Ukraine-Krieg: Der Wagner-Söldner hinter dem blutigen Kampf um Soledar

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Ukraine-KriegDer Wagner-Anführer hinter dem blutigen Kampf um Soledar

Der Mann hinter der Einnahme der ukrainischen Stadt Soledar heisst Anton Olegowitsch Elizarow. Als Söldner war er bereits für mehrere heikle Missionen zuständig.

von
Karin Leuthold
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Mitte Januar 2023 wurde auf Telegram die Identität des Mannes enthüllt, der hinter dem blutigen Kampf um die Kleinstadt Soledar in der Ukraine steckt: Anton Olegowitsch Elizarow.

Mitte Januar 2023 wurde auf Telegram die Identität des Mannes enthüllt, der hinter dem blutigen Kampf um die Kleinstadt Soledar in der Ukraine steckt: Anton Olegowitsch Elizarow.

Telegram
Elizarow geniesst das Vertrauen von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin (rechts).

Elizarow geniesst das Vertrauen von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin (rechts).

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Das russische Verteidigungsministerium verkündete am 12. Januar die «Befreiung» von Soledar. Anschliessend lobte es in einer Erklärung die «mutigen» Wagner-Kräfte.

Das russische Verteidigungsministerium verkündete am 12. Januar die «Befreiung» von Soledar. Anschliessend lobte es in einer Erklärung die «mutigen» Wagner-Kräfte.

AFP

Darum gehts

  • In einem Telegram-Video wurde der Anführer der Wagner-Truppe in Soledar identifiziert.

  • Anton Olegowitsch Elizarow ist 41 Jahre alt und kämpft schon lange als Söldner.

  • Der Wagner-Kommandant geniesst das Vertrauen von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin.

Russland hat nach eigenen Angaben Soledar eingenommen, die Ukraine widerspricht dem: Die Kämpfe um die ukrainische Kleinstadt im Norden des Gebiets Donezk würden demnach weiter andauern und unzählige Opfer sowohl in den Reihen der ukrainischen Armee als auch in denen der russischen Wagner-Söldner fordern. 

Nun wurde in einem auf Telegram geposteten Video die Identität des Mannes enthüllt, der hinter den blutigen Angriffen steht: Anton Olegowitsch Elizarow, ein bereits wegen Betrugs verurteilter Ex-Angehöriger der russischen Spezialeinheiten.

Codename «Lotus»

Nach Medienangaben wurde der 41-jährige Elizarow unter anderem in einer Militärbasis des russischen Geheimdienstes (GRU) in der Region Krasnodar ausgebildet. Im Jahr 2014 wurde er des Betrugs mit einer Dienstwohnung beschuldigt, zwei Jahre später schloss sich Elizarow der Wagner-Söldnertruppe an. Er erhielt die Dienstnummer M-ß136 und den Codenamen «Lotus».

Im 2017 wurde der Söldner nach Syrien geschickt. Dort soll er angeblich verwundet worden sein. Ein Jahr später kam Elizarow in die Zentralafrikanische Republik. In Bangui, nahe an der Grenze zur Republik Kongo, war der Söldner offiziell als Ausbilder tätig. In Wahrheit sollte er jedoch Kontakt mit den bewaffneten Gruppen im Land aufnehmen. 

Elizarow und Wagner-Chef Prigoschin sind sich sehr nahe

Im Namen der Regierung von Faustin-Archange Touadéra versuchte die Wagner-Truppe, die Rebellen dazu zu bringen, Friedensabkommen zu unterzeichnen. Während seines Einsatzes im afrikanischen Kontinent machten die Anführer der Wagner-Truppen in Bangui Anton Elizarow zu ihrer rechten Hand.

Im 2021 war er in Libyen im Einsatz, wo er ein Sturmkommando befehligt haben soll. Heute steht Elizarow Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin sehr nahe, wie «La Stampa» schreibt. Vor wenigen Tagen lobte Prigoschin den Kämpfer, ohne ihn namentlich zu nennen. Der Mann an seiner Seite habe Soledar «ohne den Rotz hochzuziehen in einem Zeitraum von 14 Tagen» eingenommen.

Eine Truppe mit 50’000 Mann

Nach Einschätzung britischer Militärexperten befehligt die Söldnertruppe Wagner bis zu 50'000 Kämpfer in der Ukraine. Laut eines Geheimdienst-Berichts des Verteidigungsministeriums sind die Söldner inzwischen zu einer «Schlüsselkomponente» in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine geworden.

Ende Dezember sei die bislang undurchsichtig vorgehende Organisation in Russland auch offiziell als Körperschaft registriert worden, allerdings lediglich als Management-Beratung. Es sei nicht klar, inwiefern diese zur Verwaltung der paramilitärischen Aktivitäten verwendet werde. Private Sicherheits- und Militärunternehmen seien in Russland bislang eigentlich illegal.

Finanziert habe Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin die Truppe wohl teilweise aus staatlichen Geldern, die über aufgeblähte Regierungsaufträge an seine anderen Unternehmen reinkamen. «Die Registrierung ist wahrscheinlich darauf gerichtet, Prigoschins kommerziellen Gewinn zu maximieren und die zunehmend imageträchtige Organisation weiter zu legitimieren», so der britische Bericht weiter.

Wagner ist neu transnationale kriminelle Organisation

Die USA hat am Freitagabend bekanntgegeben, die russische Söldnergruppe Wagner als «transnationale kriminelle Organisation» einzustufen. Das kündigte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weissen Hauses, John Kirby, an. Die Massnahme ermögliche zusätzliche Sanktionen gegen die unter anderem im Ukraine-Krieg aktive Söldnergruppe.

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