Aktualisiert 02.08.2012 09:27

Olympia-KickerDer Twitter-Skandal als Chance

Die Schweizer Fussballer nehmen von Olympia einen Punkt und viele Enttäuschungen mit. Etwas Wichtiges jedoch dürften sie gelernt haben – wenn sie denn wollen.

von
Felix Burch
Cardiff

Eine gelb-rote Karte gegen Gabun, eine Twitter-Entgleisung nach dem Korea-Spiel und verpasste Torchancen gegen Mexiko – so kann der Olympia-Auftritt der Schweizer Fussballer zusammengefasst werden.

Es war kein erfreuliches Turnier. Dennoch kann dem Ganzen etwas Positives abgewonnen werden. Michel Morganellas beleidigende Worte gegenüber den Südkoreanern, sein Ausschluss von den Olympischen Spielen sowie die internationale Empörung über den Skandal dürfte all den Fussballern und den Sportlern allgemein die Augen geöffnet haben, was den Umgang mit Medien wie Twitter und Facebook betrifft.

«Eine Chance, über soziale Medien nachzudenken»

Der Schweizer Trainer Pierluigi Tami sagte noch am Tag des Scheiterns: «Vielleicht ist der Vorfall eine Chance für junge Menschen zu überlegen, was diese sozialen Medien bedeuten.» Wäre dies tatsächlich der Fall, hätte sich Olympia trotz all den Enttäuschungen gelohnt.

Sportlich bleibt jedoch der Frust. Tamis Enttäuschung hielt sich dennoch in Grenzen. Seine Begründung: «Die Vorbereitung war nicht optimal.» Deshalb war die Mannschaft physisch nicht bereit. Dies wirkte sich laut Tami auf den gesamten Rest negativ aus und führte zu Fehlern. Die Gruppengegner hätten das olympische Turnier über alles gestellt und zum Teil schon während mehreren Monaten zusammen trainiert. Die Schweiz hingegen hatte nur knapp zwei Wochen Zeit. Tami stellt deshalb klar: «Wir hätten auch mit den Abwesenden nicht besser gespielt. «Es lag nicht an den einzelnen Spielern, es lag an der Vorbereitung.»

Der Schweizer Trainer gab zu bedenken, dass sich an Olympia sämtliche europäische Teams schwertun und es lange keinen Olympiasieger mehr aus Europa gegeben habe. Die kurze Vorbereitungszeit der Equipen sowie der Umstand, dass in den meisten Ligen Europas der Spielbetrieb noch nicht, oder erst seit kurzem begonnen hat, könnten eine Erklärung dafür sein. Allerdings schloss Grossbritannien die Gruppenphase als Erster ab. Zudem konnten auch Teams wie Südkorea nicht monatelang mit der Auswahl trainieren, die jetzt in England spielt. Ihre Europa-Söldner stiessen zum Teil knapp vor den Spielen zur Mannschaft.

Die «guten Jungs»

Viele Schweizer Spieler mochten nach dem Ausscheiden nichts zum Turnier sagen. Dies widerspiegelt in gewisser Weise den Charakter der Mannschaft. Der neutrale Beobachter hatte nicht das Gefühl, dass hier eine verschworene Gemeinschaft etwas erreichen will, Spass vermittelte die Truppe nie. Einer der wenigen mit Charakter im noch jungen Team ist Fabian Frei. Er stellte sich den Medien und meinte selbstkritisch: «Es gelang uns nie, über 90 Minuten eine konstant gute Leistung zu zeigen.» Der «Basler» lässt als Entschuldigung für die 0:1 Niederlage gegen Mexiko den Fall Morganella nicht als Ausrede gelten. «Sicher ging der Rummel nicht ganz spurlos an der Mannschaft vorbei, auf die Leistung auf dem Feld dürfte er aber keinen Einfluss gehabt haben.» Zum Schluss meinte er, es bleibe trotz allem nicht nur Negatives. «Jeder von uns kann sagen, er war an Olympischen Spielen dabei.»

Captain Diego Benaglio fand das Ausscheiden der Schweizer gleich nach dem Match «unheimlich schade.» Er spielte die Rolle des Leaders auch in der Niederlage gekonnt und sagte: «Es sind gute Jungs dabei gewesen, zahlreiche gute Jungs.»

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