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Berlusconis EndeDer unschöne Abgang des Cavaliere

Silvio Berlsuconis Zeit an der Spitze Italiens ist zu Ende. Ganz bitter dürften für den Cavaliere die letzten Meter seiner Laufbahn gewesen sein. Von seinem Volk gabs Häme.

von
aeg

Die Frage, warum Berlusconi denn erst so spät zurückgetreten sei, beantwortete die Korrespondentin des Schweizer Fernsehens in der Tagesschau am späten Samstagabend damit, dass sich der Cavaliere zuerst hätte durch die dichten Menschenmassen zwischen dem Präsidentenpalast und dem Büro von Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano kämpfen müssen.

Und die nachgelieferten Bilder bestätigten dies. Tausende Demonstranten hatten vor dem Parlament und dem Quirinalspalast des Staatspräsidenten in Erwartung des Rücktritts ausgeharrt. «Bye Bye Berlusconi» stand auf Schildern. Einige stimmten ein «Halleluja» an und riefen «Rücktritt». Als Berlusconi mit halbstündiger Verspätung bei Napolitano vorfuhr, schmähten ihn Demonstranten einen «Clown» (buffone).

In den Strassen von Rom herrschte ohrenbetäubender Lärm. Der ganze Volkszorn entlud sich an diesem Abend in den Sprechchören. Und sie fanden den Weg zum Adressaten: In einem Gespräch mit der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zeigte sich der 75-Jährige «tief verbittert» angesichts der Anfeindungen.

Damit endet die Ära Berlusconi do, wie der Cavaliere selbst regiert hatte: Laut und unter der Gürtellinie. Indes wartet auf die Italiener bereits die Zukunft. Die Nachfolge-Regelung Berlusconis ist in vollem Gang.

Napolitano beginnt Koalitionsrunde zur Bewältigung der Krise

Nach dem Rücktritt des hat Staatspräsident Giorgio Napolitano das Steuer der politischen Krise in Rom übernommen. Er hat eine Konsultationsrunde zur Bewältigung der politischen Krise begonnen. Dabei kämpft er gegen die Zeit.

Laut informierten Kreisen in Rom könnte Napolitano bereits am Sonntagabend den ehemaligen EU-Kommissar Mario Monti mit der Regierungsbildung beauftragen. Damit will Napolitano vor der Eröffnung der Börsen am Montag ein klares Zeichen der Zuverlässigkeit Italiens setzen.

Das Staatsoberhaupt wird am Sonntag zuerst die Parlamentspräsidenten Gianfranco Fini und Renato Schifani und dann die verschiedenen Parteichefs treffen. Die Konsultationsrunde sollte um 18.00 Uhr zu Ende gehen.

Berlusconi hatte am Samstag Monti seine Unterstützung bei der Bildung einer Übergangsregierung in Rom zugesprochen. Bei einem zweistündigen Gespräch im Regierungssitz stellte Monti Berlusconi eine mögliche Ministerliste für seine eventuelle Regierung vor, die fast ausschliesslich aus parteilosen Experten bestehen sollte.

Kein Kommentar von Monti

Napolitano hat Monti in der vergangenen Woche zum Senator auf Lebenszeit ernannt und damit auch wieder ins politische Rampenlicht befördert. Monti selbst nahm am Sonntag nicht zu den Sondierungen Stellung. Auf dem Weg zur Kirche in Rom von Journalisten befragt, antwortete er: «Haben Sie bemerkt, was für ein schöner Tag heute ist?»

Auf Berlusconis Nachfolger kommen gewaltige Herausforderungen zu: Das Land kann sich kaum noch zu tragfähigen Zinsen refinanzieren und könnte der nächste Krisenfall der Euro-Zone werden.

(Lärm auf Roms Strassen/YouTube)

(aeg/sda/dapd)

Berlusconi peilt Comeback an

Einen Tag nach seinem Rücktritt hat der bisherige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Absicht kundgetan, erneut an die Regierung zurückkehren zu wollen. Dies nährt Spekulationen, dass Berlusconi in der Politik bleiben und bei den nächsten Parlamentswahlen wieder kandidieren könnte.

In einem Schreiben an die Rechtspartei «La Destra» (»Die Rechte») aus Anlass von deren Parteitag in Turin äusserte sich Berlusconi am Sonntag «stolz» über das, was seine Regierung in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren inmitten einer «beispiellosen internationalen Krise» geleistet habe.

«Ich teile Ihre Überzeugungen und hoffe, dass wir erneut gemeinsam den Weg zur Regierung beschreiten werden», heisst es in dem Brief an die kleine Rechtspartei.

Berlusconi betonte, er hoffe, dass die errungenen Resultate zur Modernisierung Italiens nicht verloren gehen würden. «Jemand sorgte dafür, dass die italienische Politik einen Sprung zurück macht, als der Wille der Wähler von Parteioligarchien ignoriert wurde, die die Macht verwalteten, ohne sich bei den Bürgern verantworten zu müssen», warnte Berlusconi.

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