Aktualisiert 26.07.2011 14:31

Grübel krebst zurück

Der Untergang des 15-Milliarden-Ziels

Das Geschäft der UBS ist ins Stocken geraten. Der Quartalsgewinn ist nur noch halb so gross wie im Vorjahr. UBS-Boss Grübel muss sein irrwitziges 15-Milliarden-Gewinnziel begraben.

von
Sandro Spaeth
Schwierige Zeiten für UBS-Chef Oswald Grübel. Mit seinem Gewinnziel ist er gescheitert.

Schwierige Zeiten für UBS-Chef Oswald Grübel. Mit seinem Gewinnziel ist er gescheitert.

Oswald Grübel kam, um die UBS auf die Siegerstrasse zurückzuführen. Die Schweizer Grossbank holte den Deutschen im Februar 2009 aus dem Ruhestand zurück und setzte ihn auf den Chefsessel. Dem neuen Kapitän gelang es, das sinkende Schiff zurück auf Kurs und damit in die Gewinnzone zu bringen. Grübels Ziel war ambitiös: 15 Milliarden Franken Jahresgewinn hätten es bis spätestens 2014 sein sollen – oder eine Eigenkapitalrendite von 15 bis 20 Prozent.

Dieses Gewinnziel hat Oswald Grübel am heutigen Tag offiziell begraben. Die Bankgeschäfte liefen im abgelaufenen Quartal 2011 schleppend. Unter dem Strich verdiente die Bank noch rund eine Milliarde Franken. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal hatte die UBS noch zwei Milliarden verdient. Das jüngste Resultat – auch eine Folge der Schuldenkrisen in Europa und den USA – veranlasste Grübel zum Krebsgang: «Die bisherigen Mittelfristziele lassen sich kaum mehr erreichen», sagte er anlässlich der Pressekonferenz in Zürich.

Die Zweifel der Analysten

Dieser Meinung war die Analysten-Gilde seit längerem: Sie hatte sich längst gefragt, wie die UBS unter strengerer Regulierung und höheren Kapitalanforderungen die hochgesteckte Marke würde erreichen wollen. Auf den Punkt bringt es ZKB-Analyst Andras Venditti. «Die UBS muss eingestehen, dass ihre mittelfristigen Ziele nicht erreichbar sind, was nicht überrascht.» Zu realisieren wären die 15 Milliarden nur unter Inkaufnahme grosser Risiken gewesen. Dafür war Grübel offensichtlich nicht bereit: Am Investorentag im vergangenen November sprach er davon, dass die Risiken, um Geld zu verdienen, «verhältnismässig» sein sollten.

Mit dem Untergang von Grübels überambitioniertem Gewinnziel stellt sich die Frage, was die Bank nun anstrebt. Momentan wolle man keine neuen Zahlen nennen, zuerst müssten der Markt und die regulatorischen Erfordernisse analysiert werden, so Grübel. Dann folgte quasi die Rechtfertigung für die irrwitzigen 15 Milliarden, die Grübel im November 2009 verkündet hatte. Dieses Ziel sei unter früheren Annahmen entstanden. Näheres zu neuen Zielen will die UBS am Investorentag im November bekannt geben.

Grübels Plan gescheitert

Mit dem heutigen Tag ist klar, dass Grübels Plan, die UBS wieder dorthin zu bringen, wo sie vor der Krise einmal war, gescheitert ist. Vor Jahresfrist war der Deutsche, zumindest was die Eigenkapitalrendite betraf, noch im Fahrplan gewesen: Sie lag bei 19,5 Prozent, im zweiten Quartal 2011 ist dieses Kennzahl aber auf 12 Prozent gesunken. Den erfolgsverwöhnten Banker, der vor der UBS bereits der Credit Suisse auf die Beine half, dürfte dies schmerzen.

Was Grübel nun bleibt: Die Sparschraube anzuziehen – und dies dürfte vor allem über die Entlassung von Angestellten geschehen. Zwar hat der UBS-Boss nicht wie von vielen Medien erwartet den Stellen-Kahlschlag verkündet, um ihre Jobs bangen müssen die Angestellten aber trotzdem. Die Bank will in den nächsten Jahren 1,5 bis 2 Milliarden Franken sparen, was bei Banken vornehmlich übers Personal geschieht.

Auf die Frage eines Journalisten, wie viele Stellen nun betroffen seien, antwortete Grübel ausweichend. Für Details sei es noch zu früh. Zur Zahl von 5000 Jobs, die zuletzt in den Medien herumgeboten wurde, meinte der UBS-Boss: «Da wissen die Medien wohl mehr als ich» – und bedankte sich für die Beratungsdienste.

Das sagt UBS-Chef Oswald Grübel zu den angekündigten Sparplänen:

Personalverband zeigt sich beunruhigt

Der zu erwartende Stellenabbau bei der UBS soll nicht nur die kleinen Angestellten treffen. Dies fordert der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV), der durch die jüngsten Ankündigungen des Bank-Managements beunruhigt ist. Die geplanten Kostensenkungen von bis zu 2 Mrd. Fr. in den nächsten Jahren müssten auch in der Direktionsstufe und bei den Investmentbankern angesetzt werden. Dort seien die Löhne jüngst überproportional stark gestiegen. Das Personal auf den unteren Stufen habe in den letzten drei Jahren in beträchtlichem Ausmass seinen Teil zu Stellenabbau und Kostenersparnissen beigetragen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.