José «Pepe» Mujica: «Der Weg der Repression ist nie gut»
Aktualisiert

José «Pepe» Mujica«Der Weg der Repression ist nie gut»

Uruguay hat als erstes Land der Welt den Konsum von Marihuana legalisiert. Hinter der Regelung steht Präsident José Mujica, ein ganz aussergewöhnlicher Politiker.

von
K. Leuthold
Als weltweit erstes Land erlaubt Uruguay künftig den begrenzten Handel mit Marihuana. Hinter der Initiative steht Präsident José Mujica.

Als weltweit erstes Land erlaubt Uruguay künftig den begrenzten Handel mit Marihuana. Hinter der Initiative steht Präsident José Mujica.

«Ich glaube nicht, dass Marihuana was Gutes ist. Überhaupt finde ich, dass keine Droge gut ist. Aber noch schlimmer als Drogen ist der Drogenhandel», begründet Uruguays Präsident José Mujica seinen Anstoss, den Anbau und Verkauf von Marihuana unter staatlicher Kontrolle in seinem Land zu legalisieren.

Das Gesetz, das am Mittwochmorgen nach einer 13-stündigen Sitzung im Senat gebilligt wurde, ist ein mutiger politischer Zug. Dass Mujica als weltweit Erster das «Experiment» wagte, überrascht in Uruguay keinem. «Der Pepe», wie er liebevoll in seiner Heimat genannt wird, ist ein besonderer Politiker, der nun auch ausserhalb der Grenzen des kleinen südamerikanischen Staates für Aufmerksamkeit sorgt.

Lieber zu Hause als im Präsidentenpalast

Der 78-Jährige hat ein bewegtes Leben hinter sich. Wegen seiner Tätigkeit in der Guerrilla-Organisation Tupamaros verbrachte Mujica 14 Jahre im Gefängnis – die meiste Zeit in Einzelhaft. Nachdem er 1985 entlassen wurde, begann er eine politische Karriere bei der linksorientierten Partei «Frente Amplio».

Im Jahr 2005 heiratete er Lucia Topolansky, mit der er seit seiner Haftentlassung liiert ist. Heute ist Topolansky Senatorin. Die beiden wohnen auf einem Bauernhof ausserhalb der Haupstadt Montevideo. Einen Einzug im pompösen Präsidentenpalast lehnte das Paar ab. Zusammen züchten sie Chrysanthemen, die sie verkaufen. Kinder haben sie keine. Ihre einzige Begleitung ist die 14 Jahre alte Hündin Manuela.

Bescheiden, aber nicht arm

Präsident Mujica lebt sehr bescheiden. Er fährt einen alten VW Käfer und empfängt in seiner Chacra jeden, der bei ihm läutet. Als «arm» bezeichnet er sich aber nicht. «Zum Gegenteil, ich bin nicht arm, weil ich nicht viel brauche», sagt er. Sein einfaches Leben entspricht eher einer Lebensphilosophie. «Ich will nicht an materielle Sachen gebunden sei. Denn wer gebunden ist, hat nicht die Freiheit, die Dinge zu tun, die ihn erfüllen.»

Darum spendet er auch jeden Monat 90 Prozent seines Gehalts an wohltätige Organisationen. «Es gibt immer jemanden, der weniger hat als ich.» Er werde zudem seinen Lebensstil nicht ändern, «nur weil ich Präsident bin», pflegt er zu sagen.

Vergangenen September erntete Pepe Mujica an der Generalversammlung der Vereinten Nationen viel Applaus, als er einen langen Vortrag über Menschheit und Kapitalismus hielt. Er gilt als Pragmatiker, und so ist es auch nicht erstaunlich, dass er nun den Drogenkartellen den Kampf ansagt. «Wir wollen das Geschäft aus dem Untergrund holen und es zu einer Staatsaffäre machen», sagte er im Interview mit der brasilianischen Zeitung «Folha de São Paulo».

«Jetzt werden wir einen Markt regulieren, nachdem der repressive Kampf gegen die Drogen gescheitert ist.» Repression habe nie Gutes gebracht. Ausserdem bekäme nun «der Staat einen Überblick über die Konsumenten», sagt Mujica. Der Kauf von monatlich bis zu 40 Gramm Marihuana soll nach dem neuen Gesetz in Apotheken freigegeben werden. «Wer mehr holt, den lassen wir behandeln, denn der hat ein Problem.»

September 2013: José Mujicas Rede vor der UNO

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