Aktualisiert 09.03.2020 06:31

Brand auf Lesbos«Der Verlust der Schulräume wiegt schwer»

Am Samstag brannte auf Lesbos das Gemeinschaftszentrum eines Schweizer Flüchtlingshilfswerks. Die Helfer stehen unter Schock.

von
N. Knüsel

In einem Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge brach am Samstagabend ein Feuer aus. (Video: Tamedia)

Seit Tagen ist die Stimmung auf der griechischen Insel Lesbos angespannt. Auch Flüchtlingshelfer bekommen das zu spüren: Nach Angriffen auf sie stellten mehrere Organisationen ihre Arbeit auf der Insel ein.

Am Samstagabend brannte dann ein Teil Gemeinschaftszentrum der Schweizer NGO «One Happy Family» nieder. «Ich war geschockt, als ich es erfahren habe. Natürlich kommen einem sofort die Angriffe der letzten Tage in den Sinn», sagt Nicolas Perrenoud, der für die Organisation arbeitet und seit zwei Jahren auf Lesbos lebt. Zur Brandursache könne man aber noch nichts sagen, der Auslöser könne auch etwa ein technischer Defekt gewesen sein.

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So sah das Gemeinschaftszentrum am Sonntag aus.

So sah das Gemeinschaftszentrum am Sonntag aus.

One Happy Family
Nicolas Perrenoud war «geschockt», wie er sagt.

Nicolas Perrenoud war «geschockt», wie er sagt.

One Happy Family
Einige Teile, wie etwa die Schulräume, seien komplett zerstört, erzählt er.

Einige Teile, wie etwa die Schulräume, seien komplett zerstört, erzählt er.

One Happy Family

Schaden schwer abzuschätzen

Weil das Zentrum seit zwei Wochen geschlossen war, hätten sich keine Personen darin befunden, so Perrenoud: «Die materiellen Schäden sind im Moment noch schwer abzuschätzen.» Einige Teile seien aber ganz zerstört, etwa die Schule: «Das ist ein schwerer Verlust.»

Jahrelange Freiwilligenarbeit, die in den Aufbau des Zentrums geflossen sei, sei nun verloren: «Das wiegt schwerer als der reine Sachschaden.» Vor der Schliessung und dem Brand seien täglich Hunderte Flüchtende aus den umliegenden Lagern ins Gemeinschaftszentrum gekommen, so der 35-Jährige: «Es war einer der wenigen Orte, wo sie sich sicher und menschlich behandelt gefühlt haben.»

Stimmung gedrückt

Die Stimmung auf Lesbos sei sehr angespannt, aber in den letzten Tagen sei es einigermassen friedlich gewesen, erzählt Perrenoud. Doch die Leute seien verunsichert: «Es gab Solidaritätskundgebungen, gleichzeitig hörte man von der Ankunft rechter Gruppierungen und von Angriffen auf Helferinnen und Flüchtende. Das verängstigt viele.»

Auch im Team von «One Happy Family» sei die Stimmung gedrückt, aber man wolle vorwärts schauen, so Perrenoud: «Wir warten den Bericht der Polizei ab, und entscheiden dann, wie es weitergeht.» Sie würden das Zentrum gerne wieder eröffnen: «Doch das hängt auch davon ab, ob die Behörden die Sicherheit für alle Personen auf der Insel gewährleisten können.»

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