Risikosportarten: Der umstrittene Umgang mit dem Adrenalinkick
Aktualisiert

RisikosportartenDer umstrittene Umgang mit dem Adrenalinkick

Outdooraktivitäten wie Riverrafting werden künftig streng geregelt. Für die grossen Fische ändert sich wenig, Kleinbetriebe machen sich Sorgen.

von
Antonio Fumagalli
Risikosportarten wie Riverrafting sind beliebt: Künftig gibt es dafür gesetzliche Grundlagen - allerdings nicht zur Freude von allen Anbietern.

Risikosportarten wie Riverrafting sind beliebt: Künftig gibt es dafür gesetzliche Grundlagen - allerdings nicht zur Freude von allen Anbietern.

Der Tag, der alles veränderte, liegt wie ein Damoklesschwert über dem Schweizer Outdoorsport: Am 27. Juli 1999 überraschte im Berner Saxetbach eine Wasserwalze eine Gruppe von 45 Abenteurern, für 21 von ihnen endete der Canyoning-Ausflug tödlich. «Spätestens an diesem Tag war allen klar: Jetzt muss in Bezug auf die Sicherheit der Risikosportarten etwas geschehen», sagt Hans Allemann, Präsident der Swiss Outdoor Association (SOA).

Auf Initiative des vom Unglück direkt betroffenen Kantons Bern riefen mehrere Risikosport-Anbieter die Stiftung «safety in adventures» ins Leben, die Outdoor-Anbieter zertifiziert und sich zum Ziel setzt, deren Sicherheitsstandard zu erhöhen. «Das wichtigste Schutzziel ist, dass das Todesfallrisiko bei einer Outdoor- und Adventure-Aktivität für einen Gast nicht grösser sein darf als das doppelte durchschnittliche Todesfallrisiko beim Autofahren», schreibt «safety in adventures» in einer Mitteilung.

Politische Mühlen mahlen langsam

Auch im Parlament wurde man aktiv, allerdings mit angezogener Handbremse: Der damalige CVP-Nationalrat Jean-Michel Cina reichte bereits im Jahr 2000 eine parlamentarische Initiative zum Thema ein – dessen Leidensweg nahm aber erst jetzt ein vorläufiges Ende: Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat dem Gesetz über «kommerziell angebotene Risikosportarten und das Bergführerwesen» zugestimmt. Damit brauchen kommerzielle Anbieter künftig eine Bewilligung und müssen strenge Vorschriften einhalten.

Für Mitglieder der Stiftung «safety in adventures» – in der Regel grössere Outdoor-Anbieter – wird sich kaum etwas ändern: «Wir fürchten uns nicht vor dem Gesetz, im Gegenteil. Es schafft gleich lange Spiesse für die ganze Branche», sagt Heinz Loosli von «Outdoor-Interlaken». Anders sieht es für die meist kleineren Anbieter aus, die sich aus finanziellen und administrativen Gründen bis anhin gegen die freiwillige Mitgliedschaft bei der Stiftung entschieden haben.

Sorgenfalten bei Kleinbetrieben

«Wenn wir künftig für jede angebotene Sportart eine Bewilligung brauchen, ist der Mehraufwand für uns enorm», sagt Wim Martins von «Rafting & Outdooradventure». Zumindest in seinem Betrieb werde die Sicherheit dadurch nicht erhöht: «Ich arbeite schon jetzt nur mit ausgebildeten Tourenführern zusammen», so Martins. Mit den gesetzlichen Bestimmungen beschütze man nur die grossen Anbieter – und den Preis müssten letztendlich die Gäste bezahlen.

Hans Allemann vom Branchenverband SOA kann die Bedenken von Kleinbetrieben teilweise nachvollziehen: «Wir werden uns bei der genauen Ausformulierung des Gesetzes dafür einsetzen, dass niemand aufgeben muss, wenn er die grösstmögliche Sicherheit gewährleistet.» Ein gewisses Restrisiko bleibe bei Adventure-Aktivitäten aber immer: «Wir wollen uns nach einem Unfall einfach niemals fragen müssen: ‚Wie konnte dieser Anbieter auf dem Markt sein?'»

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