WM-Gegner Kasachstan: Der wankelmütige Aussenseiter
Aktualisiert

WM-Gegner KasachstanDer wankelmütige Aussenseiter

Die Schweiz muss heute gegen Kasachstan gewinnen, um dem Abstieg definitiv zu entgehen. Der Aufsteiger hat sich bisher in Minsk jedoch als zäher Widersacher erwiesen.

von
Kai Müller
Weissrussland

Kasachstan ist Aufsteiger, Aussenseiter und Abstiegskandidat Nummer 1 in der Gruppe B. Kasachstan ist Tabellenletzter, direkt hinter den Schweizern. Und trotzdem heisst es für die Mannschaft von Sean Simpson: aufgepasst!

Die Zentralasiaten, mit einem Schnitt von 30 Jahren die älteste Mannschaft des Turniers, haben bisher an der WM keineswegs einen inferioren Eindruck hinterlassen, selbst wenn sie weiterhin auf den ersten Sieg auf höchster Stufe seit 2006 warten. Sie zwangen die Deutschen in ein Penaltyschiessen (1:2), führten gegen die Letten und kamen nach einem 2:4 zurück, ehe sie 4:5 verloren. Sie lagen am Freitag gegen die Amerikaner zweimal vorne und holten schliesslich einen Punkt (3:4 n.V.). Einzig gegen Russland (2:7) und Gastgeber Weissrussland (1:4) blieben sie chancenlos. Der Verlauf der bisherigen Partien passt zu den unbeständigen Kasachen, die sich in den vergangenen Jahren den Ruf einer Liftmannschaft erspielt haben. Seit 2009 wechselten sich Auf- und Abstieg stets ab.

Der kritische Goalie

Mit dem Finnen Ari-Pekka Selin verpflichteten die Kasachen im Juni 2013 erstmals einen Trainer aus dem Westen, der auch gleich den wichtigsten Klub im Land übernahm: Barys Astana. Der KHL-Verein aus der Hauptstadt alimentiert die Nationalmannschaft, stellt in Minsk 16 Spieler. Da erstaunt es nicht, dass gewisse Schwächen direkt von der Meisterschaft auf die grössere Bühne transportiert wurden, namentlich die Special Teams.

Gegen die Russen schlug es gleich viermal ein, als die Kasachen in Unterzahl agieren mussten. Und ihr Powerplay hat sich bisher nicht gerade als gefährlich erwiesen, auch wenn am Freitag gegen die USA ein Tor daraus resultierte. So sagte Goalie Alexej Iwanow, der inzwischen bei Spartak Moskau engagiert ist, nach dem Russland-Match: «Ich habe vor der WM die Statistiken angeschaut, und es sieht aus, als seien diese Probleme direkt von Barys zu uns ins Nationalteam gekommen.»

Wegen der Frau des Landes verwiesen

Ein wichtiger Mann, der das Überzahlspiel an der blauen Linie ankurbeln soll, ist Kevin Dallman. Der gebürtige Kanadier ist der produktivste Verteidiger der KHL-Geschichte (267 Skorerpunkte in 334 Partien) und besitzt seit vergangenem Jahr den kasachischen Pass, nachdem er sich einst gegen die Einbürgerung entschieden hatte. Gänzlich unbelastet ist sein Verhältnis zur zweiten Heimat nicht. Weil seine Frau in einem Blog die Korruption im Land angeprangert hatte, wurden die Dallmans im Frühling 2012 kurzerhand des Landes verwiesen. Dieser Vorfall hatte zur Folge, dass der vorherige Barys-Captain zu SKA St. Petersburg wechselte. Auf die kommende Saison kehrt er jedoch zurück.

Der bekannteste Name im Kader der Kasachen ist aber zweifellos Nikolai Antropow. Der 34-jährige Captain bestritt in seiner Karriere über 800 NHL-Partien, ehe er nach 14 Jahren in Nordamerika die Heimkehr antrat und bei Barys unterschrieb. Der massige Stürmer (1,99 m, 110 kg) spielt an dieser WM erstmals seit den Olympischen Spielen in Turin 2006 wieder für das Nationalteam.

Schweizer Statistik: 4 Spiele, 2 Siege, 2 Niederlagen

Siegeschance: 90 Prozent

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