28.02.2015 13:12

Familienförderung«Der Vaterschaftsurlaub ist nur eine Frage der Zeit»

Mit verschiedenen Massnahmen werden Familien in der Schweiz gefördert. Doch es bestehe Nachholbedarf, sagen Experten.

von
D. Pomper
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Werden Männer in der Schweiz Papi, erhalten sie einen Freitag. Mütter haben 14 Wochen frei.

Werden Männer in der Schweiz Papi, erhalten sie einen Freitag. Mütter haben 14 Wochen frei.

Familienexpertein Heidi Stutz aber glaubt: «Es ist eine Frage der Zeit, bis ein Vaterschaftsurlaub oder eine auch den Vätern offen stehende Elternzeit eingeführt wird.» Es brauche immer Zeit, bis sich die Politik neuen Realitäten anpasse.

Familienexpertein Heidi Stutz aber glaubt: «Es ist eine Frage der Zeit, bis ein Vaterschaftsurlaub oder eine auch den Vätern offen stehende Elternzeit eingeführt wird.» Es brauche immer Zeit, bis sich die Politik neuen Realitäten anpasse.

Oliver Bieri, Familienexperte beim privaten Forschungsinstitut Interface, räumt ein, dass es in den letzten zehn Jahren gezielte steuerliche Entlastungen für den Mittelstand gegeben hat, insbesondere was Kinderbezüge betrifft. «Wenn man aber das Familienbudget anschaut, fällt auf, dass die Krankenkassenprämien extrem gestiegen sind, ebenso wie die Wohnungsmieten.»

Oliver Bieri, Familienexperte beim privaten Forschungsinstitut Interface, räumt ein, dass es in den letzten zehn Jahren gezielte steuerliche Entlastungen für den Mittelstand gegeben hat, insbesondere was Kinderbezüge betrifft. «Wenn man aber das Familienbudget anschaut, fällt auf, dass die Krankenkassenprämien extrem gestiegen sind, ebenso wie die Wohnungsmieten.»

Kindergeld, Steuerabzüge für Familien, Kinderkrippen: In der Schweiz wurden in den letzten Jahren diverse Massnahmen getroffen, um Familien zu unterstützen. Allerdings variiert die Unterstützung für Familien je nach Kanton markant.

Nun will die CVP mit ihrer Initiative «Familien stärken! Steuerfreie Kinder- und Ausbildungszulagen» Familien weiter entlasten. Ihre Chancen dafür stehen allerdings nicht gut. In der letzten 20-Minuten-Umfrage sprachen sich nur 39 Prozent der Teilnehmer dafür aus. Bereits im November 2013 scheiterte die SVP mit einer Familieninitiative. Sie wollte damals neue Steuerabzüge für Familien, die ihre Kinder selber betreuen, einführen.

Heidi Stutz ist Expertin für Familienpolitik beim privaten Forschungsinstitut Bass. Sie sagt: «Nur weil in den letzten Jahren verschiedene Massnahmen in der Familienpolitik getroffen wurden, heisst das noch lange nicht, dass wir keine Probleme mehr haben.»

«Zu wenige und zu teure Krippenplätze»

Noch immer gebe es viel zu wenig Betreuungsplätze für Säuglinge und Kleinkinder. Ein weiteres ungelöstes Problem seien die hohen Kosten für die Fremdbetreuung von Kindern im Vorschulalter. So zeigt denn auch eine Studie der HSG-Professorin Monika Bütler, dass es sich für Mütter finanziell nicht lohnt, zu arbeiten. Denn nach Abzug der Betreuungskosten bleibt vom Lohn nichts mehr übrig. Beim zweiten Kind lohnt sich ein Job noch weniger. Während weniger gut verdienende Eltern zumindest von Subventionen profitieren, müssen gerade gut verdienende Paare tief in die Tasche greifen.

«Gerade in Anbetracht des Fachkräftemangels in der Schweiz sollten Mütter nicht derart abgeschreckt werden. Eine Erwerbstätigkeit müsste sich lohnen», sagt Stutz. Auch wirke es auf Fachkräfte aus dem Ausland abschreckend, wenn sie hierzulande für die Kinderbetreuung dreimal so viel zahlen müssten. Stutz schlägt deshalb ein freiwilliges drittes Kindergartenjahr ab drei Jahren vor, wie das im Kanton Tessin bereits angeboten wird. Die Kosten dafür werden automatisch vom Kanton übernommen. Des Weiteren stellt Stutz fest: «Von den Steuerabzügen profitieren vor allem eher wohlhabende Familien. Alleinerziehende, die stark von Armut betroffen sind, haben das Nachsehen.»

Stutz zeigt sich auch zuversichtlich, dass in der Schweiz früher oder später weitere Erleichterungen für die Vereinbarkeit eingeführt werden, so wie das in praktisch allen westeuropäischen Ländern der Fall ist: «Es ist eine Frage der Zeit, bis ein Vaterschaftsurlaub oder eine auch den Vätern offen stehende Elternzeit eingeführt wird», sagt Stutz. Auch die Mutterschaftsversicherung sei schliesslich 2005 eingeführt worden, nachdem sie 30 Jahren lang abgeschmettert wurde. Es brauche immer Zeit, bis sich die Politik neuen Realitäten anpasse.

Hohe Mieten und Krankenkassenprämien

Oliver Bieri, Familienexperte beim privaten Forschungsinstitut Interface, räumt ein, es habe in den letzten zehn Jahren gezielte steuerliche Entlastungen für den Mittelstand gegeben, insbesondere was Kinderbezüge betreffe. «Wenn man aber das Familienbudget anschaut, fällt auf, dass die Krankenkassenprämien extrem gestiegen sind, ebenso wie die Wohnungsmieten.» So böten einzelne Gemeinden attraktive Sozialleistungen für Familien, doch die Wohnungen seien für Familien mit einem grossen Raumbedarf schlicht zu teuer.

Bieri plädiert für Entlastungen in den Bereichen Miet-, Krankenkassen- und Fremdbetreuungskosten.

Meiner Meinung nach braucht es Entlastung in den Bereichen Miet-, Krankenkassen und Fremdbetreuungskosten. «Da kann aber gut auf bereits bestehende Sozialtransfers aufgebaut werden. Damit lässt sich gezielte Familienentlastung für die unteren und mittleren Einkommensbereiche machen.»

Änderungen nur bei wirtschaftlichem Druck

Denkbar wären seines Erachtens auch Betreuungsgutscheine für Familien, wie das zurzeit in Luzern ausprobiert wird: «Anstatt dass Krippen subventioniert werden, erhalten Eltern je nach Einkommen einen Gutschein für Fremdbetreuungsangebote.»

Ob und wie rasch es zu weiteren Massnahmen in der Familienpolitik kommt, hängt laut Bieri vom politischen Handlungsbedarf ab: «In bürgerlichen Kreisen herrscht die Idee vor, dass Familien selber für ihre Kinder schauen sollten, nicht der Staat.» Je grösser aber der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Schweizer Arbeitsmarkt, desto grösser dürften aber die Anstrengungen sein, Massnahmen zu ergreifen, um Mütter in die Arbeitswelt zurückzuholen.

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