Die Musik machts: Der wahre Grund, weshalb wir Angst vor Haien haben
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Die Musik machtsDer wahre Grund, weshalb wir Angst vor Haien haben

Haiattacken sorgen weltweit stets für Schlagzeilen. Dass so viele Menschen Angst vor den Raubtieren haben, hat aber einen ganz anderen Grund.

von
jcg
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Szenen mit Haien werden nicht nur in Kinofilmen meist mit dramatischer Musik unterlegt. Auch in Naturdokus kommt das Stilmittel zum Einsatz. (Im Bild: ein junger Sandtigerhai)

Szenen mit Haien werden nicht nur in Kinofilmen meist mit dramatischer Musik unterlegt. Auch in Naturdokus kommt das Stilmittel zum Einsatz. (Im Bild: ein junger Sandtigerhai)

epa/Nic Bothma
Diese Praxis beeinflusst die Wahrnehmung der Zuschauer von Haien negativ, wie eine kalifornische Studie gezeigt hat. (Bild: ein Weisser Haie)

Diese Praxis beeinflusst die Wahrnehmung der Zuschauer von Haien negativ, wie eine kalifornische Studie gezeigt hat. (Bild: ein Weisser Haie)

Andrew Brandy Casagrande
Der Hauptautor der Studie fordert nun Filmemacher auf, künftig darauf zu verzichten, da ein schlechtes Bild von Haien in den Köpfen der Menschen die Finanzierung von Schutzprojekten erschwert. (Im Bild: ein junger Glatthai)

Der Hauptautor der Studie fordert nun Filmemacher auf, künftig darauf zu verzichten, da ein schlechtes Bild von Haien in den Köpfen der Menschen die Finanzierung von Schutzprojekten erschwert. (Im Bild: ein junger Glatthai)

Jens Kalaene

Sie gehört zu den bekanntesten Tonfolgen der Kinogeschichte: Die Melodie, die im Film «Der weisse Hai» ertönt, wenn die Kreatur sich ihrem Opfer nähert. Es ist dieser geniale Effekt, der dazu beitrug, dass Steven Spielbergs Film auch 40 Jahre nach seiner Premiere als Klassiker des Genres gilt.

Den Haien hat er allerdings keinen Gefallen getan. Seit «Der Weisse Hai» in die Kinos kam, hat es sich in Naturdokumentationen eingebürgert, Aufnahmen von Haien stets mit dramatischer Musik zu untermalen. Eine neue Studie aus Kalifornien zeigt nun, dass die Verwendung solcher Musik viel dazu beiträgt, dass Menschen Panik vor Haien haben.

Musik beeinflusst den Zuschauer

Forscher zeigten im Experiment 2100 Personen einen 60-sekündigen Clip von Haien. Die Sequenz war entweder ohne Ton, mit fröhlicher oder mit bedrohlicher Musik unterlegt. Diejenigen, die den gruseligen Clip geschaut hatten, waren im Anschluss Haien gegenüber negativer eingestellt als die Teilnehmer, die keinen Ton oder fröhliche Musik gehört hatten.

Das Resultat ist insofern bedenklich, als dass die meisten Menschen Dokus als objektive Lernprogramme wahrnehmen. Sie hinterfragen die Musik nicht und sind sich in der Folge nicht bewusst, dass die Dokus ihre Einstellung gegenüber Haien negativ beeinflussen.

Der Hauptautor der Studie, Andrew Nosal vom Saint Katherine College in San Marcos, Kalifornien, sagte Livescience.com: «Es mag verlockend sein, Haibilder mit bedrohlicher Musik zu unterlegen, um Dokus oder Nachrichtenbeiträge unterhaltsamer zu gestalten. Doch das schmälert den Lerneffekt, da beim Zuschauer die Wahrnehmung von Haien beeinflusst wird.»

Gefahr für Schutzprojekte

Nosal hofft, dass seine Studie bei Filmemachern ein Umdenken auslöst. Denn längerfristig könnte die negative Wahrnehmung von Haien einen Einfluss auf Schutzprojekte haben, die auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind.

Unterstützung erhält Nosal von Robert Hueter, dem Direktor des Center for Shark Research at the Mote Marine Laboratory in Sarasota, Florida. Der Wissenschaftler, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte: «Die Leute mögen sagen, dass das Resultat absehbar war. Tatsache ist aber, dass sich noch nie jemand dem Problem systematisch und wissenschaftlich angenommen hatte.»

Hueter, der unzählige TV-Interviews zu Haien gegeben hat, bestätigt, dass diese Beiträge meist mit bedrohlicher Musik unterlegt wurden. Und dass die Musik bedauerlicherweise die Auffassung der Leute verstärke, wonach Haie gefährliche Killer seien.

Wäre ohne Musik nur halb so spannend: «Der weisse Hai» (1975). (Video: Youtube/UniversalMoviesDE)

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