Aktualisiert 01.02.2011 14:35

TransferfensterDer Wahnsinn ist zurück in England

Das Geld wird in England wieder mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen: Die Premier League gibt in einem Monat 350 Millionen Franken für neue Spieler aus – Rekord.

von
Reto Fehr

Chelsea bezahlt 78 Millionen Franken für Fernando Torres und 33,5 Millionen für David Luiz, Liverpool blättert 54,5 Millionen für Andy Carroll und deren 35 für Luis Suarez hin, Manchester City überweist 49 Millionen an Wolfsburg und Aston Villa bezahlt für Darren Bent 28,5 Millionen. Kurz: Der Wahnsinn ist zurück in der Premier League. Neben diesen rund 280 Millionen Franken können die weiteren 70 Millionen für «kleine» Transfers in England getrost als Trinkgeldzahlungen abgehandelt werden.

Insgesamt gaben die 20 Klubs der Premier League 150 Millionen Franken mehr aus, als dass sie einnahmen. Das wurde bisher im Wintertransferfenster einzig im Januar 2008 ebenfalls erreicht. Vorbei die Vernunftsphase mit Wintertransferausgaben von 60 (2009) oder 15 Millionen (2010). Es wird wieder geklotzt. 350 Millionen Franken an Ausgaben, 205 Millionen Einnahmen – beide Zahlen sind neue Höchstmarken. Genauso wie zuvor noch nie 54,5 Millionen für einen englischen Spieler bezahlt wurden (Carroll) oder wie die 78 Millionen für einen Wechsel innerhalb der Insel (Torres).

Chelsea im Blick der Uefa

Am tiefsten in die Schatztruhe hat Chelsea gegriffen. 100 Millionen mehr haben die Londoner ausgegeben, als dass sie einnahmen. Das ruft auch gleich die Uefa auf den Plan, wie der «Guardian» berichtet. Denn die neuen «Fair-Play-Regeln» verlangen von den Klubs, dass sie in den nächsten drei Jahren total höchstens 60 Millionen Franken Verlust machen. Ein schwieriges Unternehmen, wenn man schon in der ersten Saison fast das doppelte bei Transfers verliert.

Der Konkurs von Portsmouth scheint auf der Insel bereits vergessen. Das goutieren die Fans aber keinesfalls. 86 Prozent einer Umfrage des «Guardian» finden, dass die Klubs die Kontrolle über ihre Ausgaben verloren haben.

Deutschland und Frankreich im Plus

In den anderen grossen Ligen wird haushälterischer mit dem Geld umgegangen. Spaniens Klubs investierten 53,5 Millionen Franken und nahmen 37 ein (-16,5), Italien gab 160 Millionen aus und nahm 110 ein (-50), Deutschland weist eine Bilanz von +24,5 Millionen aus (100 Einnahmen, 75,5 Ausgaben) und Frankreich schliesst mit einem Plus von 22 Millionen Franken (39 Einnahmen, 17 Ausgaben). Dabei fällt auf, dass in Spanien nicht die grossen Klubs wie Real Madrid oder Barcelona viel Geld umsetzten. Die Königlichen leisteten sich einzig Emmanuel Adebayor für 5,3 Millionen und die Katalanen gaben sich mit Ibrahim Afellay für 4 Millionen zufrieden. Eingekauft hat dagegen Atlético Madrid (Elias und Juanfran für total 15 Millionen) sowie Malaga mit Demichelis, Julio Baptista, Camacho oder Buonanotte für total 15,5 Millionen). Beim Kleinklub aus dem Süden zahlt sich dies allerdings zumindest kurzfristig nicht aus: In den letzten drei Spielen setzte es drei Pleiten ab – die Rote Laterne hängt neu bei den Grossinvestoren aus Malaga.

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