Aktualisiert 07.06.2012 18:11

«Freundin der Familie»Der TV-Star und die schöne Assad-Vertraute

Die 82-jährige US-Fernsehlegende Barbara Walters hat als letzte westliche Journalistin Baschar Assad interviewt. Nun steht sie wegen ihrer Nähe zu Syriens Diktator in der Kritik.

von
pbl

Barbara Walters ist die grosse alte Dame des US-Fernsehens, sie hat in ihrer langen Karriere zahllose Berühmtheiten interviewt. Ihren jüngsten Coup landete die 82-Jährige im letzten Dezember, als sie Baschar Assad für ihren Haussender ABC befragen konnte. Das Interview, in dem Assad jegliche Verantwortung für die Gräuel in Syrien leugnete, sorgte weltweit für Furore.

Es entstand durch Vermittlung von Sheherazad Jaafari, der 22-jährigen Tochter des syrischen UNO-Botschafters in New York. Sie ist eine enge Beraterin von Assad und manchmal «als einzige Person im Raum anwesend, wenn er mit westlichen Journalisten spricht», schreibt der britische «Telegraph». E-Mails, welche die Zeitung «von einer syrischen Oppositionsgruppe» erhielt, belegen nun den überaus vertraulichen Umgang von Barbara Walters mit der attraktiven Syrerin, die sie als «liebes Mädchen» anredete.

Walters äussert Bedauern

Im Januar kam es zu einem Treffen, bei dem Jaafari offenbar um einen Job bei ABC bat. Walters lehnte wegen «Interessenkonflikten» ab, doch in der Folge bemühte sie sich um einen Praktikumsplatz für die junge Frau bei CNN-Talker Piers Morgan. Ausserdem versuchte sie, ihr einen Ausbildungsplatz in der Journalistenschule der New Yorker Elite-Universität Columbia zu verschaffen. In einem Mail an den zuständigen Professor beschrieb sie Sheherazad Jaafari als «brillant, schön», sie spreche «fünf Sprachen».

In beiden Fällen wurde nichts aus einem Engagement. Barbara Walters zeigte sich in einer Mitteilung einsichtig: «Rückblickend realisiere ich, dass ich einen Konflikt verursacht habe, was ich bedauere.» Sheherazad Jaafari bezeichnete die Vorwürfe gegenüber dem «Telegraph» als «unfair». Barbara Walters sei «eine Freundin der Familie», die sie seit sechs Jahren kenne. In den Mails verwendete sie auch den Begriff «Adoptivmutter».

Jaafaris Doppelspiel

Gleichzeitig spielte die junge Syrerin ein Doppelspiel, wie aus weiteren Mails hervorgeht, die vermutlich von einem Angriff der Hackergruppe Anonymous stammen. Nachdem sie das Interview eingefädelt hatte, gab sie Präsident Assad Tipps, wie er sich am besten an die Amerikaner wenden könne. «Sprich nicht von Reformen», die Amerikaner würden das nicht verstehen. Ihre Psyche sei «einfach zu manipulieren», wenn man Fehler zugebe und erkläre, man wolle sie «beheben». Tatsächlich hielt sich Assad im Interview an diese Vorgabe.

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