Aktualisiert 26.02.2010 09:29

Gaddafi-Drohung«Der Typ gehört in die Muppet-Show»

Muammar Gaddafi ruft zum «heiligen Krieg» gegen die Schweiz auf. Was er mit seiner Rede bezwecken will, ist unklar. Doch die Diskussion unter den Lesern von 20 Minuten Online hat er mächtig angeheizt.

von
meg

Muammar Gaddafi provoziert wieder einmal. Nachdem er zunächst vor der UNO die Aufteilung der Schweiz verlangte, ruft er nun zum Jihad («heiligen Krieg») gegen die Schweiz auf. Die Reaktionen von Nahost-Experten und Politikern sind besonnen. FDP-Nationalrätin Christa Markwalder plädiert im «Tages Anzeiger», auf die Jihad-Drohung gar nicht zu reagieren.

Auch zahlreiche 20 Minuten Online-Leser setzen im Talkback auf diese Haltung. «Am besten, man ignoriert ihn einfach», schreibt ein Leser trocken. Ein anderer Kommentar zielt in dieselbe Richtung: «Ich frage mich schon lange, warum der Gaddafi solch eine Medienpräsenz in der Schweiz geniesst.»

«Patriot» fordert nebst Gelassenheit vor allem diplomatisches Geschick. «Es ist leider so, dass Herr Gaddafi nicht einzuschätzen ist, deshalb soll die Schweiz ihr diplomatisches Geschick beweisen und eine gute Lösung finden.»

Die Forderung nach dem «Erstschlag»

Auf diplomatisches Geschick vertrauen aber längst nicht mehr alle. Der Wüsten-Diktator hat mit seinem neuerlichen verbalen Angriff zahlreiche Leser verärgert. «Zunder» fordert deshalb: «Dies ist eine Kriegserklärung. Unsere Armee soll nun einen Erstschlag planen.» Er ist damit nicht der Einzige. Ein «Erstschlag» solle vorbereitet werden, die Armee in Libyen einmarschieren und Max Göldi befreien, wird gefordert. Besonnenere Kommentatoren wie «Mat» plädieren auf Abwarten, ehe mit Sanktionen gegen Libyen begonnen wird: «Ich sag nur ganz locker bleiben, bis der Max Göldi zuhause ist. Danach den Diplomaten von Libyen nach Hause schicken, die Botschaft in Libyen schliessen, nie mehr Tamoil tanken.»

Apropos Tamoil: Für viele Leser scheint der libysche Ölkonzern mit zahlreichen Tankstellen in der Schweiz die einzige Achillesferse, Libyen ernsthaft zu schaden. «Hört doch mal auf, bei Tamoil zu tanken», findet «beobachter». Mit Tamoil mache der libysche Diktator «das grösste Geschäft mit der Schweiz».

Die Rückkehr der Minarett-Abstimmung

Dass Gaddafi seine Brandrede in Zusammenhang mit der Minarett-Abstimmung hielt, heizt die Debatte auch hierzulande wieder an. Zum Extremen neigende Kommentatoren wollen nun gleich sämtliche Muslime in einen Topf werfen und fordern, dass sich «alle Muslime schleunigst aus der Schweiz verabschieden». Andere sehen in der «Jihad-Rede» nun die Konsequenz des Abstimmungsresultats von vergangenem November. «Mir war von Anfang an klar, als die Minarettinitiative angenommen wurde, dass so was passieren muss. Meiner Meinung nach sind wir selbst schuld», schreibt «Levi».

Die Antwort auf die muslimfeindlichen Kommentatoren gibt Muslim «Halit» gleich selber: «Um etwas klar zu stellen, ich bin ein Moslem. Aber wer so etwas raus lässt wie Gaddafi sollte direkt in der Hölle schmoren.» Mit seinen Äusserungen begebe sich der libysche Despot auf dieselbe Stufe wie Bin Laden und zerstöre «unsere Religion».

Besonnenheit, scharfe Konter, kontroverse Diskussionen: Was fehlt, ist der Humor. Und den haben einige Leser nicht verloren. «Sofort an jedem Kiosk erhältlich: Gaddafix gegen Helvetix, 90 Minuten Lesestoff mit 99 Kostümen und 999 Eigengoals. Zum Ausmalen.» Wie viel das Lesevergnügen kostet, schreibt dieser Leser nicht. Der Schlusssatz gehört heute «Pädu». Der urteilt über Gaddafi trocken: « Der Typ gehört in die Muppet-Show.»

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