US-Präsidentschaftswahlen: Der Unabhängige, der Trump demütigen könnte
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US-PräsidentschaftswahlenDer Unabhängige, der Trump demütigen könnte

Evan McMullin könnte die Wahl im US-Bundesstaat Utah gewinnen – und damit bei der Jagd aufs Präsidentenamt mitmischen.

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Evan McMullin, erst im August als Kandidat einer «neuen konservativen Bewegung» angetreten, hat zwar keine Chancen auf das Präsidentenamt.

Evan McMullin, erst im August als Kandidat einer «neuen konservativen Bewegung» angetreten, hat zwar keine Chancen auf das Präsidentenamt.

AP/Rick Bowmer
Er könnte aber in seinem Heimatstaat Utah gewinnen und damit ins Rennen um das Präsidentenamt einsteigen.

Er könnte aber in seinem Heimatstaat Utah gewinnen und damit ins Rennen um das Präsidentenamt einsteigen.

AP/Rick Bowmer
Der 40-Jährige setzt darauf, vom weitverbreiteten Unbehagen in der konservativen Wählerschaft gegenüber Trump zu profitieren.

Der 40-Jährige setzt darauf, vom weitverbreiteten Unbehagen in der konservativen Wählerschaft gegenüber Trump zu profitieren.

Jeffrey D. Allred

Nicht nur Hillary Clinton, auch ein überraschender Newcomer macht Donald Trump im US-Wahlkampf inzwischen zu schaffen. Evan McMullin, erst im August als Kandidat einer «neuen konservativen Bewegung» angetreten, hat natürlich keinerlei Chancen auf das Präsidentenamt.

Aber der Mormone hat gute Aussichten, zumindest in seinem Heimatstaat Utah zu gewinnen – eine Niederlage in dieser traditionellen Hochburg der Republikaner wäre für Trump eine geradezu demütigende Erfahrung.

Smarter Aufsteiger

McMullin ist über seine Heimatregion hinaus in der US-Öffentlichkeit bislang wenig bekannt. Doch ist er alles andere als ein Outsider. Bis vor Kurzem war er Politikberater im Repräsentantenhaus, in früheren Jahren war er Agent des Auslandsgeheimdienstes CIA – in Washington ist der smarte Aufsteiger also gut vernetzt.

Der 40-Jährige setzt darauf, vom weitverbreiteten Unbehagen in der konservativen Wählerschaft gegenüber Trump zu profitieren. Der Immobilienmogul ist für viele normalerweise den Republikanern zugeneigte Wähler wegen seiner vulgären Sprüche und angeblichen sexuellen Übergriffe inakzeptabel, nicht wenige sehen in ihm auch einen verkappten Linksliberalen.

Die Demokratin Hillary Clinton ist für viele dieser konservativen Trump-Kritiker keine wählbare Alternative.

USA verdienen «Besseres als Trump und Clinton»

Sein Land habe «viel Besseres verdient, als Donald Trump oder Hillary Clinton uns zu bieten haben», erklärte McMullin denn auch forsch bei Verkündung seiner Präsidentschaftskandidatur – und meinte damit natürlich sich selbst.

Dem Späteinsteiger gelang es, sich immerhin noch in elf der 50 Bundesstaaten auf den Wahlzettel setzen zu lassen. In weiteren Staaten dürfen ihn die Wähler von sich aus dort als Kandidaten ihrer Wahl eintragen.

In Utah gleichauf mit Clinton

Während er in den meisten dieser Staaten chancenlos ist, hat der Newcomer in Utah den lange sicher scheinenden Sieg Trumps ernsthaft in Gefahr gebracht. Laut der Website «realclearpolitics» liegt McMullin im Mormonenstaat inzwischen mit rund 25 Prozent gleichauf mit Clinton - und nur noch knapp sechs Punkte hinter Trump.

Sollte McMullin das Kunststück eines Sieges in seinem Heimatstaat gelingen, dann würde er Geschichte machen - seit fast 50 Jahren ist es keinem Präsidentschaftskandidaten einer «dritten» Partei oder Bewegung mehr gelungen, einen Bundesstaat zu gewinnen.

Flüchtlingshelfer und Anti-Terror-Agent

Der Sohn eines Informatikers verbrachte zwei Jahre als Missionar der Mormonen in Brasilien und studierte danach an der von seiner Religionsgemeinschaft betriebenen Brigham Young University internationales Recht und Diplomatie.

Später arbeitete er als UNO-Flüchtlingshelfer in Jordanien, bevor er in die Dienste der CIA trat. Als Anti-Terror-Agent war er nach eigenen Angaben im Nahen Osten, Nordafrika und Südasien im Einsatz. Als Politikberater arbeitete er im Repräsentantenhaus für den Aussenausschuss und die Republikaner.

Gegenposition zu Trump

McMullin bezieht bei vielen Themen dezidiert Gegenposition zu Trump. So plädiert der frühere UNO-Helfer für die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen und wirft dem republikanischen Kandidaten die pauschale Diffamierung von Muslimen vor.

Er führt ins Feld, dass viele Erfolge im Anti-Terror-Kampf durch die Hilfe von Muslimen ermöglicht worden seien – sie als Gruppe zu attackieren, «macht Amerika nicht stärker, sondern schwächer», warnt McMullin unter Anspielung auf Trumps Wahlslogan. (ij/sda)

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