Sexuelle Belästigung im Uber: «Der Uber-Fahrer offerierte mir Sex»
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Sexuelle Belästigung im Uber«Der Uber-Fahrer offerierte mir Sex»

Immer wieder werden Frauen von ihren Uber- oder Taxi-Chauffeuren sexuell belästigt. Vier Leserinnen erzählen von ihren Erfahrungen.

von
Nicolas Meister
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Immer häufiger werden Frauen von Uber- oder Taxifahrern während der Fahrt sexuell belästigt.

Immer häufiger werden Frauen von Uber- oder Taxifahrern während der Fahrt sexuell belästigt.

Getty Images/iStockphoto
Auf eine Beschwerde reagieren betroffene Unternehmen nur selten.

Auf eine Beschwerde reagieren betroffene Unternehmen nur selten.

Tamedia AG/Franziska Rothenbuehler

Darum gehts

Immer häufiger kommt es vor, dass Uber- und Taxifahrer ihre Gäste sexuell belästigen. Auch 20-Minuten-Leserinnen haben bereits solche Erfahrungen gemacht. Sie hätten Beschwerde bei Uber eingelegt, jedoch nie eine Rückmeldung erhalten, behaupten die Betroffenen. Vier von ihnen erzählen:

R.B.* (18), aus dem Kanton Zürich: «Er offerierte mir Sex»

«Zu Beginn der Fahrt führten ich und mein Uber-Fahrer Smalltalk. Auf einmal begann er, mir übermässig Komplimente zu machen. Wenn wir am Lichtsignal standen, starrte er mich an und versuchte wiederholt, meine Oberschenkel anzufassen. Das war mir sehr unangenehm. Als er mir dann intime Fragen stellte und sexuelle Avancen machte, verständigte ich meine Kolleginnen und teilte ihnen meinen Standort. Mit einem Mann alleine im Auto – da kann alles passieren. Zum Schluss meinte er, ich könnte seine Deutschkenntnisse aufbessern, im Gegenzug würde er mir andere Dinge zeigen. Kurz gesagt: Er offerierte mir Sex.

Ein paar Tage später erzählte ich meiner Kollegin vom Vorfall. Sie hatte ein ähnliches Erlebnis mit dem gleichen Fahrer. Auf dem Weg nach Hause von einer Party habe der Fahrer im Nirgendwo angehalten und gefragt, ob sie mit ihm Sex haben wollte.

N.A.* (20), aus dem Kanton Zürich: «Er wollte, dass wir zu ihm nach Hause gehen»

«An Silvester 2021 habe ich mit drei Freundinnen spätabends einen Uber nach Zürich genommen. Die ganze Fahrt meinte er, dass wir mit ihm nach Hause gehen sollen, um ein bisschen Spass zu haben. Dagegen mussten wir uns mehrere Male wehren. Ausserdem löcherte er uns mit intimen Fragen und verlangte unsere Telefonnummern. Sein aufdringliches Verhalten war für uns extrem unangenehm.

Bei Uber haben wir keine Meldung erstattet. Meine Kollegin, die bereits eine ähnliche Erfahrung gemacht hatte, meinte, dass Uber darauf nicht reagiere. Seither habe ich nie wieder ein Uber genommen.»

J.W.* (42), aus dem Kanton Zürich: «Obwohl es mir offensichtlich schlecht ging, machte er mich an»

«Wegen eines Asthma-Anfalls musste ich ins Spital und rief dafür einen Uber. Kurz nach Fahrtbeginn begann der junge Fahrer, mir ununterbrochen intime Fragen zu stellen. Obwohl ich ihn mehrere Male darauf hinwies, dass ihn das nichts angehe, fragte er weiter. Zudem war es offensichtlich, dass es mir überhaupt nicht gut ging. Mein Zustand verschlechterte sich während der Fahrt jedoch so stark, dass ich die Ambulanz rufen musste. Diese erlöste mich dann von der Tyrannei des Uber-Fahrers. Doch jetzt habe ich Angst, dass er irgendwann vor meiner Haustüre auftauchen wird.»

Weniger Vorfälle in Taxis?

90 Prozent der Betroffenen, die sich auf den Aufruf von 20 Minuten meldeten, fühlten sich von einem Uber-Fahrer sexuell belästigt. Rund zehn Prozent betrafen diejenigen, die sexuelle Belästigung während einer Taxifahrt erlebt haben. Der Taxi-Verband Taxi Suisse konnte auf Anfrage keine Angaben zu Beschwerden wegen sexueller Belästigung liefern. Ein Sprecher von Taxi 777, einem grossen Zürcher Taxi-Unternehmen, berichtet von zwei eingegangenen Beschwerden wegen sexueller Belästigung in den letzten fünf Jahren. Anina etwa machte eine solche Erfahrung in einem Taxi:

Anina (29), aus dem Kanton Zürich: «Was erlaubt er es sich, meine Nummer zu behalten und mir zu schreiben?»

«Während einer Taxifahrt spätabends rutschte mir mein Handy aus den Händen und ich konnte es nicht mehr finden. Deshalb bat ich meinen Fahrer, mich anzurufen, was er netterweise auch sofort tat. Er sei mein Held, sagte ich zu ihm, als ich das Handy unter dem Sitz klingeln hörte. Danach ging ich nach Hause und dachte mir nichts weiter.

Am nächsten Morgen dann der Schock: Ich erwachte mit mehreren Nachrichten von meinem Fahrer. Er sei ja mein Held von gestern Nacht und würde sich gerne mit mir treffen. Ich lehnte ab und bat ihn, mir nicht mehr zu schreiben, was er jedoch ignorierte. Darauf blockierte ich ihn. In diesem Moment war ich extrem wütend. Was erlaubt er es sich, meine Nummer zu behalten und mir zu schreiben? – total dreist. Ich will nicht wissen, was er mit anderen Frauen bereits gemacht hat.»

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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