SNB-Jahresabschluss: Der UBS-Schrott bleibt ein Renner
Aktualisiert

SNB-JahresabschlussDer UBS-Schrott bleibt ein Renner

Erfolg auf der ganzen Linie: Auch 2011 hat die Nationalbank mit dem UBS-Rettungsfonds Gewinn erzielt. Der Kampf gegen den starken Franken kostet weit weniger als erwartet.

von
Balz Bruppacher
Noch ist Thomas Jordan nicht definitiv Präsident der Nationalbank. Zur Wahlaussicht bemerkte er bloss, dass diese Frage der Bundesrat beantworten müsse. Schon am Freitag könnte dies die Landesregierung tun.

Noch ist Thomas Jordan nicht definitiv Präsident der Nationalbank. Zur Wahlaussicht bemerkte er bloss, dass diese Frage der Bundesrat beantworten müsse. Schon am Freitag könnte dies die Landesregierung tun.

Es war schon fast ein präsidialer Auftritt, den Thomas Jordan am Donnerstagvormittag im Bankratssaal der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Bern absolvierte. Der Vize- und Interimspräsident, der nach allgemeiner Erwartung demnächst definitiv die Nachfolge von Philipp Hildebrand an der Notenbankspitze antreten wird, begrüsste die Medienleute «ganz, ganz herzlich».

Höflich und bestimmt wich Jordan aber zugleich allen Fragen aus, die zur Geldpolitik und zum Euro-Mindestkurs gestellt wurden. Und zum Persilschein, den er gestern vom Bankrat und den KPMG-Prüfern erhalten hatte. Zur Wahlaussicht nach ganz oben bemerkte er bloss, dass diese Frage der Bundesrat beantworten müsse.

Gewinn auf Schrottpapieren

Die Medienschar, die zahlreicher als vor Jahresfrist bei der Präsentation des SNB-Rekordverlusts von 20,8 Milliarden Franken nach Bern gepilgert war, musste sich mit Jordans Erläuterungen zum Jahresabschluss 2011 begnügen. Weil die Eckwerte des spektakulären Turnarounds mit einem Gewinn von 13 Milliarden Franken schon seit Januar bekannt sind, stand das Ergebnis des Stabilisierungsfonds im Vordergrund. Also jenes Auffangbeckens, in das die UBS im Oktober 2008 ihre illiquiden Aktiven auslagern konnte und so vor dem Kollaps gerettet wurde.

Zum zweiten Mal in Folge warf der Stabilisierungsfonds 2011 einen Gewinn ab, und zwar 1,1 Milliarden Dollar (2010: 2,5 Milliarden Dollar). Zum Konzernabschluss steuerte der Fonds einen Beitrag von 440 Millionen Franken bei, sodass ein Konzerngewinn von 13,5 Milliarden Franken resultierte. Zwei Faktoren waren gemäss Jordan für den rückläufigen Gewinn des Stabilisierungsfonds ausschlaggebend. Zum einen wird das Rettungsinstrument dank Rückzahlungen und Verkäufen immer kleiner. Zum anderen entwickelten sich die Preise auf den Finanzmärkten in der zweiten Jahreshälfte ungünstig.

SNB als Hausbesitzerin

Das Darlehen der Nationalbank an den Stabilisierungsfonds verringerte sich innert Jahresfrist von 12,6 auf 8,1 Milliarden Dollar. Das Gesamtrisiko der SNB ging gleichzeitig von 14,3 auf 9,0 Milliarden Dollar zurück. Im Herbst 2008 war das Risiko noch fast vier Mal so hoch gewesen (34,7 Milliarden Dollar). Hinzu kommt, dass der ausstehende Kredit der SNB mittlerweile durch ein Eigenkapital des Stabilisierungsfonds von 3,2 Milliarden Dollar gedeckt ist. Jordan rechnet damit, dass die Liquidation der UBS-Giftpapiere noch rund drei Jahre dauern dürfte. Ein vorzeitiger Rückkauf des Stabilisierungsfonds durch die UBS sei nach wie vor kein Thema. «Das bleibt auf absehbare Zeit so», sagte der Interimschef der Notenbank.

Im Zuge von Zwangsverwertungen notleidender Kredite ist die Nationalbank übrigens auch zur Immobilienbesitzerin geworden. Zurzeit sind es gut 500 Objekte, vorwiegend in den USA, aber auch in Spanien. Die Nationalbank versucht, diese Liegenschaften möglichst rasch wieder abzustossen. Ende 2011 standen sie mit 69,7 Millionen Dollar in der Bilanz des Stabilisierungsfonds zu Buche.

18 Milliarden für Devisenkäufe eingesetzt

Dem gleichzeitig veröffentlichten Rechenschaftsbericht ans Parlament ist zu entnehmen, dass die Nationalbank im Kampf gegen den starken Franken letztes Jahr 17,8 Milliarden Franken für Devisenkäufe einsetzte. Jordan wollte aber nicht erläutern, wie viel davon auf die Verteidigung des am 6. September festgelegten Mindestkurses von 1.20 Franken für den Euro entfiel. Sicher ist, dass sich die Kosten bisher in Grenzen hielten. Im ganzen Jahr 2010 hatte die Nationalbank noch 144 Milliarden Franken für Devisenmarktinterventionen eingesetzt.

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