaue von Malls, etc. Autos und Verkehr überall. Verlassen auf mehr Leute so die oberen haben mehr Geld. Wer braucht’s.

Tommy

05.05.2020, 04:05

Wo isch der Duumen nach unten? Also manche Kommentare hätten ihn verdient! Die "Rechten" haben Schuld!? 😂 Wollten sich die "Linken" nicht vollbrachte Sitzungen auszahlen lassen? Ausbeutung an Mensch und Natur isch in kommunistische Ländern leider höher als in Westeuropa! Ob links oder recht, es goht emmer ums Geld!