Robert Edwards: Der Vater der künstlichen Befruchtung ist tot
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Robert EdwardsDer Vater der künstlichen Befruchtung ist tot

Der britische Forscher und Medizin-Nobelpreisträger Robert Edwards ist tot. Er ist im Alter von 87 Jahren einer langen Krankheit erlegen. Edwards hat die In-vitro-Fertilisation entwickelt.

Millionen Paare wären ohne ihn kinderlos geblieben, Millionen Babys nie geboren worden: Der Pionier der künstlichen Befruchtung, Sir Robert Edwards, ist tot. Der britische Mediziner und Nobelpreisträger sei am Mittwochmorgen nach langer und schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen, teilte seine Familie mit.

«Seine Arbeit hatte unermessliche Bedeutung für die ganze Welt», hiess es in der Mitteilung. «Bob Edwards war ein bemerkenswerter Mann, der die Leben so vieler Menschen verändert hat», sagte Martin Johnson von der Universität Cambridge, wo Edwards jahrelang gearbeitet hatte.

Edwards, geboren am 29. September 1925 im englischen Leeds, hatte gemeinsam mit dem britischen Gynäkologen Patrick Steptoe die In-vitro-Fertilisation (IVF) entwickelt. Dabei werden einer Frau nach einer Hormonbehandlung reife Eizellen entnommen, im Labor mit Spermien befruchtet und der Frau wieder eingesetzt.

Die Idee zur IVF hatte der studierte Biologe schon in den Fünfzigerjahren. Zunächst nutzte er in Tierversuchen die Hormone, die auch beim Menschen zur Reifung der Eizellen beitragen, für diesen Zweck. Den Traum, die künstliche Befruchtung auch am Menschen möglich zu machen, mussten er und Steptoe aber gegen viele Widerstände aus Kirche und Medizin durchsetzen.

1969 gelang den beiden die erste Befruchtung einer Eizelle ausserhalb des Körpers. Im Juli 1978 kam das erste «Retortenbaby» Louise Joy Brown zu Welt (s. Infobox). Die Eltern Lesley und John Brown hatten zuvor neun Jahre lang vergeblich versucht, ein Kind zu bekommen. So kam Edwards zu seinem Übernamen «Vater des Retortenbabys».

Erstes Retortenbaby der Schweiz

Steptoe und Edwards gründeten 1980 die Bourn Hall Clinic für künstliche Befruchtungen. Rund jedes zehnte Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen - bis 1978 liess sich dagegen kaum etwas tun. Heute leben Millionen Menschen, die durch künstliche Befruchtung zur Welt kamen.

Das erste Retortenbaby der Schweiz kam am 26. April 1985 in Breitenbach SO zur Welt - ein Mädchen namens Jelena. Seither nahm die Zahl der Geburten mit medizinisch unterstützter Fortpflanzung kontinuierlich zu. 2011 liessen sich 6350 Paare behandeln und es wurden insgesamt 2006 Kinder geboren.

Späte Würdigung

Erst 2010 wurde Edwards Arbeit mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt. Steptoe, dessen Bedeutung Edwards bei der gemeinsamen Arbeit immer wieder betonte, war bereits 1988 gestorben. 2011 wurde Edwards von der britischen Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben.

Seine letzten Lebensjahre waren allerdings durch Krankheit geprägt. Edwards, der selber fünf Töchter hatte, betonte stets das Menschliche an seiner Arbeit. Er soll den Wahlspruch gehabt haben: «Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als ein eigenes Kind.»

«Nur wenige Biologen haben die Welt so positiv beeinflusst und einen solchen praktischen Einfluss auf die Menschheit gehabt», sagte Peter Braude vom King's College London. «Er verlässt die Welt als bessern Ort.» (sda)

Louise Brown - das erste Retortenbaby der Welt

1978 begann ein neues Kapitel in der Medizingeschichte: Mit der Britin Louise Brown wurde am 25. Juli das erste Retortenbaby der Welt geboren.

Damit hatte der britische Arzt und Medizin-Nobelpreisträger Robert Edwards bewiesen, dass künstliche Befruchtung im Reagenzglas nicht nur bei Tieren möglich ist.

Neun Jahre lang hatten Louises Eltern Lesley und John Brown vergeblich versucht, ein Kind auf natürliche Weise zu zeugen. Dann liessen sie sich auf das Experiment ein. Louise selbst hat davon schon im Alter von fünf Jahren erfahren. «Sie haben alles auf Video», sagte sie einmal. Inzwischen ist sie selbst Mutter - auf natürlichem Wege.

«Ich bin heute nichts Besonderes mehr», hat Louise Brown einmal gesagt. «Es wurden so viele Kinder nach mir auf diese Weise gezeugt.» Anders war das in ihrer Kindheit: «Als ich elf, zwölf Jahre alt war, habe ich oft darüber nachgedacht», sagte sie.

Ihre Schulkameraden hatten natürlich mitgekriegt, dass sie öfter in der Zeitung und manchmal sogar im Fernsehen zu sehen war. Wie sie denn in das Reagenzglas gepasst habe, wurde sie von den Kindern dann gefragt.

Heute nervt die junge Frau eher das Medieninteresse an ihr, das regelmässig bei Jubiläen anschwillt. Louise Brown hat schon als Kindergärtnerin, bei der Post und bei einem Schifffahrtsunternehmen in Bristol gearbeitet. (sda)

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