Lohnbuch: Der typische Frauenberuf wirft nur 4000 Franken ab

Publiziert

LohnbuchDer typische Frauenberuf wirft nur 4000 Franken ab

Jobs in klassischen Frauenberufen bedeuten oft einen tiefen Lohn. Die Gesellschaft müsse diese Berufe endlich mehr wertschätzen, fordert die Gewerkschaft Unia.

von
Valeska Blank
1 / 14
Das Lohnniveau in typischen Frauenberufen ist im Vergleich zu klassischen Männerdomänen in der Regel deutlich tiefer. Ein Blick ins Lohnbuch 2015 des Kantons Zürich zeigt, wie viel Frauen in welchen Berufen verdienen. Die Beträge entsprechen dem monatlichen Bruttolohn.

Das Lohnniveau in typischen Frauenberufen ist im Vergleich zu klassischen Männerdomänen in der Regel deutlich tiefer. Ein Blick ins Lohnbuch 2015 des Kantons Zürich zeigt, wie viel Frauen in welchen Berufen verdienen. Die Beträge entsprechen dem monatlichen Bruttolohn.

Keystone/Martin Ruetschi
Pferdepflegerin mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis: 3213 Franken.

Pferdepflegerin mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis: 3213 Franken.

Keystone/Ennio Leanza
Coiffeuse mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis: 3700 Franken

Coiffeuse mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis: 3700 Franken

Keystone/Gaetan Bally

Am 1. Mai dreht sich alles rund ums Thema Arbeit. An Kundgebungen werden neben anderen sozialen Themen auch Forderungen in Bezug aufs Salär der Arbeitnehmenden laut. Auf der 1.-Mai-Agenda des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds standen 2014 beispielsweise die Mindestlöhne. Die Gewerkschaft Unia fordert dieses Jahr die Umsetzung des Prinzips «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit».

Kurz: Die Gewerkschaften setzen sich Jahr für Jahr für faire Löhne ein. Doch wann ist ein Lohn fair? Diese Frage stellt sich beispielsweise beim Blick auf die Löhne in Berufen, in denen grösstenteils Frauen arbeiten. Das Fazit: In typischen Frauenberufen pendeln die Saläre häufig um die 4000-Franken-Marke. Das zeigt das Lohnbuch 2015 des Kantons Zürich. So verdient eine Detailhandelsangestellte etwa 4100 Franken pro Monat, eine Servicefachangestellte 4208 Franken und eine Fachfrau Gesundheit 4320 Franken.

«Von der Gesellschaft zu wenig anerkannt»

Coiffeurinnen oder Dentalassistentinnen verdienen sogar – je nach Berufserfahrung – unter 4000 Franken. Nur wenige klassische Frauenberufe wie Pflegefachfrau HF oder Kindergärtnerin scheren beim Lohn mit monatlich 5217 respektive 5707 Franken etwas nach oben aus.

Für Natalie Imboden von der Gewerkschaft Unia ist klar: «In den Branchen mit hohem Frauenanteil sind die Löhne viel zu tief.» Obwohl die Arbeit von Verkäuferinnen, Reinigungsfachkräften oder Kleinkinderzieherinnen für die Gesellschaft enorm wichtig sei, werde sie genau von eben dieser zu wenig anerkannt – «obwohl alle froh sind, dass diese Jobs von irgendjemandem gemacht werden».

Junge Frauen, traditionelle Berufe

Dass die Arbeit in klassischen Frauendomänen schlecht bezahlt sei, habe auch historische Gründe, so Imboden. «Früher wurden Frauenlöhne häufig nur als Zustupf fürs Familieneinkommen gesehen.» Doch heute, wo viele Frauen alleinerziehend seien und nicht auf den Lohn des Mannes zurückgreifen könnten, sei das anders: «Auch in einem ‹Frauenberuf› muss man genug verdienen, um die Existenz einer Familie sichern zu können.»

Junge Schweizerinnen wählen trotz der schlechten finanziellen Aussichten mehrheitlich einen Frauenberuf, wie eine Studie der Fachhochschule Ostschweiz kürzlich zeigte. Als Gründe werden etwa die Rückbesinnung auf traditionelle Denkweisen oder das Fehlen von weiblichen Vorbildern genannt. Auch Gewerkschafterin Imboden begegnet den zementierten Rollenbildern immer wieder. Zudem sei die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit oft ausschlaggebend für Frauen. «Junge Mütter sind auf Teilzeitstellen angewiesen – und wählen sogenannte ‹Frauenberufe› mit tiefen Löhnen. Ein Teufelskreis.»

Mehr Frauen in Tieflohnstellen

Frauen verdienen in der Schweiz im Schnitt 18,9 Prozent weniger als Männer. Das zeigt die Lohnstrukturerhebung des Bundes. Schätzungen zufolge arbeiten in der Schweiz 475'000 Personen in Tieflohnstellen – sprich Jobs, in denen der Lohn weniger als 4293 Franken brutto beträgt. Dabei sind Frauen deutlich übervertreten: Zwei Drittel der Personen mit einem Tieflohn sind weiblich. Ein Grossteil dieser Stellen finden sich im Detailhandel, der Gastronomie und der Beherbergungsbranche.

Deine Meinung