Der Weg zum Hoteldirektor führt über viele Hürden
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Der Weg zum Hoteldirektor führt über viele Hürden

Den Traum des Hoteldirektors träumen viele. Ihn zu verwirklichen, ist kein Honiglecken. Auf dem Weg zum Resort-Manager muss unten beginnen, wer ganz oben landen will.

Die Vision vom Direktorenjob in Thailand hat sich für Fabian (31) verflüchtigt. Die Aufenthaltsbewilligung ist ihm nicht erteilt worden. Aus Träumen wurden Schäume. Nach insgesamt sechs Saisons in Strandbädern, möchte Fabian von Pommes, „Fischknusperli" und Chicken-Nuggests Abschied nehmen, auch wenn ihm dieses Geschäft gute Umsätze und - in den Wintermonaten - ausgedehnte Reisen gebracht hat. Als Absolvent der Hotelfachschule sei er nun offen für alles, wobei der Traum vom eigenen Betrieb oberste Priorität geniesse.

In dieselbe Kerbe haut auch Michèle (26). Sie weiss, dass es auf dem Weg in den gastronomischen Olymp weitere Ausbildungen braucht. „Bezüglich Sprachen oder Mitarbeiterführung hat man nie ausgelernt". Michèle rechnet aber auch vor, was solche Weiterbildungen kosten. „Allein die Hotelfachschule hat mich mehrere zehntausend Franken gekostet. Bevor ich weitere Fortbildungen ins Auge fassen kann, muss ich zuerst die Finanzen wieder ins Lot bringen". Und genau hier liegt der Haken. Als promovierter Hotelfachschüler kann man zwar zum Beispiel als Chef de Service einsteigen, das grosse Geld aber liegt dort nicht im Jackpot. „Viel mehr als 4500 Franken pro Monat liegen nicht drin", ist sich Michèle sicher. „Das ist – gemessen an der Ausbildung – eher zu wenig", sagt sie. Was nun? Auf den Traum von der eigenen Bar kann sie warten. Vorerst geht sie als Flight Attendant in die Luft – und hofft, dass die irdischen Wünsche eines Tages Realität werden.

Samuel (28) hat geschafft, wovon andere träumen. Er ist heute Leiter der Tavolago, welche für das gastronomische Angebot auf dem Vierwaldstättersee verantwortlich zeichnet. Samuel hatte, bevor er die Hotelfachschule absolvierte, eine Lehre als Koch gemacht, sich dort in einem von Michelin besternten Lokal hochgearbeitet. Eine harte Zeit sei dies gewesen, „vor allem der fehlenden Freizeit wegen", sagt Samuel im Rückblick. Nun schätzt er die Privilegien, die ein Kaderjob mit sich bringt, auch wenn hier praxisnahes Handeln und der ständige Drang nach Verbesserungen oberstes Gebot sind. „Sich zurücklehnen ist in keinem Job der Gastrobranche möglich", sagt er und schiebt nach, „dass dieses Metier nur in Angriff nimmt, wer sich wirklich dafür begeistern kann". Begeisterung alleine reicht allerdings nicht, „denn der Druck bezüglich sehr tiefer Margen ist eine tägliche Herausforderung".

Gabriel Aeschbacher

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