Hardturm-Projekt: «Der Weg der SP führt nicht zu einem Stadion»
Aktualisiert

Hardturm-Projekt«Der Weg der SP führt nicht zu einem Stadion»

Die SP fordert, dass beim Hardturm-Projekt auf die beiden Hochhäuser verzichtet wird. Die rot-grünen Stadträte kritisieren das scharf.

1 / 24
Blick auf das künftige Hardturm-Areal mit den beiden Hochhäusern. Die HRS Investment AG und Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse realisieren hier ein neues Stadion und zwei Wohn- und Geschäftshochhäuser.

Blick auf das künftige Hardturm-Areal mit den beiden Hochhäusern. Die HRS Investment AG und Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse realisieren hier ein neues Stadion und zwei Wohn- und Geschäftshochhäuser.

© nightnurse images
Das Team hat den Investorenwettbewerb mit dem Projekt Ensemble gewonnen. Die Architekten sind Pool Architekten (ZH), Caruso St John Architects (London) und Boltshauser (ZH). Die beiden Hochhäuser werden 137 Meter hoch ...

Das Team hat den Investorenwettbewerb mit dem Projekt Ensemble gewonnen. Die Architekten sind Pool Architekten (ZH), Caruso St John Architects (London) und Boltshauser (ZH). Die beiden Hochhäuser werden 137 Meter hoch ...

© nightnurse images
... und damit elf Meter höher als der 126 Meter hohe Prime Tower – aktuell das höchste Gebäude der Stadt.

... und damit elf Meter höher als der 126 Meter hohe Prime Tower – aktuell das höchste Gebäude der Stadt.

Keystone/Steffen Schmidt

Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) und Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) haben sich an der Medienkonferenz klar hinter das Hardturm-Projekt gestellt. Sie kritisieren das Vorgehen der Stadtzürcher SP scharf: «Der Weg der SP führt nicht zu einem Stadion. Es wird kein Stadion-Projekt geben, wenn das Projekt zurückgewiesen wird», sagte Leupi.

Es gehöre zum Spiel, dass das Parlament Änderungen an einem Projekt anbringe. Es sei aber schon sehr speziell, dass so kurz vor dem Entscheid solch wesentliche Anpassungen gefordert würden. So könne man politisch nicht arbeiten. «Es war klar, dass der dritte Anlauf für ein Stadion keine eierlegende Wollmilchsau sein wird», so Leupi. Es sei ein richtiges und gutes Projekt.

Man würde bei Punkt Null beginnen

Die beiden Zürcher Stadträte sind überzeugt, dass der Antrag im Parlament abgelehnt wird. Bei nachträglichen Änderungen in diesem Umfang müsste das Projekt sonst neu ausgeschrieben werden. «Damit würde man wieder bei Punkt Null beginnen.» Die SP solle doch ehrlich sein und sagen, dass sie kein Stadion möchte. Das Wort Investor werde mit dem eines Mäzens verwechselt, so Leupi. Eine Rendite von 4,5 Prozent sei nicht illegal, wie die SP behaupte.

Leupi nahm Stellung zur SP-Forderung, dass mehr gemeinnützige Wohnungen ins Projekt integriert werden müssen: «Die Credit Suisse bietet an, zu den 150 gemeinnützigen Wohnungen des Projekts zusätzlich 150 Wohnungen der Stadt zu verkaufen, wenn das Projekt realisiert ist.» Die SP müsse sich bewusst sein, dass bei Ablehnung des Projekts 300 gemeinnützige Wohnungen nicht gebaut werden.

Leupi: «Das ist eine Milchbüchleinrechnung»

Die Rechnung der SP bezüglich der Einnahmen für die Stadt sei falsch, so Leupi weiter. Für einen Ertrag von 1,6 Millionen Franken wären 1400 gemeinnützige Wohnungen nötig. Dafür sei das Areal zu klein. «Ich sage es klipp und klar: Das ist eine Milchbüchleinrechnung.»

Zum Argument, dass das Projekt durch Rekurse wegen der beiden Hochhäuser blockiert werden könnte, äusserte sich Odermatt: Bei grossen Projekten gebe es immer ein Risiko für Rekurse. Deshalb auf das Projekt zu verzichten, sei nicht zielführend. «Dann müsste ich alle meine Projekte stoppen.» Es werde eine Drohkulisse aufgebaut, die in sich zusammenfällt.

Fussballclubs spüren Rückhalt

Auch den Vorwurf, dass die Hochhäuser nicht ins Stadtbild passen, lässt Odermatt nicht gelten: «Die Hochhäuser stehen am richtigen Ort. Das sagen auch die Experten. Sie setzen einen wichtigen Akzent. Zürich erhält im Westen damit ein Eingangstor.»

Die Präsidenten der beiden Fussballclubs zeigten sich an der Konferenz sehr enttäuscht über das Vorgehen der SP. «Ich spüre viel Rückhalt in der Bevölkerung, auch an der SP-Basis», sagt etwa FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Trotz der Forderung ist er überzeugt, dass das Zürcher Derby 2021 im neuen Stadion ausgetragen werden kann.

Volk soll nochmals an die Urne

Bei der Investorin HRS ist man ebenfalls enttäuscht: An der Erstellung des Projekt sei die SP beteiligt gewesen und man habe sich damals gefunden, so CEO Martin Kull. Er verstehe nicht, warum man so kurz vor Schluss so grundlegende Anpassungen fordert.

Was der Stadtrat zum Schluss deutlich machte: «Es gibt kein Stadionprojekt nach diesem Stadionprojekt.» Er will deshalb die Bevölkerung über das Projekt abstimmen lassen. Das könnte laut Odermatt noch dieses Jahr der Fall sein.

(20 Minuten)

Deine Meinung