Forscher warnen: «Der Wald ist kränker, als er aussieht»
Aktualisiert

Forscher warnen«Der Wald ist kränker, als er aussieht»

Die Luftverschmutzung durch Landwirtschaft und Verkehr macht unserem Wald zu schaffen. Wissenschaftler warnen: Auch wenn der Wald für Laien gesund aussehe, der Schein trüge.

von
dia

Der Wald leidet an der zu hohen Belastung mit Stickstoff. Das zeigt der neueste Bericht zur interkantonalen Wald-Dauerbeobachtung, den das private Institut für Angewandte Pflanzenbiologie (IAP) am Donnerstag veröffentlichte.

Die Stickstoffbelastung führe zur Versauerung der Waldböden und störe die Nährstoffversorgung der Pflanzen, heisst es im Bericht. Dies erhöhe die Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten und vermindere die Widerstandskraft der Bäume gegenüber Windwurf und Trockenheit.

Der Schein trügt

Der Wald sehe für Laien auf den ersten Blick zwar gesund aus. Aber der Schein trüge, denn die Stickstoffemissionen seien weiterhin hoch und zehrten an der Waldgesundheit, warnt das in Schönenbuch BL beheimatete IAP.

Die vom Menschen verursachten Stickstoffemissionen aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr lägen seit vielen Jahren weit über dem, was für den Wald tragbar sei. Dies führt laut IAP zur fortschreitenden Versauerung der Schweizer Böden und zu einer Stickstoffüberdüngung.

Das IAP ortet deshalb dringenden Handlungsbedarf. Weitere Einschränkungen der Stickstoffemissionen in der Landwirtschaft sowie bei Verkehr und Industrie seien für die Wiederherstellung und den langfristigen Erhalt der Waldgesundheit notwendig, empfiehlt das Institut.

Fast 30 Jahre Forschungsarbeit

Das Institut stützt sich bei seinen Feststellungen auf Messreihen von Boden- und Pflanzenuntersuchungen, die das IAP seit 29 Jahren durchführt. Dies geschieht im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt und der acht Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Solothurn, Thurgau, Zug und Zürich.

In Messreihen auf heute 179 über die Schweiz verteilten Flächen werden Böden sowie rund 13'500 Fichten, Buchen und Eichen untersucht. Die wichtigsten Messgrössen der Waldbeobachtung sind Kronenzustand, Nährstoffstatus, Trieb- und Stammwachstum, Pflanzengemeinschaft, Wurzeln und Boden. (dia/sda)

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