Clusterbomben: Der verstreute Tod
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ClusterbombenDer verstreute Tod

Muammar al Gaddafis Truppen haben in Misrata Streubomben eingesetzt. Die «Minikiller» sind ebenso beliebt wie heimtückisch. Immer mehr Staaten verbieten ihren Einsatz.

von
pbl

Vertreter westlicher Geheimdienste haben am Wochenende den Einsatz von Streubomben durch Gaddafi-Truppen bestätigt. Die libysche Regierung bezeichnete die Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch als «abwegig». Doch auch die libyschen Rebellen meldeten den Einsatz der Munition. US-Aussenministerin Hillary Clinton sagte der «New York Times»: «Bei Oberst Gaddafi und seinen Leuten wundert mich nichts mehr.»

Die Streu- oder Clusterbomben bestehen aus Behältern, in denen sich viele kleinere Sprengkörper befinden. Sie werden in Form von Fliegerbomben, Artilleriegeschossen oder als Gefechtsköpfe von Marschflugkörpern eingesetzt. In einer bestimmten Höhe öffnet sich der Behälter und gibt seine todbringende Last frei. Die durch die Streubomben freigesetzten Sprengkörper haben die Grösse einer Getränkedose.

Mindestens 440 Millionen Bomben

Beim Einsatz von Streumunition haben die USA selbst keineswegs eine saubere Weste. Nach Angaben der Organisation Handicap International wurden seit 1965 weltweit mindestens 440 Millionen Streubomben von verschiedenen Streitkräften abgeworfen, davon allein 383 Millionen in Laos, Vietnam und Kambodscha. Zuletzt hatte Israel im Libanonkrieg 2006 massiv Streubomben eingesetzt.

Nach Darstellung von Handicap International kamen Streubomben bisher in mehr als 30 Staaten zum Einsatz. Über 100 000 Menschen seien durch diese Waffen ums Leben gekommen. Die US-Streitkräfte hatten während des Vietnamkrieges über dem Ho Chi Minh-Pfad 260 Millionen Streubomben abgeworfen. Ihre besondere Heimtücke liegt darin, dass bis zu 30 Prozent der Bomben nicht explodieren, sondern als Blindgänger liegen bleiben. Ähnlich wie Landminen gefährden sie dadurch noch jahrelang die Zivilbevölkerung.

Verbot setzt sich nur langsam durch

Am 1. August vergangenen Jahres war die internationale Konvention der Vereinten Nationen gegen die Streubomben in Kraft getreten. Sie verbietet Herstellung, Lagerung, Handel und Einsatz der gefährlichen Munition. Gut 50 Staaten haben sich zum Verzicht auf Streubomben verpflichtet. Die mutmasslich grössten Hersteller – Russland, China und die USA – aber auch andere Länder wollten bis jetzt jedoch nicht darauf verzichten.

Die Schweiz hat die UNO-Konvention unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. Bürgerliche Parteien stehen dem Verbot skeptisch bis ablehnend gegenüber, da damit die Schlagkraft der Artillerie geschwächt werde.

Ein Beitrag von Arte über Streubomben. (pbl/sda)

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