Amok-Alarm bei ZHdK: Der Verwähler kostet mehrere 10'000 Franken
Aktualisiert

Amok-Alarm bei ZHdKDer Verwähler kostet mehrere 10'000 Franken

100 Polizisten und 5000 Personen, die stundenlang in den Schulzimmern ausharren mussten: Sehen Sie im Video, was ein einziger Anruf alles auslösen kann.

von
som

Ein Grossaufgebot der Polizei sperrte am Donnerstag die Umgebung rund um das Toni-Areal ab. (Video: Lorenz von Meiss)

Donnerstag gegen 12 Uhr: Tausende von Studenten und Mitarbeiter der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) strömen aus dem Gebäude. Viele fallen sich vor Erleichterung in die Arme. Anne Hinrichsen zündet sich erst mal eine Zigarette an. «Ich merke erst jetzt, wie angespannt ich war», sagt die 32-jährige Pianistin, die auf dem Toni-Areal als Klavierbegleiterin arbeitet. Als am Morgen gegen 9 Uhr die ersten Warnungen per Lautsprecher durchgegeben wurden, hat sie sich nicht viel dabei gedacht: «Niemand hat das ernst genommen, da es in den letzten Wochen schon zwei Fehlalarme gab.»

Doch diesmal gab es nicht nach wenigen Minuten Entwarnung: Stattdessen wurden sie angewiesen, sich in den Räumen einzuschliessen und die Türen mit Tischen abzuriegeln. «Bleiben Sie auf dem Boden liegen und lassen Sie die Rollläden runter», hiess es unter anderem. «Da wurde es mir mulmig», so Hinrichsen, die drei Stunden alleine in einem Raum ausharren musste: «Zum Glück konnte ich mit meinen Kollegen übers Telefon kommunizieren.»

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Was sie nicht wusste: Ein anonymer Anrufer hatte der Hochschule mit einem Amoklauf gedroht. Vermeintlich. Später stellte sich heraus, dass wohl eine Notfall-Nummer versehentlich gewählt wurde. Schwer bewaffnete Polizisten riegelten deshalb das ganze Gelände ab – 100 Einsatzkräfte, mehrere Ambulanzen und ein Care-Team mussten aufgeboten werden – erst gegen Mittag war klar, dass keine Gefahr bestand, wie Stadtpolizei-Medienchef Marco Cortesi zu den vielen Journalisten sagte: «Der ganze Einsatz kostete mehrere 10'000 Franken.»

Ballettstudent Michele Esposito ist einfach froh, dass der «Horrormorgen» vorbei ist: «Wir lagen auf dem Boden des Ballettsaals.» Die Wartezeit habe man sich vertrieben, indem man sich gegenseitig aufgemuntert habe. Auf Nadeln war währenddessen Marlo Limacher, der vor dem Gebäude wartete. «Viele meiner Kollegen waren da drin», so der 22-Jährige, der audiovisuelle Medien studiert. Nach einem Telefonat mit ihnen war er zwar erleichtert, dass es ihnen gutging. Machtlos habe er sich dennoch gefühlt, so Limacher: «Eigentlich dachte ich immer, in der Schweiz ist man sicher.» Als aber immer mehr Polizeiautos vorfuhren, habe er nicht mehr ein so gutes Gefühl gehabt.

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