12.10.2020 19:17

Trinkwasserschützer rausgeworfen«Der Verband unterstützt die Trinkwasserinitiative nicht»

Der Trinkwasserspezialist Roman Wiget hat dem Trinkwasserverband vorgeworfen, sich zu wenig um sauberes Wasser zu kümmern. Jetzt hat ihn der Verband rausgeworfen. Im Interview erklärt Wiget, was passiert ist.

von
Barbara Scherer
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Pestizide belasten das Schweizer Trinkwasser.

Pestizide belasten das Schweizer Trinkwasser.

KEYSTONE
 Trinkwasserspezialist Roman Wiget setzt sich deshalb für die Trinkwasserinitiative ein.

Trinkwasserspezialist Roman Wiget setzt sich deshalb für die Trinkwasserinitiative ein.

PD
Die Initiative fordert, dass Agrarbetriebe, die für das Trinkwasser schädliche Pestizide einsetzen, keine Subventionen erhalten.

Die Initiative fordert, dass Agrarbetriebe, die für das Trinkwasser schädliche Pestizide einsetzen, keine Subventionen erhalten.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Der schweizerische Wasserverband hat den Trinkwasserspezialisten Roman Wiget seines Amtes enthoben.
  • Wiget wirft dem Verband vor, sich zu wenig um sauberes Trinkwasser zu kümmern.
  • Denn seit längerem belasten Pestizide das Grundwasser.
  • Wiget erklärt im Interview, welche Gefahren dadurch bestehen.

Der Schweizerische Verband des Gas- und Wasserfaches (SVGW) hat den Berner Trinkwasserspezialisten Roman Wiget rausgeschmissen. Wiget hat den Verbandsvorstand mehrmals kritisiert. Der Vorwurf: Dieser kümmere sich zu wenig um die Pestizide im Trinkwasser.

Jetzt wirft ihm die Verbandsspitze mangelnden Respekt gegenüber den Verbandsgremien vor, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Gegenüber 20 Minuten wollte der Verband keine Stellung nehmen. Roman Wiget erklärt im Interview, was passiert ist und wieso Pestiziden im Trinkwasser problematisch sind.

Herr Wiget, Sie sind kein Mitglied des schweizerischen Wasserverbands mehr. Was ist passiert?

Wiget: Es gab schon seit längerer Zeit Differenzen mit dem Vorstand. Denn dieser will keine politische Stellung beziehen und darum weder die Trinkwasser- noch die Pestizidverbotsinitiative unterstützen. Dafür habe ich den Verband kritisiert. Das hat schlussendlich dazu geführt, dass ich gehen musste.

Warum setzen Sie sich für die Trinkwasserinitiative ein, was ist das Problem mit dem Trinkwasser?

Pestizide belasten seit Jahren unser Wasser. Aktuell kämpfen wir mit Chlorothalonil-Rückständen: Der Stoff belastet das Trinkwasser im ganzen Schweizer Mittelland. Dabei kennen wir die Langzeitwirkungen für Mensch und Natur nicht. Genauso wenig ist klar, wie die verschiedenen Stoffe im Wasser miteinander reagieren. Trotzdem werden die Pestizide zugelassen ohne anschliessende Überwachung durch die zuständigen Behörden.

Welches sind denn die Gefahren für den Menschen?

Chlorothalonil hat sich bei Tierversuchen mit Mäusen und Hunden als krebserregend herausgestellt. Darum hat die EU-Gesundheitsbehörde den Stoff inzwischen als wahrscheinlich krebserregend für Menschen eingestuft. Danach hat auch die Schweiz den erlaubten Höchstwert von Chlorothalonil-Abbauprodukten im Trinkwasser angepasst und den Einsatz von Chlorothalonil verboten. Aber die Kosten und Probleme bleiben nun den Wasserversorgern und der betroffenen Bevölkerung überlassen.

Wenn Pestizide so gefährlich sind, warum ändert sich dann nichts?

Die Diskussion um ein Verbot ist zu einem Seilziehen auf politischer Ebene geworden. Denn der Einsatz von Pestiziden wird vom Grossteil der Agrarbranche nicht infrage gestellt. Das Argument: Die Konzentration von Chlorothalonil ist auf Obst und Gemüse höher als im Trinkwasser. Allerdings ist der Stoff auch im Wasser höchst problematisch, weil er in gelöster Form vorliegt. Zudem wird Trinkwasser täglich und in grösseren Mengen konsumiert.

Was muss jetzt passieren?

Unser Trinkwasser muss unbedingt wirksamer geschützt werden. Es braucht viel grössere geschützte Zonen für das Grundwasser. Dafür muss die Landwirtschaft in der Nähe von Wasserzuflüssen zu Trinkwasserfassungen auf biologische Mittel umsteigen. Denn Stoffe, die Biobauern verwenden, werden viel schneller abgebaut und sind deshalb für das Trinkwasser kein Problem.

Das ist die Trinkwasserinitiative

Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» fordert, dass die Subventionen an die Landwirtschaft nur für Bewirtschaftungsweisen ausgerichtet werden, welche die Gesundheit und die Umwelt nicht gefährden und das Trinkwasser nicht verschmutzen. Denn der Einsatz von Pestiziden, Antibiotika, Importfutter und Düngemittel in der Landwirtschaft bedrohe die Qualität des Wassers und gefährde die Gesundheit, sagen die Initianten.

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115 Kommentare
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Silvia

13.10.2020, 22:31

Arbeiter musste unkraut auf firmengelände spritzen. 10 liter kanister war ratzfatz leer. Eigentli verdünnung 1 zu 100. Wurde pur eingesetzt. Leider kein witz. Fordere unbedingt auch gesetz/verbote für firmen und privathaushalte.

Sandro

13.10.2020, 22:22

Warum wird die Landwirtschaft immer als sündenbock hingestellt? Privathaushalte dürfen pestizide kaufen und einsetzen, wie es ihnen passt. Landwirten ist es sogar verboten, diese produkte überhaupt auf dem hof zu haben. Nichtsdestotrotz, bitte nicht immer auf andere schiessen, sondern alle müssen einen beitrag leisten. Landwirtschaft, industie und privathaushalte.

DetailWissen

13.10.2020, 20:15

Und was ist mit all den Medikamenten Rückständen, Haushaltsreiniger, Waschmittel....... sehr viele Stoffe können von unseren Kläranlagen nicht verarbeitet werden und gelangen einfach in die Flüsse und damit auch ins Grundwasser. Unser Kläranlagen müssen massiv aufgerüstet werden, die meisten sind auf dem Technik Stand von ca. 1980