Comeback der Schallplatte: «Der Vinyl-Markt wird noch massiv zunehmen»
Aktualisiert

Comeback der Schallplatte«Der Vinyl-Markt wird noch massiv zunehmen»

Schallplatten liegen wieder im Trend. Vinyl-Experte Florian Kaufmann erzählt im Interview, warum die schwarzen Scheiben nach wie vor faszinieren.

von
swe
1 / 11
Florian Kaufmann hat viel zum Überleben der Vinylproduktion beigetragen. Er hat wertvolles Know-how bewahrt, das für das Schneiden von Platten zwingend nötig ist. In der Branche ist der Solothurner in diesem Bereich weltbekannt.

Florian Kaufmann hat viel zum Überleben der Vinylproduktion beigetragen. Er hat wertvolles Know-how bewahrt, das für das Schneiden von Platten zwingend nötig ist. In der Branche ist der Solothurner in diesem Bereich weltbekannt.

Florian Kaufmann
Wer sich Platten anhören will, braucht nicht viel: Lautsprecher, einen geeigneten Verstärker und ein Abspielgerät. Schon für 200 Franken bekommt man einen guten gebrauchten Plattenspieler. Für etwa 350 Franken gibt es ein neues Gerät mit einer guten Nadel.

Wer sich Platten anhören will, braucht nicht viel: Lautsprecher, einen geeigneten Verstärker und ein Abspielgerät. Schon für 200 Franken bekommt man einen guten gebrauchten Plattenspieler. Für etwa 350 Franken gibt es ein neues Gerät mit einer guten Nadel.

Flickr/HansDinkelberg/CC2.0
Dieses Jahr kam die Neuauflage des legendären DJ-Plattenspielers aus der 1200er-Serie von Technics auf den Markt. Zu einem Preis von fast 4000 Franken kann ein aktualisiertes Stück Musikgeschichte erworben werden. Auch gebrauchte Originalmodelle werden inzwischen sehr teuer gehandelt.

Dieses Jahr kam die Neuauflage des legendären DJ-Plattenspielers aus der 1200er-Serie von Technics auf den Markt. Zu einem Preis von fast 4000 Franken kann ein aktualisiertes Stück Musikgeschichte erworben werden. Auch gebrauchte Originalmodelle werden inzwischen sehr teuer gehandelt.

Panasonic

Der Tontechniker Florian Kaufmann ist in der Vinylbranche weltweit bekannt. Er erlernte sein Handwerk, als es mit Platten langsam abwärtsging. Als einer von wenigen kann er die alten Plattenschneidemaschinen noch reparieren. Im Interview erzählt der Solothurner, warum das Medium wieder Aufwind hat.

Herr Kaufmann, in England wurde erstmals mehr Geld für Platten ausgegeben als für Downloads. Überrascht Sie das?

Das hätte wohl niemand gedacht, dass die Verkäufe so zunehmen. Es ist eine schöne Rückkehr der Platte. Bald ist Weihnachten und im Gegensatz zu Downloads kann man eine Platte gut verschenken. Daher kann ich die Entwicklung gut nachvollziehen.

Seit wann beobachten Sie diesen Trend?

Schon seit acht oder neun Jahren geht die Nachfrage kontinuierlich nach oben und das Maximum ist meiner Ansicht nach noch nicht erreicht. Es werden nach wie vor weniger Platten produziert, als eigentlich verkauft werden könnten. Meiner Ansicht nach wird der Vinyl-Markt noch massiv zunehmen. Gleichzeitig wird der Markt mit Downloads wohl immer kleiner, weil mehr Leute ihre Musik streamen.

Ist auch das Erlebnis rund um das Musikhören wichtig?

Ich vergleiche es jeweils mit Uhren. Seit den 1970er-Jahren gibt es digitale Modelle und eigentlich keinen Grund mehr, eine mechanische Uhr zu besitzen. Dennoch werden viele gute und teure Uhren verkauft. Die Menschen haben Freude am haptischen Erlebnis und wollen etwas Materielles haben. Durch die schnelle Entwicklung im digitalen Bereich ist der Konsument wohl etwas verunsichert. Bei Platten weiss man einfach, dass man sich diese auch in 50 Jahren noch anhören kann.

Was fasziniert Sie selber an Vinyl?

Für mich ist die Suche nach Musik ganz wichtig. Man geht in einen Plattenladen und wühlt in Kisten. Das hat viel mit einer Entdeckung zu tun und manchmal stösst man auf Schätze. Das Gesamtkonzept stimmt bei Vinyl einfach. Ein Download kann das nicht ersetzen.

Sie bereiten alte Maschinen wieder auf, mit denen man Platten schneiden kann. Steig auch bei Ihnen die Nachfrage?

Ja, das ist aber schon eine längere Entwicklung. Ich kann die Nachfrage derzeit gar nicht befriedigen, da sie so zugenommen hat. Die Leute wollen Vinyl machen. Ich könnte jede Woche eine Maschine verkaufen, wenn ich denn eine hätte.

Was braucht man, um sich zu Hause Vinyl anhören zu können?

Einen Plattenspieler, einen Verstärker und gute Lautsprecher. Das Wichtigste ist sicher eine gute Nadel, denn seine Plattensammlung will man nicht beim Abspielen kaputtmachen. Brauchbare Geräte sind gar nicht so teuer, schon für 200 Franken bekommt man einen guten gebrauchten Plattenspieler. Für etwa 350 Franken gibt es ein neues Gerät mit einer guten Nadel.

Worauf muss man beim Kauf achten?

Gut sind beispielsweise Direct-drive-Geräte aus den 70er- und 80er-Jahren, unter anderem von Technics. Der 1200/10 MK2 ist vor allem bei DJs beliebt und war einer der besten. Es gibt aber ähnliche Modelle, die man ganz günstig bekommt. Wichtig ist, dass man die Nadel wechseln kann. Der Tonarm sollte eingestellt werden können und auch auf einen guten Antrieb sollte man achten.

Wird Vinyl irgendwann verschwinden?

Ich denke, die grosse Krise ist vorbei. Vor zehn bis 15 Jahren stand es viel schlechter um die Platten. Damals mussten Produktionsstätten zumachen und viel Know-how ging verloren. Ich denke, die nächsten 30 bis 40 Jahre wird es sicher noch einen Markt geben für Vinyl. Nicht für die breite Masse, aber es wird immer Leute geben, die es toll finden.

Platten überholen Downloads

Noch vor zehn Jahren war die Schallplatte so gut wie tot. Danach zogen die Verkäufe wieder an und verzeichnen bis heute ein stetiges Wachstum. Viele DJs und Fans blieben über die ganze Zeit mit dabei. Andere entdeckten das Medium jetzt wieder für sich. Die britische Musikindustrie erwirtschaftete in den letzten Wochen sogar zum ersten Mal einen höheren Umsatz mit Schallplatten als mit digitalen Downloads, wie die BBC vermeldete.

Auch in der Schweiz wächst der Vinylmarkt. Gemäss der Ifpi Schweiz, dem Branchenverband der Schweizer Musiklabels, haben sich die Plattenverkäufe von 2013 bis 2015 verdreifacht. Konkret stiegen die Verkäufe in den drei Jahren von 50'000 auf 150'000 Exemplare an. Das sind allerdings nur die LPs, die in der Schweiz verkauft wurden. Bestellungen im Ausland wurden nicht mitgerechnet.

Deine Meinung