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Mail aus RioDer TV-Marathon ist für mich Geschichte

In regelmässigen Abständen erreicht uns elektronische Post von unseren Reportern aus Rio. Kai Müller über seine Olympia-Premiere vor Ort.

von
kai
Olympia am TV gucken ist für Kai Müller Geschichte.

Olympia am TV gucken ist für Kai Müller Geschichte.

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Olympische Sommerspiele, das bedeutet für mich seit jeher Extremsport. Stundenlange TV-Marathons, dazwischen völlig übermüdet zur Schule, Vorlesung oder Arbeit, ohne Rücksicht auf Verluste.

Hauptsache, nichts verpassen, keinen Rekordlauf, kein kurioses Ereignis, keine Studiodiskussion, und dient sie nur dazu, ein Thema zu zerreden. Keinen Marc Rosset, der zum wilden Tennisstier wird, keinen Donghua Li, der sich unnachahmlich übers Pauschenpferd schwingt, keine Brigitte McMahon, die selbiges vollbringt wie Nicola Spirig zwölf Jahre später.

Die Premiere vor Ort

Olympische Sommerspiele, das sind wunderbare Kindheitserinnerungen an Carl Lewis, den Übersprinter und -springer. An Jan-Ove Waldner, den Mozart des Tischtennis, dessen Ballgefühl bis heute unerreicht ist. An die Jordans, Pippens, Barkleys und Birds, diese amerikanischen Superhelden, die die Schwerkraft überlisten. An Michael Johnson, den Mann mit den Trippelschritten und goldenen Schuhen, der – aufrecht wie ein Zinnsoldat, die Brust weit draussen, als käme die Ziellinie jeden Meter – über die halbe und ganze Bahnrunde fliegt. An Schwimmwunder wie Alexander Popow und später Ian Thorpe.

Olympische Sommerspiele, das hiess für mich immer: der Fernseher ersetzt soziale Kontakte für zwei, drei Wochen (es sei denn, man lud zum Olympia-TV-Treff). Bis heute. Nun bin ich in Rio erstmals live mit dabei. Und gespannt, wie die Premiere meine Wahrnehmung dieses Mega-Events verändern wird.

Kai Müller ist Sportredaktor und berichtet für 20 Minuten von den Olympischen Spielen aus Rio.

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