Feinstaub: Der VCS verpackt Bäume
Aktualisiert

FeinstaubDer VCS verpackt Bäume

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) geht im Kampf gegen den Feinstaub in die Offensive: Verpackte Bäume sollen den Grad der Luftverschmutzung anzeigen. Gefordert werden vom VCS so genannte «Umweltzonen».

Weisse Tücher mit der Aufschrift «Ich bin auch eine Lunge» hängte der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) an Bäumen in Bern, Genf, Chiasso und Bellinzona auf. Sie sollen dort bis im Frühling bleiben und danach - vom Feinstaub und anderen Schadstoffen gezeichnet - den Behörden übergeben werden.

Die Luftverschmutzung fordere in der Schweiz jedes Jahr mehr als 3000 Todesopfer, sagte VCS-Sprecherin Noëlle Petitdemange in Bern vor den Medien. Sie sei verantwortlich für Gesundheitsbeschwerden wie Atemweg-Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Störungen.

Der VCS fordert deshalb Umweltzonen in den städtischen Agglomerationen. Fahrzeuge, die die Umwelt stark belasten, sollen hier nur beschränkt fahren dürfen. Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter und DeNOx-Katalysator gegen Stickoxide etwa solle die Durchfahrt verboten werden, fordert die Umweltorganisation.

Gute Erfahrungen gemacht

In Europa gebe es bereits 70 solcher Umweltzonen, sagte Petitdemange. Die Erfahrungen seien positiv. In Berlin seien auf bestimmten Achsen die Tage, an denen die Schadstoff-Grenzwerte überschritten worden seien, um 77 Prozent zurückgegangen. Umweltzonen haben laut VCS zudem zur Folge, dass die Fahrzeuge schneller erneuert werden, um die strengeren Auflagen zu erfüllen.

Umweltminister Moritz Leuenberger hatte im vergangenen Juni erklärt, er wolle die Einführung von Umweltzonen prüfen. In den Kantonen Zürich, Genf und Waadt sowie in der Stadt Bern wird die Umsetzung derzeit geprüft. Dem Tessiner Kantonsparlament wurde im vergangenen Herbst eine Motion mit der Forderung nach emissionsarmen Zonen überreicht.

Inversionslagen kritisch

Nicht nur die Feinstaubbelastung sinke mit Umweltzonen, sagte Petitdemange weiter. Auch der Ausstoss von Stickoxiden, welche ebenfalls ein grosses Gesundheitsrisiko darstellten, werde vermindert.

Hohe Feinstaub- und Stickstoffwerte resultieren insbesondere bei so genannten Inversionswetterlagen, wie sie im Winter häufig sind. Dabei wird die untere Luftschicht von der oberen abgeschirmt, was eine Vermischung der Luftschichten verhindert. Dies wiederum führt dazu, dass am Boden die Schadstoffbelastung steigt.

Im Januar etwa wurde der Feinstaub-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter laut VCS mehrmals überschritten. Auch der Grenzwert für Stickoxid von 80 Mikrogramm pro Kubikmeter sei letzte Woche an mehreren Orten übertroffen worden.

(sda)

Deine Meinung