Aktualisiert 30.11.2011 22:28

Mario Eggimann

Der vergessene Verteidiger

Bis 2008 war er Captain in Karlsruhe, 2010 fuhr er an die WM, heute ist Mario Eggimann Ersatz in Hannover. Der 30-Jährige denkt an eine Rückkehr in die Schweiz.

von
Eva Tedesco
Unter Trainer Mirko Slomka ist Emanuel Pogatetz bei Hannover 96 erste Wahl in der zentralen Abwehr. Mario Eggimann hat wohl den Stammplatz, aber nicht die gute Laune verloren. (Keystone/AP)

Unter Trainer Mirko Slomka ist Emanuel Pogatetz bei Hannover 96 erste Wahl in der zentralen Abwehr. Mario Eggimann hat wohl den Stammplatz, aber nicht die gute Laune verloren. (Keystone/AP)

Mario Eggimann, in der laufenden Saison kamen Sie in der Bundesliga nur zu drei Kürzest-Einsätzen. Können Sie sich nur fürs Training noch motivieren?

Mario Eggimann: Es war nicht einfach, die Rolle der Nummer 3 in der Innenverteidigung zu übernehmen, zumal ich es gewohnt war, immer zu spielen. Klar will ich wieder regelmässig spielen, aber ich versuche mich bei der Stange zu halten und motiviert zu bleiben. Ich gehe gerne ins Training und arbeite weiter hart, damit ich immer bereit bin, wenn ich zum Einsatz komme.

Denken Sie an einen Wechsel?

Ich bemühe eine Floskel: Es kann im Fussball schnell gehen. Fakt ist, dass mein Vertrag bis 2013 läuft. Aber ich kann mir, wenn alles stimmt – und da spreche ich nicht nur vom finanziellen – einen Wechsel vorstellen.

Sie werden in wenigen Monaten zum zweiten Mal Vater. Denken Sie an die Rückkehr in die Schweiz?

Natürlich kann ich mir auch einen Wechsel in die Super League vorstellen, aber ich muss das Gefühl haben, dass es für mich und meine Familie passt. Bisher wurde ich nicht mit dem Thema konfrontiert.

Wäre es für Sie einfacher, würden Sie zu den Spielern gehören, die sich mit dem Boulevard gut verstehen, um selbst immer gut dazustehen?

Darüber habe ich so noch nie nachgedacht. Natürlich habe ich den Gegenwind gespürt, aber ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe. Ich bin seit 2002 in der Bundesliga und die Hälfte dieser Zeit in der höchsten Spielklasse. Ich habe über 300 Profispiele absolviert. Ich kann für mich sagen, dass ich es geschafft habe. Mein Weg war vielleicht steiniger, als manch anderer und ging vielleicht nie ganz steil nach oben. Ich spiele mit Herz Fussball und kann sagen, dass ich ehrliche Arbeit ablieferte.

Sie waren unter Trainer Slomka in der letzten Rückrunde noch Stammspieler. Welche Gründe nennt er Ihnen gegenüber, dass Sie nicht spielen?

Fussball ist ein Tagesgeschäft. Der Trainer ist mir keine Rechenschaft schuldig. Für Sentimentalitäten bleibt kein Platz. Für mich zählt, dass er immer fair und ehrlich ist – und das ist er. Mir ist das so lieber, als wenn er mir von Wochenende zu Wochenende etwas erzählen würde, warum ich nicht spiele und es wäre nie die Wahrheit. Die beiden Innenverteidiger machen derzeit ihre Sache gut – that's it. Aber deshalb zweifle ich nicht an mir. Slomka ist ein sehr guter Trainer. Einer der besten, die ich hatte. Er arbeitet akribisch, ist modern in seiner Einstellung und immer auf dem Laufenden, was so im Fussball geht. Er ist kein grosser Redner, aber er stellt uns immer top auf die Gegner ein. Und das ist, was schliesslich zählt.

In der Hierarchie abgerutscht

Mario Eggimann (30) ist bei Hannover auf der Position der Innenverteidiger nur die Nummer 3. Hinter den gesetzten Karim Haggui und Emanuel Pogatetz sitzt er in seiner 4. Saison bei Hannover 96 deshalb fast nur noch auf der Bank. Hatte der Aargauer in der Rückrunde unter Mirko Slomka noch einen Stammplatz, kommt er in der aktuellen Saison auf lediglich drei Teileinsätze und insgesamt 16 Spielminuten. Keine einfache Situation für den Abwehrspieler, der im Sommer 2008 für 1,5 Millionen Euro und ausgestattet mit einem Vertrag bis 2013 von Karlsruhe nach Hannover ging. Bei den Niedersachsen ist der ehemalige KSC-Captain lediglich 37-mal in der Startelf gestanden und wurde in seinen 55 Bundesligaspielen für die Roten 18-mal eingewechselt. Insgesamt kommt der ehemalige FCA-Spieler auf 91 Bundesligaspiele (6 Tore).

Fehler gefunden?Jetzt melden.