Aktualisiert 11.01.2012 12:04

Mini-PlagiatDer Vatikan bedient sich aus Wikipedia

22 Kardinäle auf einmal zu ernennen, ist gar viel. In aller Eile kupferte die Presseabteilung des Heiligen Stuhls deren Biografien aus dem Internet ab - und vergass, die Spuren zu verwischen.

von
kri
Kardinäle am 6. Januar 2012 im Petersdom.

Kardinäle am 6. Januar 2012 im Petersdom.

Soll einer sagen, die katholische Kirche gehe nicht mit der Zeit. 180 000 Manuskripte, 1,6 Millionen Bücher, 85 Regalkilometer Akten umfasst das Vatikanische Geheimarchiv. Doch wenn es sein muss, greift auch der Heilige Stuhl auf das Internet zurück.

Als am 6. Januar 22 neue Kardinäle ernannt wurden, muss die Pressestelle des Vatikans ins Rotieren gekommen sein. Die Biografien der Würdeträger bastelte sie in aller Eile aus den entsprechenden Einträgen der italienischen Wikipedia zusammen - ohne Quellenangabe und mit zahlreichen Ungereimtheiten, wie dem italienischen Blogger Sandro Magister auffiel.

Die Anwärter etwa als «katholisch» zu charakterisieren, mag in einem Eintrag auf Wikipedia sinnvoll sein. In einer Pressemappe des Vatikans mutet dieses selbstverständliche Detail allerdings seltsam an. Willem Jacobus, Erzbischof von Utrecht, werden zudem «sozial-konservative Tendenzen» zugeschrieben, vor allem in «Bereichen wie der Abtreibung und der Homosexualität».

Gegenüber dem britischen «Telegraph» rechtfertigte sich Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, seine Leute hätten schlichtweg zu wenig Zeit gehabt, so schnell alle 22 Biografien selbst zu verfassen. Die Liste der Anwärter sei ihnen nicht rechtzeitig zugestellt worden. Inzwischen habe man aber offizielle Biografien online gestellt.

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