Putziger Konkurrent: Der Waschbär kommt der Schweiz näher
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Putziger KonkurrentDer Waschbär kommt der Schweiz näher

Im Toggenburg ist erstmals ein Waschbär nachgewiesen worden. Bisher wurden die Säuger in der Schweiz nur selten gesichtet – ganz anders sieht es in Deutschland aus.

von
ofi

Von Schaffhausen bis zum Genfersee: 237-mal wurde in der Schweiz schon ein Waschbär gesehen, wie die Karte mit gemeldeten Sichtungen des Centre Suisse de Cartographie de la Faune (CSCF) zeigt. Das erste der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere wurde in den 1970er-Jahren gemeldet.

Beweise für das Auftreten der Säuger gibt es jedoch nur wenige. Im Toggenburg wurde jetzt erstmals ein Waschbär nachgewiesen. Das Tier war überfahren worden.

Er dürfte ein Einzeltier gewesen sein – wie fast alle gesichteten Exemplare. «Ein signifikantes Wachstum der Population ist nicht festzustellen. Aus meiner Sicht hat sich der Waschbär in der Schweiz noch nicht richtig etabliert», sagt Simon Capt, Forscher am CSCF. Es gebe nicht einmal Nachweise, dass sich Waschbären in der Schweiz je fortgepflanzt hätten.

Population in Deutschland macht zum Teil Probleme

Dass sich das in Zukunft ändern kann, zeigt laut Capt das Beispiel Deutschland, wo die Waschbärpopulation inzwischen mehrere hunderttausend Exemplare erreicht hat. In fast jedem zweiten Jagdrevier Deutschlands kommen gemäss dem Wild-Monitoring des Deutschen Jagdverbands Waschbären vor. Inzwischen hat er sich auch in Baden-Württemberg durchgesetzt und kommt damit der Schweizer Grenze deutlich näher.

Die putzigen Tiere verursachen in verschiedenen Gebieten Probleme mit heimischen Tieren. Denn Waschbären sind Allesfresser. Sie ernähren sich neben Pflanzen vor allem von Insekten, Fischen und Amphibien. Aber auch Vogeleier und seltene Kleinsäuger stehen auf ihrem Nahrungsplan. Weil sie in Europa ursprünglich nicht heimisch waren, sind sie seit ihrer Einwanderung in Konkurrenz zu anderen Jägern wie Füchsen getreten und beanspruchen Lebensräume von Vögeln.

Vermehrt sich der Waschbär auch in der Schweiz?

Bis zu einem Viertel aller potenziellen Uhu-Nistplätze in Thüringen ist bereits vom Waschbär besetzt, sagt zum Beispiel Martin Görner von der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen in der deutschen «Welt». Er denkt nicht, dass eine natürliche Lösung möglich ist und fordert eine «scharfe Bejagung».

Solche Probleme mit einheimischen Tierarten existieren in der Schweiz bisher nicht. Dass dieselbe Entwicklung wie in Deutschland in der Schweiz möglich ist, schliesst Sabine Mari von Pro Natura jedoch nicht aus, weil die Länder landschaftlich und klimatisch sehr ähnlich seien. Prognosen sind aber fast nicht möglich: «Es ist aber nicht vorhersehbar, ob sich die Waschbären in Zukunft ausbreiten», so Mari. Aktuell sei wohl die Dichte der Tiere zu gering für eine rasante Vermehrung.

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