Aktualisiert 17.06.2019 19:21

Obergösgen SO«Der Vogelschreck treibt uns in den Wahnsinn»

Mit einer lauten Alarmanlage vertreibt ein Bauer in Obergösgen SO Krähen vom Feld. Das Problem: Auch die Nachbarschaft leidet darunter.

von
cho

Mit diesem Alarm vertreibt ein Bauern in Obergösgen Krähen auf seinem Feld – zum Leid der Nachbarschaft. (Video: Leser-Reporter)

Morgens um 6 Uhr beginnt in an der Schachenstrasse in Obergösgen der «Ohren-Terror», wie Anwohner gegenüber 20 Minuten sagen. Gemeint ist ein sehr lauter Vogelschreck, mit dem ein Bauer seinen ausgesäten Mais vor Krähen schützt. «Ich leide sehr unter der Anlage – früh ins Bett gehen, liegt derzeit nicht drin», sagt Anwohner Angelo Forst. Alle 60 Sekunden würde die Alarmanlage, die neben einer Vogelscheuche steht, losheulen und für rund 15 Sekunden ertönen. «Das geht dann den ganzen Tag so, bis nach 22 Uhr. Es treibt uns alle in den Wahnsinn.»

Auch Anwohner W.* gibt an, unter der Anlage zu leiden: «Auf den Balkon können wir derzeit nicht.» Seine Partnerin sitze im Rollstuhl und könne das Haus – und damit den Lärm – nicht ohne weiteres verlassen. Seit 20 Jahren wohne er hier, «aber so etwas habe ich hier noch nie gehört».

Eigenmächtig gehandelt

Seit zwei Wochen läuft die Anlage. Die Anwohner hätten schon lange genug: «Wir haben die Polizei informiert, die hat Ermittlungen aufgenommen.» Geschehen sei jedoch noch nichts: «Es tönt auf jeden Fall noch immer draussen.» Einigen Bewohnern sei bereits der Geduldsfaden gerissen: «Sie haben die Anlage einfach ausgeschaltet. Jetzt hat der Bauer eine Videokamera installiert – zumindest behauptet er das.»

Die Kantonspolizei Solothurn ist über die Anlage informiert, diese würde jedoch in den Zuständigkeitsbereich des Amts für Umwelt Kanton Solothurn fallen. Dieses gibt den Ball an die Gemeinde Obergösgen weiter. «Grundsätzlich gibt es wegen solchen Anlagen sehr selten Reklamationen von Anwohnern», teilt ein Sprecher mit.

Bald fertig

Gemeindepräsident Peter Frei, der den Vogelschreck zu Hause auch hört, hat sich mit der Anlage auseinandergesetzt: «Wir haben rund zehn Reklamationen erhalten. Die meisten in den letzten Tagen.» Rechtlich sei jedoch alles in Ordnung: «Die zuständige Landwirtin hat sämtliche Vorgaben ordnungsgemäss eingehalten.» Zudem sei schon bald Schluss mit dem Lärm: «Der Mais hat in rund drei Tagen die nötige Grösse erreicht, damit ihm die Krähen nicht mehr schaden können.»

*Name der Redaktion bekannt

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